Starfleet Academy bei Paramount+: Die Star-Trek-Serie, die das Franchise braucht
Die Skepsis gegenüber Starfleet Academy war im Vorfeld groß: Eine Teenie-Version von Star Trek wurde befürchtet, sogar der totale Ausverkauf der Marke. Dabei gab es die Idee einer Geschichte der Starfleet Academy bereits vor dem sechsten Kinofilm. Und schon der erste Kelvin-Film zeigte die Sternenflottenakademie – nur, dass dort gleich auf Action umgeschwenkt wurde.
Die Serie Star Trek: Starfleet Academy (Start: 15. Januar bei Paramount+) ist da anders. Ihr gelingt das Kunststück, zu ehren, was zuvor geschah, und gleichzeitig das Franchise für die Zukunft flott zu machen. So viel frischen Wind wie hier gab es bei Star Trek schon lange nicht mehr.
Die erste Staffel besteht aus zehn Episoden – zur Rezension lagen uns die ersten fünf vor. Jede Folge hat eine Laufzeit von etwa 60 Minuten, nur die Pilotfolge ist mit 75 Minuten länger.
In keiner dieser Episoden wird Zeit vertrödelt. Im Gegenteil: Die Geschichten werden wie im Flug erzählt.
Schon optisch unterscheidet sich Starfleet Academy von anderen Serien des Franchise, weil es auch viele Außenaufnahmen auf dem Campus gibt. Dabei sorgt die Weite der Sternenflottenakademie für viel Neues.
Die Sternenflottenakademie wird wiedereröffnet
Die Serie ist faktisch ein Spin-off von Star Trek: Discovery, hat aber mit ihr nicht viel zu tun; außer, dass mitunter Oded Fehr als Admiral Vance zu sehen ist. Vance bringt die von Holly Hunter gespielte Captain Nahla Ake dazu, 15 Jahre, nachdem sie den Dienst quittierte, zur Sternenflotte zurückzukehren.
Sie soll Chancellor der Akademie werden. Die hat ihren Sitz in San Francisco und bringt die Kadetten mit dem Raumschiff USS Athena ins All.
Die ersten Folgen konzentrieren sich jedoch vor allem auf den Campus. Sie sind dazu da, um die neuen Figuren vorzustellen. Jeder von ihnen wird in den ersten fünf Folgen eine Folge gewidmet.
Tic-Tac-Toe in der Frisur
In der ersten Folge geht es um Caleb Mir (Sandro Rosta), dessen Mutter Captain Ake einst ins Gefängnis schickte, woraufhin der kleine Junge floh. Ake hat sich das nie vergeben und sieht nun die Chance, ihm auf der Akademie ein neues Leben zu ermöglichen. In dieser Folge taucht auch erstmals Paul Giamatti als Schurke Nus Braka auf (mit einem Tic-Tac-Toe-Muster im Haarschnitt). Er ist herrlich überdreht und wirkt trotzdem bedrohlich.
In der zweiten Folge geht es darum, dass Betazed(öffnet im neuen Fenster), das sich nach dem sogenannten Brand (The Burn) von der Föderation losgelöst hat, sich dieser wieder annähert. Der Brand wurde in Star Trek: Discovery eingeführt – er fand statt, bevor die Discovery ins 32. Jahrhundert kam, und war ein galaktischer Kataklysmus. Es liegt nun auch an den Kadetten, dafür zu sorgen, dass Betazed der Föderation wieder beitritt.
Die dritte Folge konzentriert sich auf Darem Reymi (George Hawkins), der aus einer Familie und einem Volk kommt, in dem Exzellenz alles ist und der zweite Platz in einem Wettbewerb schon als Niederlage gilt.
Das War College
In dieser Folge geht es auch um das War College – ein martialischer Begriff für eine Star-Trek-Serie; aber mit ihm wird erklärt, wie die Sternenflotte bislang ihren Nachwuchs rekrutiert hat. Das War College ist stärker darauf ausgerichtet, Soldaten auszubilden, während die Sternenflottenakademie Wissenschaftler, Diplomaten und Forscher ausbilden will, die auch Soldaten sein können. Naturgemäß kommt es zu Konkurrenzkämpfen zwischen War College und Sternenflottenakademie.
Die vierte Episode konzentriert sich auf den Klingonen Jay-Den Kraag, den Einzigen seiner Art in der Sternenflotte. Er möchte kein Krieger, sondern ein Heiler und Wissenschaftler sein. Diese Folge gibt einen Einblick, was mit dem Klingonischen Reich passiert ist, nachdem der Brand um sich gegriffen hat. Es ging wie so vieles unter, so dass die Klingonen ein Volk auf der Flucht sind.
Der Liebesbrief an DS9
Die mit Abstand beste Episode der ersten Hälfte ist aber zweifelsohne die fünfte, die sich mit SAM befasst. SAM ist ein Hologramm, die als Erste ihrer Art die Sternenflottenakademie besucht und für ihr Volk eruieren soll, ob man den Organischen trauen kann.
Sie ist eine Abgesandte, wie es einst Benjamin Sisko, der Captain der Raumstation Deep Space Nine, war. Darum will sie auch das Mysterium um sein Verschwinden lösen.
Eine Folge, die Trekkies zu Tränen rührt
Die von Kristen Beyer und Tawny Newsome geschriebene Episode(öffnet im neuen Fenster) verbindet das Alte mit dem Neuen – und das auf eine Art, die fast jeden abholen dürfte.
Wer Star Trek: Deep Space Nine nicht kennt, erlebt hier eine tolle Charakterepisode mit einer der amüsantesten Figuren der Serie; wer die alte Serie kennt, wird emotional mitgerissen – einschließlich eines unerwarteten Gastauftritts, der Verwendung der DS9-Musik sowie einer neuen Figur, die direkt auf Star Trek: Deep Space Nine zurückgeht und von Tawny Newsome selbst gespielt wird.
Captain und Doktor
Im Mittelpunkt der Serie stehen die Kadetten. Nicht weniger wichtig ist aber Captain Nahla Ake, die von Holly Hunter unglaublich liebenswert und schräg gespielt wird. Diese Captain ist unangepasst, das sieht man schon daran, wie sie sich hinsetzt, ob auf dem Captain's Chair oder anderswo. Normal sitzen können andere, aber nicht Nahla Ake. Mit Holly Hunter ist die Figur auch genial besetzt.
Großartig ist auch Gina Yashere als Ausbilderin. Sie ist ein Jem'Hadar-Klingonen-Hybrid, der gar nicht merkt, wie witzig er eigentlich sein kann. Lura Thok ist in allem, was sie tut, ernsthaft – aber genau diese Ernsthaftigkeit sorgt für den Humor.
Überhaupt der Humor: Davon gibt es viel in der Serie, er wirkt aber nie aufgesetzt oder lässt die Serie zur Komödie werden. Er ist natürlich und ergibt sich aus der Situation – wie im echten Leben. Für Humor ist auch Tig Notaro zuständig, die wieder ihre Figur Jett Reno aus Star Trek: Discovery spielt.
Eine Verbindung zur Vergangenheit stellt auch der Doktor dar. Robert Picardo spielt wieder das Hologramm aus Star Trek: Voyager – nur 800 Jahre älter, ein wenig weiser und nicht mehr als medizinisches Notfallhologramm, sondern als Lehrer an der Akademie. Er hat einige der schönsten Szenen der Serie.
Die Zukunft
Mit Star Trek: Starfleet Academy ist es Schöpferin Gaia Violo und den Showrunnern Alex Kurtzman und Noga Landau gelungen, dem Franchise eine Frischzellenkur zu verpassen, ohne zu vergessen, woher es kommt.
Die neue Serie lebt den Roddenberry-Gedanken der unendlichen Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination. Das sieht man auch an den vielen Kadetten, die nicht menschlich sind; und nicht wenige sind Nachkommen gleich zweier Spezies.
Vor allem aber lebt die Serie von einem Gefühl, das Star Trek immer ausmachte: Optimismus und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Wer sich hier nicht abgeholt fühlt, der muss sich zumindest die Frage stellen lassen, ob er Star Trek jemals geliebt, geschweige denn verstanden hat.
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