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Star Wars Maul Shadow Lord: Wär er doch besser im Reaktor liegen geblieben

Darth Maul hat also seine Zweiteilung überlebt und eine eigene Serie. Leider ist er dort nur ein dröger Gangsterboss mit viel Plotrüstung.
/ Oliver Nickel
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Star Wars Maul Shadow Lord hat einige coole Szenen zu bieten. (Bild: Disney/Lucasfilm)
Star Wars Maul Shadow Lord hat einige coole Szenen zu bieten. Bild: Disney/Lucasfilm

Menschen, die sich abseits der Filme nicht viel mit dem Star-Wars-Universum beschäftigen, werden sich zum Start von Star Wars: Maul – Shadow Lord sicher fragen: Warum veröffentlicht Disney eine Serie zum ikonischen Bösewicht Darth Maul? Ist der rot-schwarz-tätowierte Zabrak nicht von Obi-Wan Kenobi in zwei Hälften geschnitten worden und in einen Reaktorschacht gefallen?

Spätestens seit Star Wars Episode 5 wissen wir aber, dass endlos tiefe Reaktorschächte in Star Wars keineswegs tödlich sein müssen. Schließlich hat Luke Skywalker dort seinen Sprung gewagt und überlebt. Auch Imperator Palpatine tauchte in Episode 9 aus dem Nichts auf, nachdem er von seinem ehemaligen Schüler Darth Vader in den Reaktor des Todessterns geworfen wurde und in Millionen Teile zersprang.

Darth Mauls Schicksal scheint also gar nicht so unwahrscheinlich. In diversen, vor allem den animierten Serien wie Star Wars The Clone Wars und Rebels, beide sehr empfehlenswert für Fans, wird die Geschichte des coolen doppelschwertschwingenden Sith nach seinem Fall in Naboo aufgearbeitet. Dort konnte er aus dem sprichwörtlichen Müll auferstehen und mehrere Verbrechersyndikate vereinen.

Maul, der Mafiaboss

Die Geschichte von Maul – Shadow Lord setzt genau hier an. Zusammen mit einer Gruppe mandalorianischer Söldner und seinen beiden Zabrak-Brüdern setzt Maul alles daran, Rache an seinem ehemaligen Meister Palpatine zu üben. Der liegt in der Zeit, in der die Serie spielt, nicht auf dem Grund eines Reaktors, sondern sitzt auf dem Thron des aufstrebenden Imperiums.

Schon in den ersten der insgesamt zehn Folgen wird allerdings klar: Hier wird immer wieder vom eigentlichen Protagonisten Maul abgelenkt, um die im Vergleich uninteressante Perspektive des Polizeiinspektors Brander Lawson einzunehmen. Der wird mit Arbeit überschüttet, kommt zu spät zu seinem Sohn nach Hause und trinkt tonnenweise Kaffee.

Wir sehen hier ein abgedroschenes Cop-Klischee nach dem anderen – ganz anders als die nuancierten Grautöne, die ein Meisterwerk wie Star Wars: Andor so gut zu kommunizieren wusste.

Maul selbst bleibt ebenfalls ein eher blasser Charakter. Die Serienmacher unter Star-Wars-Chef Dave Filoni stellen ihn als daherseiernden Gangsterboss dar, der vor allem in den ersten Folgen an den ebenso daherseiernden G-Man aus Half-Life erinnert. Zudem wirkt seine zusammengewürfelte Truppe aus einem Dutzend Söldnern und einem schrillen Droiden alles andere als bedrohlich.

Plotrüstung so dick wie Beskar

Tatsächlich ist Mauls Team nur deswegen so erfolgreich, weil die Macher ihm eine dicke Plotrüstung verpasst haben. Mal dringen sie in eine hochgerüstete Polizeistation ein, mal wehren sie endlose Wellen an Sturmtruppen, Landungsschiffen und Speeder-Bikes ab.

Das geht sogar so weit, dass Mauls gesamte Einheit auf einer Brücke ohne Deckung und Ausweg mit einer Unterzahl von hundert zu eins umzingelt ist und dann auch noch gegen zwei machtbegabte Inquisitoren kämpfen muss. Am Ende entkommt sie natürlich fast vollzählig aus diesem Kampf.

Solche Scharmützel ohne wirkliche Konsequenzen gibt es in Maul – Shadow Lord zuhauf. Oft läuft es dabei so ab, dass der Sith sich mühelos durch Dutzende Deppen schlägt – Hauptsache, es gibt Lichtschwertbrummen und Laser-Pew-Pew. Das baut weder Spannung noch Charakterentwicklung auf und ist nach dem x-ten Mal einfach nur langweilig.

Es scheinen tolle Charaktere durch

Das ist besonders schade, als Shadow Lord in einigen Elementen Filonis Talent für Figuren durchscheinen lässt. Da wären etwa ein ehemaliger Jedi-Meister und seine Schülerin, die Mauls Bekehrungsversuchen zur dunklen Seite der Macht widerstehen muss. Hier wird mit dem Konflikt gespielt, der gutmütige Menschen in einem oppressiven, böswilligen Regime ereilt. Vor allem der Gewissenskampf der jungen Twi'Lek bleibt spannend und macht Lust auf mehr.

In wenigen Szenen bekommen wir zudem das Grauen und die Trauer mit, die Maul vor allem in seiner Kindheit im Dienste Palpatines erfuhr. Es ist schade, dass die Serie diese Facetten der Hauptfigur kaum erkundet und stattdessen wieder mehr Action zeigt.

Maul macht zudem das, was viele Star-Wars-Serien vorher gemacht haben: Der offensichtlich böse Maul wird abgeschwächt, indem nach einiger Zeit das Imperium als generischer Antagonist aufschlägt und den Sternenzerstörer direkt über der Stadt parkt.

Die Antagonisten sind komplett seelenlos, ihr Anführer guckt ständig böse und ihre Handlanger, selbst die lichtschwertschwingenden Inquisitoren, tragen allesamt Helme und taugen nur als Kanonenfutter.

Tolle Animation, exzellenter Sound

Rein visuell ist die Serie vor allem in den für Star Wars typischen Totalen am Anfang einer Szene sehr beeindruckend. Besonders die an alte Matte Paintings erinnernde Hintergrundkunst mit schmutzigen Hochhäusern, rauchenden Schloten und fliegenden Autos ist sehenswert.

Der Animationsstil erinnert an The Clone Wars und Rebels. Er ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber vor allem in den vielen Actionszenen gut. Das gilt natürlich auch für das exzellente Sound- und Musikdesign, ebenso wie für die guten englischen Synchronsprecher.

Die vielen belanglos wirkenden Actionsequenzen, die teils langweiligen Charaktere und der mangelhafte Ausbau des namensgebenden Protagonisten machen Maul – Shadow Lord zu einer unterhaltsamen, aber insgesamt eher für Hardcore-Fans interessanten Star-Wars-Serie, die ab dem 6. April 2026 im Wochentakt auf Disney+ erscheint. Vielleicht hätte Maul auch besser im Reaktor von Naboo liegenbleiben sollen.


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