Star Wars: The Acolyte hat zu Recht versagt
Spoilerwarnung: Achtung! Wir besprechen in dieser Rezension Charaktere und Auszüge aus Star Wars: The Acolyte. Wer zuvor gar nichts wissen möchte, sollte nicht weiterlesen.
Seit der Übernahme von Lucasfilm durch den Disney-Konzern sind Star-Wars-Fans mit immer mehr Filmen und Serien versorgt worden. Viele von ihnen wurden allgemein positiv aufgenommen. Filme wie Star Wars: Episode 7 und Serien wie The Mandalorian und Andor konnten alte Fans glücklich machen und viele neue Fans gewinnen.
Bei anderen Serien schien es so, als ob Disney mit Absicht die Kernkundschaft verärgern wollte. Ein prominentes Beispiel ist die nach nur einer Staffel nun eingestellte Serie The Acolyte , die mit einem diversen Cast möglichst viele, aber vor allem eher jüngere Menschen ansprechen sollte. Fast schon mit Ansage – erste Trailer wurden heftig kritisiert – wurde allein dadurch eine enorme Hasswelle in der Star-Wars-Community ausgelöst. Die nutzte ein beliebtes Mittel, um ihren Frust auszudrücken: Review-Bombing.
Die Serie wurde massenweise mit niedrigen Punkten im Internet bewertet. Die Serie sei viel zu "woke" und verstehe die Grundidee von Star Wars nicht. Stars der Serie wurden deshalb sogar bedroht. Hauptdarstellerin Amandla Stenberg verfasste dazu extra einen Diss-Song(öffnet im neuen Fenster) , der die toxische Community adressierte. Diese besteht in ihren Augen vornehmlich aus weißen Männern, die intolerant gegenüber anderen Ethnien seien.
Die Reaktionen im Internet und Review-Bombing geben ihr meiner Meinung nach teils recht: Zumindest ein Teil der Star-Wars-Community entspricht diesem Klischee. Möglicherweise ist das sogar ein großer Teil der Community. Denn offenbar funktionierte The Acolyte auch finanziell nicht gut. Sonst hätte ein großer Konzern wie Disney, der primär auf Umsätze und Einnahmen schaut und Diversität möglicherweise nur als Mittel für mehr Umsatz nutzt, die Serie nicht nach nur einer Staffel eingestellt.
The Acolyte ist für mich leider ein Negativbeispiel, in welche Richtung sich Disney mit den eigenen Produktionen entwickelt. Dabei geht es mir nicht um die von vielen Menschen beklagte übertriebene Wokeness. Ehrlich gesagt finde ich es schade, dass Menschen so viel unnötigen Hass im Internet verbreiten und Diversität teils nicht einmal eine Chance geben wollen. Derweil wird "woke" fast schon als Slogan von einer toxischen, leider wirklich recht weißen männlichen Community verwendet.
Es sollte doch völlig egal sein, wie sich eine Figur in Star Wars identifiziert. Ich finde, dass das Universum in seiner eigenen Art schon immer sehr divers aufgestellt war. Allerdings wurde diese Diversität nicht nur durch menschliche Hautfarben oder Geschlechter dargestellt, sondern durch ein Schier unendliches Maß an Alienspezies und Kulturen.
Im Jahr 1977 echauffierte sich zum Start des ersten Kinofilms doch auch niemand darüber, dass die bösen Imperialen Truppen ausschließlich aus bösen weißen Männern in grauen, schwarzen und weißen Rüstungen bestünden. Später kam in The Empire Strikes Back mit Lando Carlrissian sogar ein Afroamerikaner auf der Seite der Rebellion hinzu. In den 1980er-Jahren war das noch selten.
Schlechte Charaktere, dumme Handlung
Beliebte Charaktere wie Ahsoka Tano, eine Togruta mit roter Haut und weißen Tattoos, und Mace Windu, gespielt von Samuel L. Jackson, zeigen nämlich: Diversität funktioniert auch in Star Wars gut, wenn die Figuren dahinter interessant, mystisch und spannend sind. Das Problem an The Acolyte ist für mich, dass die Figuren in der Serie nicht funktionieren.
Gerade die Hauptfiguren Mae und Osha, gespielt von Amandla Stenberg, sind in großen Teilen einfach nur schlecht geschrieben. Ihre Motivation, sich der dunklen oder hellen Seite der Macht anzuschließen, ist zu Beginn der Serie nicht nachvollziehbar. Auch in den vielen Rückblenden wird eine eher hanebüchene und teilweise peinliche Hintergrundstory erzählt.
Dass die Zwillingsschwestern zum Ende der Serie hin auch ihre Rollen tauschen, ist unglaubwürdig und erinnert an die furchtbar schlecht geschriebene Figur Reva, die in der Serie Kenobi bereits die Seiten wechselte.
Währenddessen verspielt The Acolyte das enorme Potenzial anderer Figuren. Da wäre die Jedi-Meisterin Indara, gespielt von Carrie-Ann Moss. Die erfahrene Schauspielerin gibt eine kühl kalkulierende Jedi ab, die sich an den teils fragwürdigen Kodex der Jedi hält und dafür über Leichen geht.
Die fragwürdige Moral des Jedi-Ordens, der über dem Gesetz zu stehen scheint, wird übrigens kaum aufgegriffen. Warum sollte die Serie auch spannende Themen behandeln, wenn es doch langweilige und generische Rache-Stories zu erzählen gibt?
Szenen mit hohem Cringe-Faktor
Schon in den ersten Minuten wird Indara durch diese Rache von einem billig wirkenden Ablenkungsmanöver durch Mae niedergestreckt. Wohlgemerkt besiegt Meisterin Indara in einer anderen Szene dutzende Macht-Hexen nur mit ihren Gedanken. Diese sind aber nicht die langweiligen Protagonisten und haben deshalb keine Plot-Rüstung.
Noch unspektakulärer wird der Jedi-Meister Kelnacca getötet. Er stirbt einfach am Rande, ohne dass die Zuschauer das überhaupt sehen. Generell bekommt die Figur kaum Zeit auf dem Bildschirm. Dabei ist Kelnacca als erster Wookie-Jedi in einer Liveaction-Star-Wars-Serie doch einer der interessantesten Charaktere.
Derweil erscheint der von Lee Jung-jae (Squid Game) gespielte Meister Sol für mich noch als gelungenste Figur. Die Perspektive des gefallenen Jedi, der mit den eigenen Emotionen kämpft, ist zwar nicht ganz neu. Für mich ist sie aber noch immer interessant und in The Acolyte halbwegs überzeugend umgesetzt.
Dass die machtbegabte Osha ihn im großen Finale durch einen Macht-Griff besiegen kann, zeigt wieder, wie sehr die schwachen Protagonistinnen die komplette Atmosphäre zunichtemachen – nie wurde zufriedenstellend erklärt, wie die untrainierte Osha auf einmal einen enorm starken Jedi-Meister besiegen kann.
Es schmerzt beim Zusehen
Einige Szenen sind sogar so unangenehm, dass sie beim Zusehen schmerzen. Die berühmte Gesangseinlage, in der die dunklen Hexen im Chor "Die Macht einer, die Macht zweier, die Macht vieler" singen, wurde dadurch sogar zum Internet-Meme. Und natürlich wäre eine neue Star-Wars-Serie nicht eine neue Star-Wars-Serie, wenn nicht ein bisschen Nostalgie eingestreut würde.
Die zwei Cameos von Meister Yoda und Darth Plagueis fühlen sich so fehl am Platz an, wie sich die alteingesessene Star-Wars-Community mit The Acolyte fühlt. Völlig aus dem Kontext gerissen taucht der ehemalige Sith-Meister von Imperator Palpatine in einer dunklen Höhle auf. Frei nach dem Motto: "Erinnert ihr euch noch an die Szene aus den Prequels, in denen Palpatine von Darth Plagueis erzählt?"
In der Summe wirkt The Acolyte wie eine generische Serie mit schwachen Charakteren, die Disney in einen Star-Wars-Kontext quetschte. Es ist offensichtlich, dass Disney mit einem jungen, gut aussehenden und diversen Cast vor allem Gen-Z-Fans abholen will. Aber auch junge Menschen sind für gewöhnlich intelligente Personen, die gut unterhalten werden wollen.
Es sind zudem noch immer größtenteils die alteingesessenen Star-Wars-Fans, die Disneys Rechnungen bezahlen – Menschen, die alle Filme, alle Serien und alle Merchandising-Artikel kaufen wollen. Bei einer Serie, die laut Berichten wohl etwa 180 Millionen US-Dollar kostete , ist das besonders wichtig.
The Acolyte hat meiner Meinung nach zu Recht versagt – auch, wenn das möglicherweise eher aus Hassgründen und nicht aus Qualitätsgründen geschah. Bitte, Disney, gebt uns Serien wie The Clone Wars, in denen auch weibliche und diverse Charaktere eine Chance haben, endlich mal gut anzukommen. The Acolyte ist leider nur ein weiteres Negativbeispiel und befeuert Internethass noch mehr.
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