State-sponsered attacks: Twitter warnt Nutzer vor staatlichen Angriffen

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat Nutzer informiert, dass sie möglicherweise Opfer von staatlichen Angriffen geworden sind. Die meisten befassen sich mit IT-Sicherheit oder Anonymisierung. Golem.de hat mit einem der wenigen deutschen Betroffenen gesprochen.

Artikel von Tim Philipp Schäfers veröffentlicht am
Twitter hat erstmals Nutzer über staatliche Angriffe informiert.
Twitter hat erstmals Nutzer über staatliche Angriffe informiert. (Bild: Leaon Neal/AFP/Getty Images)

Google weist seine Nutzer schon seit drei Jahren darauf hin, wenn der Dienst vermutet, dass eine sogenannte State-sponsored attack (von Staaten durchgeführter Angriff) auf ihre Benutzeraccounts durchgeführt wurde. Auch Facebook tut dies seit mehreren Wochen. Jetzt hat auch Twitter erstmals eine solche Warnung ausgegeben und am vergangenen Wochenende über 20 Benutzer auf eine vermeintliche staatliche Attacke hingewiesen. Eine Twitter-Liste der Betroffenen ist hier einsehbar.

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Das Besondere an dem Fall ist, dass überwiegend Nutzer betroffen sind, die sich mit dem Bereich IT-Sicherheit und speziell den Themen Zensurumgehung sowie Anonymisierung im Internet beschäftigen. Unter den Betroffenen sind beispielsweise einige Personen aus dem Umfeld des Tor-Projekts. "Daher kann man spekulieren, dass eines der Länder mit starker Internetzensur dahinter steckt. Aber einerseits bleibt offen, welches Land dies war und andererseits auch, warum andere Aktivisten nicht Ziel des Angriffs waren", sagt Jens Kubieziel, einer der wenigen Deutschen unter den Betroffenen.

Unsicherheit bei den Betroffenen

Er hat auf seinem Blog einen Artikel zu dem Thema veröffentlicht und gehörte zu den Ersten, die sich öffentlich über den Vorfall geäußert haben. Wie andere Betroffene ist er verunsichert, denn Twitter nennt in seiner E-Mail keinerlei Details. Laut Twitter betrifft die Attacke ausschließlich den Nutzernamen, IP-Adressen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern, sofern sie mit dem Account verknüpft sind. "Leider hält sich Twitter mit weiteren Erkenntnissen zurück und unter den Betroffenen entsteht dadurch eine große Unsicherheit", sagt Kubieziel. Welche Indizien Twitter anwendet, um festzustellen, dass der Angriff von einem Staat kommt, ist unklar.

Kubiziel beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Zensurumgehung im Internet, schult Journalisten und Aktivisten in der Thematik und betreibt verschiedene Server, die es Nutzern ermöglichen, Internetzensur zu umgehen. Ändern möchte er daran in der Zukunft nichts. "Bisher betrachtete ich alles, was ich bei Twitter schreibe, als öffentliche Information. Das betrifft Tweets wie auch private Nachrichten. Dies werde ich auch zukünftig beibehalten", sagt Kubieziel. "Damit kann ein Angreifer auch nur die Informationen bekommen, die ohnehin öffentlich sind."

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Es bleibt abzuwarten, ob Kubieziel und andere Betroffene jemals erfahren, weshalb sie in das Fadenkreuz eines Staates geraten sind und wieso versucht wurde, Informationen über sie zu gewinnen. In ähnlichen Fällen blieb bisher häufig unklar, welche Staaten oder Organisationen hinter den Attacken stecken und wie die Konzerne auf die Attacken aufmerksam werden.

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