Stark wie Stahlbeton: Hölzerne Geschossdecke spart Platz und Material
Ein Forschungsteam der Universität Stuttgart(öffnet im neuen Fenster) hat eine spezielle Holzbrettkonstruktion entwickelt, die den Bau von Geschossdecken mit der gleichen Dicke wie Stahlbeton ermöglicht. Dafür kommt zwar weiterhin Stahlbeton zum Einsatz, aber nur ein Drittel der üblichen Menge.
Weil die Deckenhöhe im Vergleich zu einer normalen Holzdecke bis zu 70 cm geringer ausfällt, lassen sich mehr Geschosse in einem gleich hohen Gebäude unterbringen. Das verringert neben dem Materialbedarf auch die Fassadenfläche, während die Nutzfläche im Inneren steigt.
Zudem erlaubt der Verzicht auf zusätzliche Balken, sogenannte Unterzüge, eine variablere Raumnutzung, da die Anzahl an tragenden Wänden minimiert ist. Der erste Demonstrator für das System namens UniversalTimberSlab steht in Remscheid. Dort wurde er mit 20 Tonnen belastet und zeigte bei verschiedenen Messungen seine Praxistauglichkeit.
Optimierter Faserverlauf entscheidend
Die Festigkeit der Konstruktion rührt daher, dass einzelne Elemente mit komplexen, teils unregelmäßigen Formen zu einer geschlossenen Decke zusammengesetzt werden können. Zugrunde liegt eine digitale Planungsmethode, die anhand der Deckengröße und der Position der Stützträger den Kraftverlauf berechnet und die Zusammensetzung der Decke plant.
Dafür wird der Faserverlauf des Holzes optimiert und an die Belastung angepasst. Eine weitere Schicht aus Holzbrettern mit geraden Lamellen stabilisiert die Decke und ist gleichzeitig sehr kostengünstig herstellbar.
Die digitale Vorplanung geht dem Bericht zufolge so weit, dass beim Verschieben einer Stütze unmittelbar die Kosten, die Deckenhöhe und der Materialeinsatz berechnet werden. Das soll eine möglichst nachhaltige Planung erlauben, bevor die Segmente überhaupt gefertigt werden.
Laut dem Forschungsteam werden bestehende Techniken aus der Holzbauindustrie zur Fertigung der Elemente verwendet, weshalb eine Umsetzung in größeren Bauprojekten nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten unmittelbar möglich sein soll. Ein Pilotprojekt in Oberkochen östlich von Stuttgart könnte die Tragfähigkeit der Geschossdecken demnächst zeigen. Dort soll ein 1.400 Quadratmeter großes, dreigeschossiges Gebäude daraus entstehen.
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