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Star Wars und Star Trek: Was The Mandalorian besser macht als Discovery

Unabhängig von der Story und davon, ob man Star Trek oder Star Wars lieber mag – nach den jüngsten Staffeln wird deutlich: Discovery kann handwerklich nicht mit The Mandalorian mithalten. Achtung, Spoiler!
/ Tobias Költzsch
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Did Djarin und Michael Burnham, die Titelfiguren der beiden Serien (Bild: Disney/CBS/Montage: Golem.de)
Did Djarin und Michael Burnham, die Titelfiguren der beiden Serien Bild: Disney/CBS/Montage: Golem.de

Achtung! Wir besprechen in diesem Kommentar die dritte Staffel von Star Trek: Discovery und die zweite Staffel von The Mandalorian. Zudem nehmen wir Bezug auf die vorigen Staffeln. Wer nichts wissen möchte, bevor er die Serien selbst schaut, sollte nicht weiterlesen.

Star Trek und Star Wars bieten Science-Fiction-Fans zwei wunderbare Universen: Star Trek mit seiner Military Scifi und dem Fokus auf fremden Welten und Wesen sowie der Entwicklung der Menschheit, Star Wars mit seiner epischen Geschichte des Kampfes zwischen Gut und Böse und den wohl besten Antagonisten der Galaxis.

Mir haben schon immer beide Universen gefallen – entsprechend gefreut habe ich mich sowohl über die Star-Wars-Serie The Mandalorian als auch über Star Trek: Discovery . Über Inhalte und Geschmäcker lässt sich freilich streiten – darum soll es in diesem Text aber gar nicht gehen. Während der jeweiligen jüngsten Staffeln sind mir vielmehr die frappierenden Unterschiede in der handwerklichen Qualität aufgefallen.

The Mandalorian ist die besser gemachte Serie

Kurz gesagt: Discovery kommt bei Weitem nicht an die Produktionsqualität von The Mandalorian heran. Das beginnt bei den absoluten Grundlagen einer gut gemachten Serie und endet beim Sounddesign und den Kulissen. Während die The Mandalorian Woche für Woche packende Storys erzählt und dabei stringent die Hauptgeschichte verfolgt, verheddert sich Discovery in zahlreichen Nebengeschichten, die mitunter nicht einmal etwas mit der Haupthandlung zu tun haben – besonders auffällig ist das in der jüngsten dritten Staffel.

The Mandalorian – neuer Trailer
The Mandalorian – neuer Trailer (01:00)

Dass die Macher von The Mandalorian es schaffen, bei der Simplizität ihrer Basisgeschichte dennoch Woche für Woche gute Episoden abzuliefern, ist bemerkenswert. Möglicherweise hilft ihnen dabei auch gerade die Einfachheit der Handlung: Ein Mann muss ein Kind, Grogu, von A nach B bringen – ein Plot von geradezu Statham'scher Einfachheit. Die Aufgabe ist von Anfang an klar, an ihr wird die Serie konsequent ausgerichtet.

In der dritten Staffel von Discovery ist zunächst nicht wirklich klar, worum es eigentlich geht. Soll die Föderation gefunden und aufgebaut werden? Soll Dilithium gefunden werden? Und was ist mit den Orionern, die sollte man auch noch irgendwie bekämpfen. Dazu kommt noch die ehemalige terranische Diktatorin Georgiou mit ihrer mysteriösen Krankheit – viel zu tun für die Zuschauer. Dass das alles schwieriger unter einen Hut zu bringen ist, ist irgendwie verständlich.

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Bei The Mandalorian hingegen ist aufgrund der weniger komplexen Haupthandlung viel Platz für liebevolle Verweise auf das Star-Wars-Universum und interessante Nebencharaktere Diese tauchen zwar oft nur in einer Episode auf, hinterlassen aber dennoch einen bleibenden Eindruck. So schaffen es die Macher der Serie, eine gute Mischung aus abgeschlossenen einzelnen Folgen und einem konsequenten Haupthandlungsstrang zu finden. Gleichzeitig gibt es aber durchaus auch Nebengeschichten, die sich an passender Stelle wieder in die Haupterzählung einfügen – beispielsweise die Story um die ehemalige Söldnerin Cara Dune, die um den Kopfgeldjäger Boba Fett und seine neue Gefährtin Fennec Shand oder auch die um den Bösewicht Moff Gideon.

Dialoge bei The Mandalorian aus einer anderen Galaxie

Neben dem besseren Storytelling fällt mir auch die deutlich bessere Dialogregie bei The Mandalorian auf. Grundsätzlich sagen die Charaktere in der Star-Wars-Serie weniger – dafür hat das, was gesprochen wird, weitaus mehr Gewicht und ist viel besser in Szene gesetzt. Alleine die zahllosen Unterhaltungen zwischen Din Djarin und Grogu, die im Grunde Monologe waren, sind mir wesentlich besser im Gedächtnis geblieben als die unzähligen gefühlsschwangeren Diskussionen zwischen den Besatzungsmitgliedern der Discovery.

Auch bei der Qualität der Dialoge trennen die Serien Welten: Die Gespräche in The Mandalorian sind auf den Punkt, haben einen guten Humor und können auch Gefühle transportieren – und das in angemessener Dosis, anders als in der dritten Staffel von Discovery. Dort schütten die Crewmitglieder in gefühlt jeder Folge ihr Herz aus, die Dialoge erscheinen mir zudem oft sinnentlehrt.

Im Grunde eignet sich ein Vergleich aus der Musik gut, um die Dialogsituation zu beschreiben. The Mandalorian ist wie ein Gitarrensolo eines langsamen Blues, bei dem es nicht auf die Zahl der Noten ankommt, sondern darauf, wie diese intoniert werden. Discovery entspricht eher dem Gitarrensolo eines Hair-Metal-Songs aus den 1980er Jahren: Viel hilft viel. Viel hilft aber auch nur dann viel, wenn es auch viel Gutes ist.

Für eine Handvoll imperialer Credits

Auch die Kameraarbeit gefällt mir bei The Mandalorian weitaus besser: Epische Schwenks, große Totalen und Nahaufnahmen haben für meinen Geschmack eine gute Mischung. Bei Discovery setzen die Macher auf eine vermeintlich modernere Kameraführung mit Kamerafahrten und schnellen Schnitten, die die Hektik der Handlung aber nur noch verstärken.

The Mandalorian erinnert mich stark an einen gut gemachten Western – und das ist für mich als Fan des Genres durchaus ein Kompliment. Die Macher der Serie haben die passenden Elemente für ihre Geschichte verwendet: lange Schwenks, Schusswechsel, Fahrten/Ritte durch staubige Wüsten und generell der Kampf Good Guy gegen Bad Guy. Das mag einfach sein, hat aber eine viel stärkere Wirkung als das Durcheinander bei Discovery. Dort haben die Macher erst in den letzten Folgen das Konzept des Bösewichts konsequent ausgearbeitet – und prompt wurden die Folgen spannender.

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Eins zu eins kopieren sollen die Produzenten von Discovery das Konzept von The Mandalorian nicht, das wäre zu offensichtlich. Vielmehr sollten die Macher der Serie an der Qualität von Dialogen, Bildregie und Storytelling arbeiten. The Mandalorian ist ein gutes Beispiel für eine Geschichtenerzählung, die zwar auf traditionellen und bewährten Mitteln basiert, dabei aber eine sehr packende Geschichte erzählt – und dadurch letztlich moderner wirkt als Discovery.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


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