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Wo ist die Macht, wenn man sie mal braucht?!?

Für das dritte Kapitel möchte ich die Entwicklern hingegen am liebsten mit dem Darth-Vader-Würgegriff bestrafen! Hier muss ich meinen A-Wing durch einen Parcours voller Kristallgestein manövrieren.

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Damals wie heute kann ich nur schwer abschätzen, wo ich gefahrlos durch eine Lücke fliege oder dank Kollision in einem Feuerball explodiere. Zudem kommt spätestens hier ein großes Problem zum Tragen, das meinen Retro-Trip immens beeinträchtigt: die Steuerung.

Bereits vor 30 Jahren gab es kritische Stimmen, die die Benutzerführung von Rebel Assault als problematisch bezeichneten. Diese ist nämlich einem konstanten Wackeln ausgesetzt, das weiches Einlenken oder gerades Fliegen sehr erschwert.

Meine Vermutung, warum sich Projektleiter Vince Lee zu dieser Idee hinreißen ließ: Er wollte entweder das ruppige Flugverhalten eines Raumschiffs imitieren oder es dem Spieler schlicht und ergreifend nicht zu einfach machen. In der Tat wäre Rebel Assault viel zu simpel, wenn man wie in einem gewöhnlichen Shoot-em-up pixelgenau lenken könnte.

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Heute macht mir dieser Ansatz schwer zu schaffen, insbesondere im besagten dritten Kapitel. Nun erinnere mich aber auch an meinen heißgeliebten Gravis Analog Pro, mit dem ich Rebel Assault damals im höchsten (!) Schwierigkeitsgrad meistern konnte.

Der Analog Pro fühlte sich viel fester an als der Microsoft Sidewinder Force Feedback 2, den ich an meinem aktuellen PC betreibe. Vielleicht liegt hier das Problem begraben?

Auf der Suche nach dem ultimativen Retro-Feeling

Die gute Nachricht: Ich habe meinen Gravis Analog Pro immer noch! Die schlechte Nachricht: Er besitzt einen veralteten 15-poligen Gameport-Anschluss und lässt sich deshalb nicht so ohne weiteres an meinen Windows-10-Rechner anschließen.

Eine naheliegende Lösung für dieses Problem könnte ein Adapter sein, der solche Joysticks USB-tauglich macht. Doch zum Glück kann noch auf eine weitaus bessere Alternative zurückgreifen: Ich krame einfach einen meiner alten Pentium-Rechner aus meinem Archiv!

Genau genommen kann ich zwischen zwei Modellen wählen, wobei ich den einen spontan leider nicht zum Laufen bewegen kann. Der andere zickt hingegen nur bei der Einrichtung des CD-ROM-Laufwerks herum, während das Spiel selbst erfreulich unkompliziert über das installierte Windows-98-Betriebssystem funktioniert. Dies ist für einen Titel, der ursprünglich für das uralte DOS gedacht war, alles andere als selbstverständlich.

Und was soll ich sagen? Der Aufwand hat sich gelohnt! Ja, die Steuerung wackelt auch noch unter Nutzung meines alten Analog-Joysticks ein wenig, weshalb mein kleines Raumschiff mehr schlecht als recht an den Kristallen vorbeizittert.

Wenn schon kein Laserschwert, dann mit dem richtigen Joystick zum Sieg!

Doch während ich die Szene in der GOG-Version erst nach unzähligen Fehlschlägen und mit Ach und Krach im einfachsten Schwierigkeitsgrad meistere, knacke ich sie dank Gravis Analog Pro im zweiten Versuch. Wohlgemerkt auf Normal statt auf Easy!

Auch danach stellt sich Stück für Stück das alte Feeling von vor 30 Jahren wieder ein. Ich zerlege auf Hoth einen AT-AT, flüchte zu Fuß durch einen Hangar voller Sturmtruppen und fluche erst wieder in Kapitel 10 und 12, wo mich die Masse an TIE Fighters ordentlich demütigt.

Jedoch stellt sich gleichzeitig ein natürlicher Lerneffekt ein, demzufolge ich stetig etwas besser werde. Letztlich gibt es nur einen Grund, warum ich mein Retro-Abenteuer nicht bis zur finalen Zerstörung des Todessterns durchziehe: meine schmerzenden Hände, die das millisekündliche Drücken eines Feuerknopfes nicht mehr gewohnt sind.

Auch wenn er nicht als solcher im Vorspann benannt wird, kann man Vince Lee mit Fug und Recht als den Regisseur von Star Wars: Rebel Assault bezeichnen. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [1/14]

Bereits im ersten Kapitel müssen wir uns an dieser Stelle für einen von zwei Wegen entscheiden, woraufhin das Spiel jeweils einen anderen Film abspult. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [2/14]

Fast alle Charaktere in Rebel Assault wurden extra für das Spiel konzipiert, gleichwohl man mit ihnen anstatt mit Luke Skywalker oder Han Solo den Todesstern zerstört. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [3/14]

Im Asteroidenfeld können wir sämtliche weißen Eisbrocken zerstören, woraufhin sie nahtlos aus dem restlichen Film ausradiert werden. Aus technischer Sicht war das anno 1993 sehr beeindruckend. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [4/14]

Der Hindernisparcours mit den Kristallsteinen ist einer der schwierigsten Tutorial-Levels, die es je einem Spiel zu bewältigen gab. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [5/14]

Ganz selten bekommt man Szenen zu Gesicht, die direkt aus dem ersten Star-Wars-Film entliehen wurden. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [6/14]

Dieser blaue Pixelbrei stellt einen Sternzerstörer dar, dessen Kanonen und Schildgeneratoren sich zerstören lassen. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [7/14]

Auch Darth Vader hat ein paar kurze Auftritte in Rebel Assault. Er offenbart die Pläne des Imperiums, auf die sich der Spieler einstellen muss. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [8/14]

AT-AT voraus: Erneut müssen sämtliche Schilde zerstört werden, bevor der Hüne unter seiner eigenen Last zusammenbricht. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [9/14]

Im neunten Kapitel sind wir ausnahmsweise zu Fuß unterwegs. Wir müssen zahlreiche Stormtrooper abknallen und uns immer wieder mal für einen von zwei Wegen entscheiden. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [10/14]

Im zwölften Kapitel wartet ein ebenso langes wie schwierig zu meisterndes Gefecht gegen zahlreiche TIE Fighters auf uns. (Quelle: Lucas Arts / Medienagentur Plassma) [11/14]

Reise in die Vergangenheit: Die Kombination aus Röhrenmonitor, Pentium-II-Tower und Gravis-Analog-Pro-Joystick entpuppt sich als nahezu perfekt, um Rebel Assault fachgerecht zu würdigen. (Quelle: Medienagentur Plassma) [12/14]

Das erste Rebel Assault wurde zwar noch in einer DIN-A4-großen Schachtel ausgeliefert, deren Inhalt beschränkte sich jedoch auf eine dünne, farblose Anleitung und eine CD. (Quelle: Medienagentur Plassma) [13/14]

Abseits von Rebel Assault gab es noch einen Nachfolger und einige Konsolenumsetzungen. Auf dem Bild zu sehen ist ganz links die Adaption des ersten Teils für das Sega Mega-CD und ganz rechts die Umsetzung der Fortsetzung für die erste PlayStation vom deutschen Entwickler Factor 5. (Quelle: Medienagentur Plassma) [14/14]

Am Ende stelle ich noch einige Schwächen beim Leveldesign fest, die mir damals entweder nicht aufgefallen sind oder die ich ignoriert habe. So hätte man sich die Sackgasse im neunten Kapitel sparen können, in der ich bei der Wahl eines falschen Weges ohne Vorwarnung in einen Hinterhalt gerate und sofort ein Leben verliere.

Dafür entschädigen die fantastisch choreographierten TIE-Fighter-Formationen und allgemein die hohe Spielgeschwindigkeit.

Fazit: Nur für absolute Retro-Narren

Kann ich das Spiel also heute empfehlen? Nein – es sei denn, man betreibt den gleichen Aufwand wie ich und besorgt sich einen alten Rechner, der den besagten 15-poligen Anschluss besitzt. Der PC sollte vielleicht auch nicht schneller als ein Pentium II sein; im Grunde reicht gar ein altertümlicher 486er-Prozessor.

Für das vollendete Klassiker-Erlebnis sei zudem der geniale Gravis-Analog-Pro-Joystick empfohlen. Der hat in meinem Falle den entscheidenden Anteil dazu beigetragen, dass sich meine Retroreise gelohnt hat.

Somit kann ich beruhigt schlafen gehen und weiterhin behaupten: Star Wars: Rebel Assault mag zwar heute sehr alt aussehen, jedoch war es nichtsdestotrotz eines der besten und vor allem technisch wichtigsten Spiele des Jahres 1993.

Mitarbeit: Benedikt Plass-Fleßenkämper

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