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Star Trek Voyager Elite Force (2000): Widerstand ist zwecklos

Die Star-Trek -Crew der Voyager kommt zwar in Frieden, aber für Golem retro_ packt sie im Shooter Elite Force die Phasergewehre aus.
/ Daniel Ziegener
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Widerstand gegen Nostalgie ist zwecklos! (Bild: Raven/Activision)
Widerstand gegen Nostalgie ist zwecklos! Bild: Raven/Activision

Bei Star Trek denkt man trotz der neuen actionreichen Filme und Serien eher an dramatische Diskussionen auf der Brücke eines Raumschiffs als an wilde Schießereien mit Lasergewehren. Trotzdem ist eines der besten Videospiele des ganzen Franchise ausgerechnet ein Ego-Shooter.

Das 2000 in Deutschland erschienene und sperrig betitelte Star Trek: Voyager Elite Force schafft in seiner nur wenige Stunden langen Geschichte das einzufangen, was Star Trek in seinen stärksten Momenten ausmacht – und sticht im Shooter-Genre auch heute noch als Musterbeispiel für eine unterhaltsam inszenierte Einzelspieler-Kampagne hervor.

Videospiele füllten die Lücke in Star Trek

Aber fangen wir vorne an: Star Trek war um die Jahrtausendwende herum weit von seiner Glanzzeit entfernt. Deep Space Nine endete nach sieben Staffeln und auch die Voyager war nicht mehr weit von ihrer Rückkehr nach Hause entfernt. Die alternde Crew der Next-Generation-Enterprise raffte sich gerade nochmal für ihren letzten Kinofilm Nemesis auf.

J.J. Abrams Reboot mit jungen Stars stand zu diesem Zeitpunkt noch ebenso in den Sternen wie die Popularität von neuen Serien wie Discovery, Picard oder Lower Decks. Außer der Prequel-Serie Star Trek: Enterprise, die schon nach vier Staffeln wieder abgesetzt wurde, war wenig Neues in Aussicht.

Diese Lücke zwischen zwei Phasen von Star Trek füllten Videospiele. Vor allem Strategiespiele, wie Birth of the Federation, Away Team, Star Trek Armada oder New Worlds.

Ein Star-Trek-Shooter wirkte sogar damals ungewöhnlich.

Endlich selber Redshirt sein

Dabei ist es gerade die Ego-Ansicht von Elite Force, die im Gegensatz zur Vogelperspektive der Strategiespiele das Gefühl vermittelt, Teil einer Sternenflotten-Crew zu sein. Dieses Gefühl gehört mindestens ebenso zu Star Trek wie moralische Dilemmas und Zeitreise-Quantenmechanik.

Star Trek: Voyager Elite Force (2000) – Golem retro_
Star Trek: Voyager Elite Force (2000) – Golem retro_ (07:50)

Als Alex Munro sind wir als Spieler Teil des neu gegründeten Hazard Teams von Sicherheitsoffizier Tuvok an Board der Voyager. Das Abenteuer beginnt in medias res an Bord eines Borg-Schiffs: Das Hazard Team wurde bei einem geheimen Einsatz aufgerieben, Munro muss nun im Alleingang die Kameradinnen und Kameraden retten.

Spätestens als sich diese erste Mission als Trainings-Simulation auf dem Holodeck entpuppt, schlägt das Fan-Herz höher. Vom kameradschaftlichen Geplänkel mit den anderen Crewmitgliedern bis zum Sound der Teleporter und Phaser fühlt sich Elite Force an, als wandle man durch ein Serien-Set der späten 90er.

Abenteuer im Delta-Quadranten

Das Hazard Team hat von da an alle Hände voll zu tun. Die Voyager – ohnehin schon im Delta-Quadranten gestrandet – wird auf einen Raumschifffriedhof entführt. Die Scavenger wollen das Schiff dort ausschlachten. Diese Weltraumpiraten sind ein Zusammenschluss zahlreicher Spezies und Kulturen – von Menschen bis Klingonen. Dazu gesellen sich interdimensionale Aliens und die aus der Serie bekannte Spezies 8472. Und niemand von ihnen lässt mit sich reden ...

Stattdessen sprechen die Waffen, und die sind so abwechslungsreich wie die Gegner, aus deren kalten, toten Händen man sie sich nimmt. Das genretypisch gigantische Arsenal besteht nicht aus ewig gleichen Variationen von Föderations-Phasern, sondern ist ein wilder Mix verschiedener Alien-Technologien.

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Es gibt das präzise, aber langweilige Phasergewehr in der Sternenflotten-Standardausführung, die archaisch anmutenden Allzweckwaffen der kriegerischen Klingonen und DIY-Geschütze der Scavenger oder von der Voyager-Bord-Ingenieurin 7of9. Und weil es die 2000er sind, haben alle Waffen zwei verschiedene Feuermodi für die doppelte Abwechslung.

Modern und veraltet zugleich

Genauso wie die Serienvorlage (g+) fühlt sich Elite Force gleichzeitig ziemlich veraltet und überraschend modern an.

Man merkt dem im Jahr 2000 erschienen Shooter an, dass er am Übergang der klassischen von Id-Software geprägten Quake- und Doom-Ära hin zum cineastischen Actionkino von Call of Duty und Co entstanden ist.

Entwickler Raven steht selbst in der Mitte dieses Wendepunktes. Elite Force war die erste Auftragsarbeit des 1990 gegründeten Studios. Vorher waren sie vor allem für ihre Oldschool-Shooter Heretic und Hexen bekannt.

Das Weltall muss draußen bleiben

Auch wenn Elite Force weniger düster und brutal ist, merkt man Ravens erstem Lizenzspiel seine Herkunft noch an. Das Team nutzt Id-Softwares Quake-3-Engine, entsprechend eng sind die Level gestaltet. Wenn man mal durch ein Fenster nach draußen schauen kann, sieht man nur die schwarze Skybox mit ein paar Sternen. Ansonsten spielt sich alles im Inneren von Raumschiffen ab.

Zeit zum Sternegucken ist in den Missionen aber eh nur selten, denn man muss angesichts sich hereinteleportierender Gegner stets in Bewegung bleiben. Das ist anders als bei modernen Shootern, die einem etwas trägen Realismus folgen und Spieler ständig in Deckung zwingen.

Was an epischer Szenerie fehlt, macht Elite Force durch abwechslungsreiche Architektur und Optik wett. Von den klinisch-sauberen Gängen der Voyager bis zur verwinkelten klingonische Rostlaube hat jede Umgebung ihren eigenen Stil.

Willkommen an Bord der Voyager

Herz und Seele von Elite Force bleibt aber die Voyager selbst. Zwischen den Missionen im feindlichen Gebiet darf Munro durch die Gänge des Schiffs spazieren und mit anderen Crewmitgliedern über die neuesten Ereignisse quatschen.

Diese Atempausen zwischen der Action kamen so gut an, dass Raven in einem Expansion Pack einen kompletten Walking-Simulator-Modus hinzugefügt hat. Statt eines Phasers hat man hier einen Tricorder in der Hand und erkundet die Voyager ohne die Gefahr, ins Kreuzfeuer von Borg und Klingonen zu kommen.

Jedes wunderbare Klischee von Star Trek ist dabei: explodierende Computerkonsolen, von Erschütterungen herumgeschleuderte Sternenflotten-Rekruten – auch die stoisch heranmarschierenden Borg mit ihren (vermeintlich) undurchdringlichen Schilden und die sterbenden Redshirt-Kameraden dürfen nicht fehlen.

Zwischen 4:3-Format und HD-Mods

Die Standard-Auflösungen im 4:3-Format erinnern dann aber doch wieder daran, dass Elite Force ebenso wie die Abenteuer der Serien-Voyager mehr als 20 Jahre alt sind – und damals noch fast quadratische Röhrenmonitore die Regel waren.

Findige Fans schaffen mit kostenlosen HD-Mods Abhilfe, und die mittlerweile quelloffene Quake-3-Engine macht ihnen das leicht.

Anderweitig basteln muss man aber nicht, um Elite Force spielen zu können. Die auf GOG (was früher für Good Old Games stand) verfügbare Version läuft auf Windows mit den angesprochenen Einschränkungen tadellos.

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Ein gelungenes Experiment

Eigentlich ergibt es gar keinen Sinn, dass Star Trek: Voyager Elite Force so gut gealtert ist. Die Voyager war bei Fans lange umstritten, das Spiel erschien an einem Wendepunkt für das ganze Genre und überhaupt: Star Trek und Action, das ist nicht immer die beste Kombination. Aber Sinn ergeben ja auch die vielen Zeitreise-Episoden von Star Trek nicht.

Gerade die Widersprüche machen Elite Force so gut. Das Abenteuer des Auswärtsteams fühlt sich an wie eine spannende Doppelfolge der Serie, nur mit dreifachem Budget für Stunts und Special Effects – und entsprechend flotterer Action, als es in den Serien früher möglich war.

Wer mit den Abenteuern von Captain Janeway und ihrer tollkühnen Crew etwas anfangen konnte, bekommt mit Ravens Spiel die volle Ladung Nostalgie. Und selbst wenn man keine Lust auf einen etwas altmodischeren Shooter hat, lohnen sich die 10 Euro schon für den virtuellen Rundgang auf der Voyager.

Während bei den Streamingdiensten heute mehr Star-Trek-Serien als je zuvor laufen, sieht es bei den Spielen eher mau aus. Hier sollte sich Star Trek statt an NFT-Quatsch und Mobilegames mal wieder an dieser merkwürdigen Periode der 2000er orientieren – und einfach mal was ausprobieren. Vielleicht kommt ein neues Elite Force dabei heraus.

Übersicht der vergangenen Staffeln von Golem retro_

In unserer Serie Golem retro nehmen wir Spieleklassiker ernst: Wir beleuchten im Video einflussreiche, wichtige oder immer noch sehr gute Spiele und die dafür nötige Hardware.

Die Nähe zu gigantischen Pixeln und quiekigen Midi-Klängen ist uns dabei genauso wichtig wie eine Auseinandersetzung mit den Spielmechaniken.

Wie immer wollen wir auf Wünsche aus der Community eingehen und die Spielepixel zeigen, die unsere Leser am liebsten sehen würden. Dafür bitten wir um reichlich Feedback in den Kommentaren, in denen auch ausdrücklich Spielevorschläge erwünscht sind.

Natürlich lesen wir auch gerne Erlebnisse, die unseren Lesern mit dem jeweils besprochenen Titel in Erinnerung geblieben sind.

Übersicht von Golem retro_ Staffel 8 (2021)

Folge 1: Resident Evil (1996): Grauenhaft gut

Folge 2: Half Life (1998): Lange Halbwertszeit

Folge 3: Battlefield 1942 (2002): Flugzeuge, Chaos, Battlefield-Momente

Folge 4: Nintendo Gamecube (2001): Der gefloppte Würfel

Übersicht von Golem retro_ Staffel 7 (2020)

Folge 1: Turrican II (1991): Die letzte Schlacht

Folge 2: Knights of the Old Republic (2003): Auf zu neuen Horizonten

Folge 3: Mafia (2002): Don Salieri lässt grüßen

Folge 4: Sega Mega Drive (1990): Der 16-Bit-Krieg ist eröffnet

Übersicht von Golem retro_ Staffel 6 (2019)

Folge 1: Party like it's 1999: Die 510 letzten Tage von Sega

Folge 2 Spezial: Minikonsolen im Vergleichstest: Die sieben sinnlosen Zwerge

Folge 3: Silent Hill (1999): Horror in den stillen Hügeln

Folge 4: Halo (2001): Der Master Chief mit der Frau im Kopf

Folge 5: TES 3 Morrowind (2002): Im Auftrag des Kaisers nach Vvardenfell

Übersicht von Golem retro_ Staffel 5 (2018)

Folge 1 Spezial: Analogue Super Nt im Test

Folge 2: Need for Speed 3: Hot Pursuit (1998)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 3 Spezial: Playstation Classic im Vergleichstest(öffnet im neuen Fenster)

Folge 4: Command & Conquer (1995)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 5 Spezial: Commodore CDTV (1991)(öffnet im neuen Fenster)

Übersicht von Golem retro_ Staffel 4 (2017)

Folge 1: The Legend of Zelda (1986 und 1995)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 2 Spezial: SNES Classic Mini im Vergleichstest(öffnet im neuen Fenster)

Folge 3: Blade Runner (1997)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 4: King's Field 1 (1994)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 5: Age of Empires (1997)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 6 Spezial: xRGB Mini alias Framemeister(öffnet im neuen Fenster)

Übersicht von Golem retro_ Staffel 3 (2016)

Folge 1 Spezial: NES Classic Mini im Vergleichstest(öffnet im neuen Fenster)

Folge 2: Quake (1996)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 3: Super Mario Bros. (1985)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 4: Syndicate (1993)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 5: (Jack) Alone in the Dark (1992)(öffnet im neuen Fenster)

Übersicht von Golem retro_ Staffel 2 (2015)

Folge 1: Super Metroid (1994)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 2: Anno 1602 (1998)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 3: Star Wars Jedi Knight (1997)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 4: The Secret of Monkey Island (1990)(öffnet im neuen Fenster)

Übersicht von Golem retro_ Staffel 1 (2014)

Folge 1: Star Wars: X-Wing (1993)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 2: Sid Meier's Colonization (1994)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 3: Ultima Underworld (1992)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 4: Rock n' Roll Racing (1993)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 5: Day of the Tentacle (1993)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 6: Speedball 2 Brutal Deluxe (1990)(öffnet im neuen Fenster)


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