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Starfield im Test: Galaktisches Abenteuer für ausdauernde Astronauten

Ein neuer Stern am Spielehimmel? Golem.de ist in den Weltraumanzug geschlüpft und hat die Weiten von Starfield erkundet (PC + Xbox Series).
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Starfield (Bild: Bethesda)
Artwork von Starfield Bild: Bethesda

Der Start in einen neuen Job ist ein Hochrisikoeinsatz. Wer in den ersten Stunden versehentlich die Kollegen beleidigt, die Kaffeemaschine zerstört oder das Klo verstopft, kann eigentlich gleich wieder gehen.

In Starfield läuft die Sache ein bisschen anders: Wir fangen frisch als Minenarbeiter im Dienst der Firma Argos an, und zwar tief unter der Oberfläche des Monds Vectera – im Jahr 2330.

Das Betriebsklo verstopfen wir nicht, aber unter einem Berg mit Schutt entdecken wir ein Artefakt. Als wir es berühren, durchströmt uns irgendwie das Universum und wir fallen in Ohnmacht.

Was hat das mysteriöse Objekt mit uns gemacht, warum haben ausgerechnet wir es berührt? Und vor allem: Was tun wir nun?

Erste Antworten erhalten wir schon wenig später ein paar Planeten weiter in der Stadt New Atlantis von einer Gruppe namens Constellation. Sehr viel wissen die Mitglieder aber auch nicht, also machen wir uns auf die Suche nach weiteren Artefakten und nach Wissen.

In Starfield steuern wir einen Charakter, den wir zu Spielbeginn im Editor selbst erschaffen. Neben dem Aussehen legen wir ein paar Spezialfähigkeiten fest, etwa besonderes Können mit Gewehren und Pistolen. Alternativ schalten wir diese Extras später beim Leveln in mehreren Stufen frei.

Die ersten paar Abschnitte und Kämpfe am Boden und im All wirken noch wie ein Tutorial. Allerdings kommt Starfield viel schneller in die Gänge als die letzten Games des Entwicklerstudios Bethesda(öffnet im neuen Fenster) . Nach einer halben oder ganzen Stunde sind wir schon mittendrin im Spiel und erleben Abenteuer in einer riesigen Welt.

Unser Alter Ego steuern wir wahlweise in der Ich-Perspektive oder in der Außenansicht. Unsere PC-Testversion haben wir erst mit Tastatur und Maus bedient – was ziemlich gut klappt. Inzwischen sind wir dennoch zum Gamepad gewechselt, weil uns das sogar in den Feuergefechten mit Ego-Sicht etwas komfortabler vorkommt.

Eine Sache, die wir uns im Vorfeld anders vorgestellt haben, ist der Aufbau des Universums von Starfield. Das ist eine relativ komplizierte Sache: Es gibt keine Welt am Stück, sondern viele kleine Abschnitte, die immer wieder neu in den Speicher geschaufelt werden.

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Da sind etwa die Umgebungen für die eigentlichen Einsätze, in denen wir uns durch eisige Forschungsstationen, Höhlen mit außerirdischen Bestien, Raumstationen, Bankgebäude und Vergnügungsviertel ballern.

Starfield – Trailer (Juni 2023)
Starfield – Trailer (Juni 2023) (03:08)

In diesen Arealen liefern wir uns Feuergefechte, um in der Hauptstory und in den Nebenaufgaben weiterzukommen. Es gibt viel Abwechslung und jede Menge zu entdecken – inklusive einiger ungewöhnlicher Gebiete, die wir hier aber nicht spoilern wollen.

Eine zweite Art von Umgebung sind die Städte. Gemeint ist etwa New Atlantis, das sogar aus mehreren einzelnen Levels besteht. Hier und im ganzen Spiel sehen wir regelmäßig Ladebildschirme, allerdings nur kurz – kein Wunder, dass das Programm auch in den Mindestanforderungen ausdrücklich eine SSD voraussetzt.

Universum aus vielen Teilen

In den Städten und Siedlungen gibt es nur gelegentlich Action. Stattdessen bekommen wir hier Quests von NPCs und kaufen und verkaufen Ausrüstung. Wir finden die meisten Städte sehr kulissenhaft und nur auf den ersten Blick ganz schick. Kaum ein Ort ist richtig ausgearbeitet, trotz herumlaufender NPCs wirken sie seltsam unbelebt.

Ein weitere Art von Umgebung: die teils riesigen Außenareale der Himmelskörper. Das kann Mondgestein sein, Eiswüste oder eine außerirdisch anmutende Pilz- oder Waldlandschaft. Diese Gebiete sehen meist sehr karg und langweilig aus, viel zu entdecken gibt es nicht – nur einige auf der Karte markierte Minen oder Stationen.

Über diese Außenareale können wir teils zehn bis zwanzig Minuten laufen, dann erreichen wir eine Grenze, an der es nicht weitergeht. Wenn wir auf den Himmelskörpern zu einem der anderen vier oder fünf fast immer ähnlich öden Abschnitte wechseln wollen, müssen wir einen Umweg über das All nehmen.

Die letzte relevante Art von Umgebung: das Universum, in dem wir uns mit unserem Raumschiff bewegen. Auch hier gibt es Kämpfe, die sind aber selten – wir haben einmal mindestens 20 Stunden am Stück ohne eine einzige Feindbegegnung im All gespielt. Gefechte gibt es primär durch Missionen oder wenn wir partout Schmuggelware transportieren wollen.

Ein Ergebnis der vielen Abschnitte: Der Weg zu Missionszielen kann ein ziemliches Kuddelmuddel sein. Eigentlich müssten wir dazu ins Raumschiff, die Karte aufrufen und dann mehrfach Knöpfchen drücken, Ladebildschirme abwarten und neu wählen. Alternativ können wir (nicht immer) auch Schnellreisen verwenden, die uns quasi quer durchs All teleportieren.

Die Reiserei kann nerven, zumal wir in vielen Missionen mehrfach durch die Galaxie müssen. Wenn wir dann in der Nähe des Ziels angekommen sind, ist die Orientierung auf den letzten Metern auch nicht ganz einfach. So gibt es zwar eingeblendete Markierungen – aber in einigen Städten befinden sich immer mehrere dieser Punkte auf dem Bildschirm und man kann nicht klar erkennen, welche Markierung die relevante ist.

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Zusätzlich können wir uns eine Linie zum aktiven Ziel einblenden lassen. Die ist aber nicht immer sichtbar – wir sind nicht sicher, warum, es könnte sich um eine merkwürdige Absicht oder um einen der wenigen Bugs handeln. Probleme scheint es vor allem bei Levelübertritten zu geben.

Starfield – Trailer (Gameplay)
Starfield – Trailer (Gameplay) (14:57)

Wir könnten noch mehr über Navigation und Orientierung schreiben, aber der Punkt wird wohl auch so klar geworden sein: Hier hat Starfield ein paar Schwächen, die durchaus nachhaltig stören.

Die Hauptgeschichte ist laut Bethesda in rund 40 Stunden zu bewältigen – dann darf man aber wirklich so gut wie nichts nebenbei machen. Wer auch anderen Aktivitäten und Einsätzen nachgeht, dürfte problemlos um die 100 bis 200 Stunden in Starfield versenken können.

Computergesteuerte Begleiter und Bugs

Allein die Nebenquests der Fraktionen, denen wir beitreten können, bieten handlungsbasierte Missionsketten etwa um außerirdische Bedrohungen, die sich so spannend und komplex wie die eigentliche Hauptkampagne anfühlen.

Es gibt fünf Schwierigkeitsstufen, die jederzeit geändert werden können, sowie die Option Neues Spiel+. Wir haben fast nur in der mittleren Stufe gespielt, obwohl wir uns damit insgesamt minimal unterfordert gefühlt haben.

Starfield ist erstaunlich actionlastig – oft fühlt es sich wie ein Shooter an. Uns gefällt das, ab und zu haben wir aber den rundenbasierten Modus von Fallout vermisst. Rätsel im engeren Sinne gibt es nur sehr vereinzelt, ab und zu dürfen wir Entscheidungen in Dialogmenüs treffen.

Die meiste Zeit verbringen wir in Gesellschaft eines computergesteuerten Begleiters, etwa einem anderem Mitglied der Constellation. Die Begleiter können Menschen sein, aber auch andere Lebensformen.

Die KI macht einen soliden Eindruck, die Kameraden folgen uns zuverlässig und kämpfen effektiv an unserer Seite. Wir können uns mit ihnen per Dialogmenü unterhalten und so auch Persönliches über sie erfahren, um an spezielle Missionen kommen.

Ausrüstung spielt eine wesentliche Rolle, etwa die an das Equipment der Nasa und anderer Raumfahrtorganisationen erinnernden Anzüge, die schlicht als Rüstung mit Verteidigungswerten dienen. Auch Pistolen, Lasergewehre, Granaten und andere Waffen gibt es in Massen.

Außerdem können wir spezielle Skills freischalten und verbessern. Diese Elemente sind gut gemacht, auf Besonderheiten gehen wir zur Spoilervermeidung nicht ein.

Grafisch wirkt Starfield insgesamt recht wertig, es gibt aber viele sehr unterschiedlich aussehende Stellen. Die meisten Missionseinsätze finden in Gebieten mit schicker Optik statt, mit vielen Details: Labors voller Ausstattung, Minen mit dampfenden Maschinen, Höhlen mit seltsam schimmernden Pflanzen und so weiter.

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Die meisten Planetenoberflächen dagegen sind nicht wirklich schön, einige darin gelegene Höhlen wiederum sehen absurd gut aus – uns erinnert das an The Elder Scrolls Skyrim, wo es das ganz ähnlich gibt. Schade: Von der schicken Pseudo-Retro-Nasa-Optik, die in Trailern sehr präsent ist, finden wir im Spiel nur wenig.

Starfield – Trailer (Into the Starfield Dezember 2021)
Starfield – Trailer (Into the Starfield Dezember 2021) (07:14)

Unsere PC-Version funktionierte stabil und ruckelfrei, uns kommt der Titel viel ausgereifter vor als die letzten Veröffentlichungen aus dem Hause Bethesda. Der einzige signifikante Fehler ist die angesprochene Navigationslinie auf dem Boden – wenn es denn ein Fehler ist. Wir arbeiten derzeit an einem separaten Artikel mit Informationen zur PC-Technik.

Auf den Konsolen läuft Starfield laut Bethesda mit einer Bildrate von 30 fps – und nicht mit 60 fps wie viele anderen aktuelle Spiele. Die Xbox Series X verwendet eine dynamisch skalierende Auflösung von bis zu 4K (3.840 x 2.160 Pixel), bei der S-Version sind es maximal 1440p (2.560 x 1.440 Pixel).

Starfield: Verfügbarkeit und Fazit

Starfield erscheint am 6. September 2023 für Windows-PC (Steam 70 Euro, Zugriff nur über PC) sowie im Microsoft Store für Xbox Series X/S (80 Euro, Zugriff über Xbox und PC). Käufer der teureren Digital Premium Edition, der Constellation Edition und des Premium-Upgrades können am 1. September 2023 um 2 Uhr ins All starten. Ab dem 6. September 2023 ist das Spiel auch im PC und Xbox Game Pass enthalten.

In Starfield gibt es weder Mikrotransaktionen noch Multiplayer. Die deutsche Sprachausgabe finden wir gelungen; die englische Tonspur kann im Optionsmenü aktiviert werden. Von der USK hat das Spiel eine Freigabe ab 16 Jahre erhalten.

Fazit

Wenn Starfield eine Rakete auf dem Weg zum Mond wäre, würde das Abheben ganz ordentlich klappen. Dann würde das Fluggerät ein Weilchen orientierungslos durchs Sonnensystem sausen, ein paarmal gegen den Asteroidengürtel knallen – und nach der Landung auf dem Erdtrabanten seine Mission mit Bravour absolvieren.

Was wir damit meinen: Der Flow in den Missionen von Starfield ist vom ersten Moment an erstklassig und bleibt es auch. Die Kombination aus Feuergefechten und Erkunden motiviert ungemein. Es gibt immer ein schnell erreichbares Zwischenziel plus gute Belohnungen sowie selbst nach vielen, vielen Stunden noch interessante Entdeckungen in den Missionen.

Story und Einsätze sind eine der großen Stärken. Wir finden die Hauptgeschichte trotz minimal zu viel Esoterik wirklich interessant, zumal sie nachvollziehbar erzählt wird. Aber auch die vielen Nebenaufgaben wirken klasse – und enorm umfangreich. In Starfield gibt es mehrere Missionsketten, aus denen andere Spiele die Haupthandlung gemacht hätten.

Das Design von Raumstationen und Innenräumen wirkt ordentlich bis sehr gut. Dafür sehen viele Außenareale gruselig aus, einige der Planeten- und Mondoberflächen könnte man komplett zubetonieren und würde dem virtuellen Universum damit einen Gefallen tun.

Die größte Schwäche von Starfield ist aber das, was wir in unserem Raketenvergleich als orientierungslos bezeichnen: die zusammengestückelt-kleinteilige Welt, weil Ladebildschirme und Umgebungsgrenzen die Immersion leiden lassen und für Probleme bei der Navigation sorgen.

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Wir haben uns immer wieder mal im All verflogen, Missionsziele nur genervt und mit Glück gefunden und uns versehentlich durch falsche Höhlen und Gebäude gekämpft – in anderen Spielen passiert uns das nie.

Ein Stück weit sollte Bethesda hier rasch nachbessern können, etwa mit einem klar erkennbaren Symbol für das gerade aktuelle Hauptziel und mit einer weniger wackligen Navigationslinie.

Dennoch: Geduld bei der Orientierung zahlt sich angesichts der vielen tollen Elemente und des packenden Gesamterlebnisses aus. Insgesamt sind die Abenteuer im 23. Jahrhundert für uns wie im Flug vergangen. Starfield ist vielleicht kein großer Sprung für die Menschheit, aber ein richtig gutes Spiel für PC- und Xbox-Astronauten.


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