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Startup: Protonet hat Ärger mit den Crowdinvestoren

Protonet will mit seinem Miniserver für Bürokommunikation und neuen Smart-Home -Produkten auch in den USA erfolgreich sein. Doch die Rechtsform, die dafür gewählt wurde, verursacht offenbar zahlreiche Probleme. Der Bestand des Unternehmens könnte gefährdet sein.
/ Hauke Gierow
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Protonets Server ist vor allem für Unternehmen gedacht. (Bild: Protonet)
Protonets Server ist vor allem für Unternehmen gedacht. Bild: Protonet

Das Hamburger Startup Protonet ist derzeit in intensiven Diskussionen mit Investoren, die den Bestand des Unternehmens bedrohen könnten. Dafür verantwortlich sind Probleme mit einer neuen Rechtsform in den USA und mögliche finanzielle Forderungen der Crowdinvestoren, wie T3N(öffnet im neuen Fenster) berichtet. Das Onlinemagazin hatte von einer anonymen Quelle zahlreiche interne Materialien zugespielt bekommen.

Protonet stellt einen als innovativ geltenden Kleinserver her, der vor allem für Büroumgebungen gedacht ist und unter anderem eine Reihe von Groupware-Funktionen bietet. Das Unternehmen hatte sich das notwendige Kapital in zwei Crowdinvestitionsrunden, zuletzt auf der Plattform Seedmatch, gesichert.

Jetzt stehen offenbar die Erlöse aus der zweiten Kampagne in Höhe von mindestens 3 Millionen Euro zur Disposition – das Unternehmen erarbeitet derzeit einen Plan, um die notwendigen Auszahlungen zu verschieben. Ob das Unternehmen die notwendige Liquidität hätte, um alle Investoren sofort auszuzahlen, ist unklar.

US-Expansion sollte das Unternehmen retten – sorgt aber für Probleme

Ursache der Probleme ist ein Schritt, der das Unternehmen eigentlich stärken sollte. Protonet will auch in die USA expandieren. Dazu hatte sich das Unternehmen unter anderem die Finanzkraft und die Verbindungen des Startup-Dienstes Y-Combinator gesichert und eine neue Gesellschaft nach US-Recht gegründet, die Protonet Inc, wie T3N schreibt.

Doch der Einstieg soll nach den Seedmatch-Verträgen einem Exit, also einem (Teil-)Verkauf des Unternehmens, gleichkommen. Damit hätten alle Investoren ein Recht auf sofortige Auszahlung ihrer Einlagen in Protonet, schrieb T3N.

Seedmatch schreibt dazu, nach Darstellung von T3N: "Wie (...) bekannt wurde, erfolgte die Umstrukturierung über einen Asset-Deal, bei dem das Betriebsvermögen der Protonet GmbH an die Protonet Inc. (...) übergegangen ist." Die Investoren müssten demnach an den Erlösen beteiligt werden. Das Problem für Protonet: Erlöse hat es durch den Umbau wohl nicht in nennenswerter Höhe gegeben, die neue Firmenstruktur soll nur ermöglichen, in den USA aktiv Geld einzuwerben.

Protonet selbst begründete die Expansion in die USA den Dokumenten zufolge als Notwendigkeit, zur "Sicherung des Fortbestands des Unternehmens" . Bislang soll es zwar Gespräche mit Geldgebern gegeben haben, über einen Durchbruch in den Verhandlungen ist aber noch nichts bekannt.

Eine neue Gesellschaft soll die Verbindlichkeiten aufkaufen

Protonet will den Crowdinvestoren jetzt offenbar eine Alternative zur sofortigen Auszahlung der Anteile anbieten, um einen Konkurs abzuwenden. Damit sollte es den Anlegern möglich sein, zu einem späteren Zeitpunkt am Unternehmenserfolg, so er sich denn einstelle, beteiligt zu werden.

Um das zu ermöglichen, soll offenbar erneut eine Gesellschaft, in diesem Fall eine Holding, gegründet werden, in der sich dann die Gesellschafter der deutschen Protonet GmbH und der US-Tochter zusammenschließen. Die Holding wiederum will den rund 1.800 Anlegern dann anbieten, ihre Verbindlichkeiten inklusive einer jährlichen Festverzinsung abzukaufen.

Gleichzeitig würden die Rückzahlungsansprüche der Investoren bis Ende 2019 gestundet. Würde es zu einem größeren Exit kommen, könnten die Erlöse über dieses Konstrukt ebenfalls an die Kleinanleger ausgeschüttet werden, heißt es in dem Bericht.

Viele Investoren haben bereits zugestimmt

Bislang sollen sich rund 500 der Investoren zu dem Angebot verhalten haben – rund drei Viertel von ihnen offenbar positiv. Tatsächlich dürften die meisten an einer Lösung des Problems interessiert sein. Im Falle der Insolvenz von Protonet würde der Totalausfall des investierten Kapitals drohen. Wer das Angebot jetzt ausschlägt, kann aber trotzdem auf die Rückzahlung bestehen. Protonet wird durch den Deal also seine akut fälligen Verbindlichkeiten reduzieren, aber vermutlich nicht auf null senken können.

Einige der Investoren sehen auch die Crowdfundingplattform Seedmatch in der Verantwortung, schließlich hätten auch die Regeln der Plattform zu der für alle Beteiligten unerfreulichen Situation geführt. Die Plattform steht einer Lösung offenbar nicht ablehnend gegenüber.

Mit dem aktuell diskutierten Modell ist man bei Seedmatch aber offenbar noch nicht zufrieden. "Wir haben außerdem zur Kenntnis genommen, dass wesentliche Vertragskomponenten aus den Seedmatch-Investmentverträgen (Gewinnbeteiligung, Bonuszins bei Kündigung) im neuen Vertragsverhältnis entfallen sollen. Das Angebot ist aus unserer Sicht in diesem Punkt nicht im Sinne des Seedmatch-Investmentvertrags" , sagte ein Sprecher der Plattform bei T3N. In den kommenden Wochen liegt also offenbar noch viel Arbeit vor Protonet.

Nachtrag vom 9. Juni 2016, 12:14 Uhr

Protonet hat sich bei T3N, das den ursprünglichen Artikel veröffentlicht hat, eine Gegendarstellung veröffentlicht. Darin heißt es: Das Angebot an die Investoren biete die Möglichkeit, "die Leute an der weiteren Entwicklung teilhaben zu lassen. Es hat nichts mit Insolvenzabwendung zu tun" . Außerdem schreibt Protonet, dass Investoren, die dem Angebot nicht zustimmen, nicht auf einer Rückzahlung beharren könnten: "Selbst wenn Leute das Angebot nicht annehmen, können sie das Investment nicht vorzeitig/sofort einfordern" . Die vollständige Gegendarstellung findet sich bei T3N(öffnet im neuen Fenster) .


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