Start von Windows RT: Microsoft macht die Ifa zu seiner Bühne

Zur Internationalen Funkausstellung (Ifa) 2010 in Berlin haben wir uns über die vielen Tablets gewundert und uns gefragt, wo denn eigentlich Microsoft bleibt , denn der Softwarekonzern glänzte durch Abwesenheit. Das war dieses Mal anders. Zum Start von Windows 8 ist Microsoft ganz andere Wege gegangen als für Windows 7 oder Vista. Computer sind nicht mehr Arbeitsgeräte, sie sind längst zum alleskönnenden Unterhaltungsgerät mit einem festen Platz auf der Ifa geworden.

Wir wollen eine Übersicht über die Neuheiten rund um Windows 8 und Windows RT bieten, denn die Ifa(öffnet im neuen Fenster) ist in diesem Jahr eine große Messe für Microsoft und wurde genutzt, um das neue Betriebssystem Windows 8 und erstmals den Tablet-Ableger Windows RT groß vorzustellen und vorzuführen. Schließlich soll es am 26. Oktober 2012 losgehen. Microsoft war aber nicht mit einem Messestand in Berlin vertreten und blieb im Hintergrund.
Windows-RT-Erstvorstellung auf der Ifa
Microsofts Betriebssystem für ARM-Prozessoren wurde erstmals einem Publikum vorgeführt. Geräte gab es von Asus, Samsung und Dell. Dell zeigte sein RT-Tablet XPS 10 leider nur in einem Glaskasten. Samsung und Asus gingen mit den Tablets offener um, so dass wir das neue Betriebssystem erstmals ausprobieren konnten.
Windows RT ausprobiert
Wir konnten wider Erwarten mit dem neuen Betriebssystem kleine Tests durchführen und ausprobieren, wie sich ein Windows auf ARM-Basis anfühlt. Mit Samsungs Ativ Tab mit Snapdragon S4 haben wir das Betriebssystem ausprobiert und uns auf Windows RT konzentriert . Das System ist äußerst flott und das Tablet mit 570 Gramm angenehm leicht. Alles, was wir in diesem halbstündigen Test durchprobieren konnten, funktionierte sehr schnell, mit Ausnahme tiefer Systemeinstellungen. Allerdings störte uns der Desktop, der sich uns ziemlich vollständig zeigte. Weitere Details finden sich in unserem Windows-RT-Artikel von der Ifa .

Bei Asus konnten wir das Vivo Tab RT ausprobieren . Hier konzentrierten wir uns mehr auf die Hardware. Das Tablet ist mit 520 Gramm ziemlich leicht und Asus setzt weiterhin auf seine Tastaturdocks mit integriertem Akku. So soll das Tegra-3-Tablet rund 15 Stunden Akkulaufzeit bieten. Es fühlt sich trotz des geringen Gewichts sehr hochwertig an.

Preisinformationen zu Windows-RT-Geräten waren keinem der Hersteller zu entlocken. Das ist insbesondere deshalb interessant, weil die Gerüchte besagen, dass Microsofts eigenes Windows-RT-Tablet mit dem Namen Surface für rund 200 US-Dollar verkauft werden soll . Diesen Preis werden Asus, Dell und Samsung mit ihren Geräten wohl kaum erreichen.
Surface wurde auf der Ifa nicht gezeigt. Damit hatten drei Windows-RT-Geräte auf der Ifa ihre Premiere. Auffallend war, dass viele Hersteller sich nicht zu Windows RT bekennen wollten. HP beispielsweise gab an, dass es kein RT-Tablet bis Weihnachten auf der internen Roadmap geben wird. Auch Acer, Toshiba und Sony besuchten wir auf der Ifa, ohne ein Windows-RT-Gerät zu sehen. Sie alle könnten ein RT-Tablet bauen, schließlich haben sie auch Android-Tablets auf dem Markt.
Den weitaus größeren Anteil an Windows-Geräten gab es also mit Windows 8. Hier war die Zahl so groß, dass wir uns auf die interessantesten Geräte konzentrieren. Einige haben wir zwar angesehen, aus Zeitgründen aber nicht mit einem eigenen Ausprobiert-Artikel und -Video vorgestellt. Details finden sich in den jeweils verlinkten Artikeln zu den Windows-8-Geräten.
Interessante Windows-8-Konzepte im Notebook- oder Tablet-Format
Windows 8 war praktisch bei allen Notebookherstellern ein Thema. Neue Gerätevorstellungen wird es verschiedenen Herstellern zufolge nur mit Windows 8 und nicht mit Windows 7 geben. Wer die Hoffnung hat, eines der neuen Geräte mit Windows 7 im Laden zu finden, wird enttäuscht.
Sony mit Slider und Riesentablet
Sony hat auf der Ifa zwei ungewöhnliche Tablets mit Windows 8 gezeigt. Das Vaio Duo 11 verbirgt eine Tastatur, die zum Vorschein kommt, wenn das Full-HD-Display (1.920 x 1.080 Pixel) nach oben geschoben und aufgestellt wird. Das funktioniert gut. Zudem kann auf das Tablet mit einem druckempfindlichen Stylus geschrieben werden. Eine Möglichkeit, den Stift unterzubringen, bietet aber nur ein optional erhältlicher Akku, der sich unter das Gerät schnallen lässt. Das 1,3 kg schwere Businessgerät stattet Sony bewusst mit einem VGA-Anschluss auf, sind Projektoren mit entsprechenden Anschlüssen doch noch immer weit verbreitet.
Das zweite ist das Vaio Tab 20 . Es ein Tablet zu nennen, ist nicht ganz zutreffend, denn das Gerät verfügt über ein 20 Zoll großes Display und bringt stattliche 5,2 kg auf die Waage. Es ist damit eher portabel als mobil und verfügt auch über einen klappbaren Standfuß. Damit kann es in beliebigem Winkel aufgestellt, aber auch flach auf den Tisch gelegt werden, so dass die ganze Familie um das Gerät herumsitzen und es nutzen kann, beispielsweise für Spiele.
Im Unterschied zu Windows-RT-Tablets gibt es bei Windows-8-Geräten auch Preisangaben. Das Vaio Duo 11 soll ab rund 1.200 Euro zu haben sein. Das Riesentablet Vaio Tab 20 ist rund 1.000 Euro teuer. Beide sollen ab Ende Oktober 2012 verfügbar sein.
Dells Windows-8-Tablet hinter Glas
Zu den interessanten Konzepten gehört Dells XPS Duo 12 , das leider nur unter einem Glaskasten gezeigt wurde. Es gehört augenscheinlich zu den XPS-Ultrabooks, bietet aber einen Displaydrehmechanismus, den Dell mit dem Inspiron Duo auf dem IDF 2010 bereits vorstellte, damals aber mit einem lahmen Atom-Prozessor.

Toshiba mit robustem Slider-Mechanismus
Etwas länger konnten wir uns mit Toshibas Satellite U920t beschäftigen. Der Mechanismus machte beim Ausprobieren einen wirklich guten Eindruck. Wir mussten allerdings erst einmal lernen, wie das Convertible schnell umgewandelt wird. Toshiba-Mitarbeiter demonstrierten das Aufschieben und Zusammenschieben mit einer hohen Geschwindigkeit, man muss also mit etwas Übung nicht zaghaft mit dem Gerät umgehen. Der Winkel des Displays lässt sich gut einstellen. Das haben wir aufgrund des Mechanismus nicht erwartet. Zudem wird das Display recht fest in seiner Position gehalten. Mit 12,5 Zoll (1.366 x 768 Pixel, Gorilla-Glas) ist das U920t größer als Sonys Slider und wirkt auch ganz schön groß für ein Tablet. Als Ultrabook ist es hingegen schön flach.






Die Konstruktion hat aber zwei Nachteile. Das Display ist ungeschützt, für den Transport wird also eine Tasche gebraucht, und die Rückseite des Deckels sieht durch die Zahnradkonstruktion nicht gerade schön aus. Toshiba war der praktische Nutzen offenbar wichtiger als das Aussehen der Rückseite des Notebooks.
Das Notebook wird etwas teurer als erwartet. Rund 1.200 Euro wird es ab dem 26. Oktober 2012 kosten.
HP war offiziell nicht auf der Ifa
HP gehörte zu den Herstellern, die auf der Ifa nicht mit einem Stand vertreten waren. Stattdessen mietete sich der Konzern in einem nahen Hotel mit Präsentationsräumen ein und war auf zwei Sammelveranstaltungen zu sehen. Gezeigt wurden das HP Envy X2 , ein Tablet mit Tastaturdock, sowie Ultrabooks mit Touchscreen - ein Trend, dem auch andere Notebookhersteller folgen.
Acer, Asus und Samsung
Acer hatte hingegen einen großen Stand und zeigte nicht nur High-End-Systeme. Auch so manches Notebook mit großem Bildschirm zu niedrigen Preisen will Acer mit einem Touchscreen ausstatten. Der kostet dann so etwa 100 Euro Aufpreis, verglichen mit den Notebooks ohne Touchscreen. Statt eines RT-Tablets zeigte Acer die Iconia Tabs W510 und W700 mit Atom- beziehungsweise Core-i-Prozessor. Dabei ist auch die Atom-Variante (Clover Trail) mit Windows 8 recht fix. Interessant sind die Preise mit rund 600 beziehungsweise 700 Euro. Dabei legt Acer auch gleich die Docks für die Windows-8-Tablets bei.
Acer stellte zudem die Ultrabook-Serie Apsire S7 mit Touchscreen vor. Die Ultrabooks werden wohl ziemlich teuer, sind aber auch recht schick und vor allem dünne Begleiter für unterwegs.
Samsung und Asus mit RT-Alternativen
Samsung und Asus zeigten nicht nur RT-Tablets, sondern auch gleich die Alternativen mit Windows 8. Von Asus gibt es das Vivo Tab mit Atom-Prozessor, im Prinzip eine etwas größere Version des Vivo Tab RT. Statt 10 Zoll hat das Vivo Tab 11,6 Zoll in der Bilddiagonalen.
Samsungs Ativ Smart PC und Smart PC Pro konnten wir ausprobieren . Die beiden unterscheiden sich durch den Prozessor. Die Pro-Variante hat einen Core i, die andere Variante, die auch im nachfolgenden Video zu sehen ist, einen Atom Z2670.

Asus zeigte noch das Taichi-Ultrabook. Es hat nicht nur ein, sondern zwei Full-HD-Displays, die auch gleichzeitig genutzt werden können. Das zweite Display steckt im Hochglanzdeckel, während das erste innere Display matt ist. Wer das Notebook in ein Tablet verwandeln will, muss nur den Deckel schließen. Das Konzept hat einige Vorteile, da bis auf das Gewicht keine Kompromisse eingegangen werden müssen durch Zusammensteck- oder Slider-Mechanismen. Asus nennt zwar noch keinen Preis, aber billig dürfte die Konstruktion nicht sein.

Die Ifa war Microsofts wichtigste Messe
Während wir Windows 8 schon ausgiebig getestet haben , fehlte uns noch die Erfahrung mit Windows RT. Was wir auf der Ifa rund zwei Monate vor dem Marktstart sahen, weckte unsere Neugier. Windows-RT-Tablets sind zum Teil sehr leicht, lassen sich wie mit Windows 8 bedienen und bieten offenbar sehr lange Akkulaufzeiten, ohne dass die Geschwindigkeit darunter leidet.
Auch die Windows-8-Neuerungen waren sehr interessant. Viele Hersteller lösen sich von den üblichen Notebookformaten und setzen auf Touchscreens. Die sind aber auch notwendig, schließlich ist Windows 8 ein Betriebssystem, das für die Fingerbedienung optimiert wurde.
Übrigens tun sich einige Hersteller mit dem Scrolling unter Windows 8 schwer. Nicht jeder konnte schon natürliches seitliches Scrollen über das Touchpad bieten. So mussten wir auf der Ifa immer wieder ausprobieren, welche Scrollrichtung auf dem Bildschirm korrekt umgesetzt wird. Das bessert sich hoffentlich noch bis zum 26. Oktober 2012. Viele der Neuheiten dürften dann auf den Markt kommen. Es wird interessant, ob die Kunden die teils ausgefallenen Notebook- und Tablet-Formate annehmen, zumal fast alle Designs hochpreisig sind.
Nach der Build, die den Anfang für Windows 8 machte, dem Mobile World Congress, auf dem Microsoft die Consumer Preview von Windows 8 startete , und der Computex, bei der erstmals Windows-RT-Geräte gezeigt wurden, macht nun die Ifa den Abschluss bei den Vorbereitungen für Windows 8. Nahezu das gesamte Produktportfolio rund um die neue Windows-Welt wurde gezeigt.
Bei Windows-Vorstellungen im Jahr 2012 fehlte übrigens eine wichtige IT-Messe fast komplett: Die Cebit war für Microsofts Windows-8-Pläne fast bedeutungslos, und so konnte die Ifa gerade im IT-Segment deutlich an Bedeutung gewinnen, nicht nur im Bereich der Notebooks, sondern auch beim vernetzten Heim oder bei Speicherangeboten.
Die nächste große deutsche IT-Messe ist die Cebit 2013. Sie findet - wie in diesem Jahr - erneut unmittelbar nach dem wichtigen Mobile World Congress statt.



