Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Star Trek: Renegades: Chekov lässt Tuvok das dreckige Dutzend schicken

Ein Stück inoffizielles Star Trek , das für Fans der klassischen Serie und von Voyager viel zu bieten hat, das aber die Frage aufwirft: Wer hat bloß Chekovs Büro eingerichtet?
/ Peter Osteried
8 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das Schiff von Tuvok - wie die alte Voyager (Bild: Atomic Studios / Skyway Productions / ST Renegades)
Das Schiff von Tuvok - wie die alte Voyager Bild: Atomic Studios / Skyway Productions / ST Renegades

Renegades ist der letzte große Fanfilm, der zu Star Trek produziert wurde. Danach folgte ein Rechtsstreit, den Paramount mit den Produzenten des Fanfilms Prelude to Axanar(öffnet im neuen Fenster) führte, denn bei dem Studio sah man es nicht gerne, dass Fanproduktionen mit immer höheren Budgets produziert wurden. Während Prelude to Axanar aber nur eine Laufzeit von gut 20 Minuten hat, ist Star Trek: Renegades mit fast 90 Minuten abendfüllend.

Zehn Jahre nach Star Trek: Voyager

Renegades wurde 2013 gedreht und im Sommer 2015 veröffentlicht. Die Geschichte beginnt ein Jahrzehnt, nachdem die Voyager aus dem Delta-Quadranten zurückgekommen ist. Die Föderation steckt in einer Krise, denn die Hauptlieferanten von Dilithium-Kristallen, ohne die der Warp-Antrieb nicht funktioniert, verschwinden nach und nach. Raum und Zeit hat sich um diese Planeten herum gefaltet und sie so effektiv von allem anderen abgeschnitten.

Das ist ein unnatürliches Phänomen, das nur mit drastischen Maßnahmen gestoppt werden kann. Darum beauftragt Admiral Pavel Chekov, der Leiter des Geheimdienstes der Sternenflotte, Commander Tuvok in seiner Funktion als Kopf der neu organisierten Sektion 31, ein Team zusammenzustellen. Dieses Team bekommt alle Freiheiten und die Föderation kann jedwede Kenntnis darüber von sich weisen. Das Team muss herausfinden, wer für die Zwischenfälle verantwortlich ist - was nicht leicht ist, kommt es doch intern schon zu genug Querelen.

Tim Russ inszeniert

Der Film wurde von denselben Produzenten umgesetzt, die auch schon Star Trek: Of Gods and Men verantworteten. Finanziert wurde der Film über erfolgreiche Kampagnen bei Kickstarter und Indiegogo. Mehr als 375.000 US-Dollar kamen zusammen - ein im Grunde lächerliches Budget für einen Star-Trek-Film, aber immens für einen Fanfilm.

Auf dem Regiestuhl nahm erneut Tim Russ Platz, auch die Autoren von Star Trek: Of Gods and Men waren wieder aktiv. Die Idee dazu kam von Jack Treviño, der eine Serie auf Basis des Films vorschlug, aber mit einer Gruppe von Leuten, die außerhalb der Sternenflotte agieren. Gedreht wurde in den Laurel Canyon Studios in Los Angeles, wo man hauptsächlich auf Green Screen setzte. Knapp zwei Wochen an Drehzeit waren im Oktober 2013 angesetzt.

Noch bevor der Film im Kasten war, träumte man davon, ihn CBS vorzustellen - in der Hoffnung, dass der Sender ihn aufgreife, um eine Serie daraus zu machen. Andere Ideen: Der Film würde für sich stehen oder der Auftakt einer Webserie werden - letztlich war er irgendwie beides. Star Trek: Renegades stand für sich, und es gab zwei Jahre später eine weitere Episode, die nur noch Renegades(öffnet im neuen Fenster) hieß. Man hatte die Namen aller Figuren geändert und aus der Föderation die Konföderation gemacht, um eine neue Geschichte zu erzählen und nicht mit den Rechteinhabern von Star Trek aneinanderzugeraten.

Starke Besetzung

Die größten Stars des Films sind natürlich Walter Koenig als Admiral Pavel Chekov und Tim Russ als Tuvok. Es wurde aber weitere Star-Trek-Prominenz für den Film gewonnen: Manu Intiraymi spielt erneut Icheb aus Star Trek: Voyager, Gary Graham (Star Trek: Enterprise) ist Ragnar, Robert Picardo spielt Dr. Lewis Zimmerman, auf dem der Holodoc basiert, und Cirroc Lofton ist Jacob. Es wurde nicht bestätigt, aber es soll sich bei der Figur tatsächlich um Jake Sisko handeln, wie sich durch die erste und einzige Folge der Serie Renegades zeigte.

Auch andere bekannte Gesichter sind dabei: Sean Young (Blade Runner) ist Dr. Lucien, Corin Nemec (Stargate SG-1) ist Captain Alvarez, Edward Furlong (T2) ist Fixer, Richard Herd ( V - Die außerirdischen Besucher kommen ) ist Admiral Owen Paris und Herbert Jefferson Jr. (Boomer in Kampfstern Galactica ) ist Admiral Satterlee.

Garrett Wang hätte als Harry Kim mitspielen sollten, konnte aber wegen terminlicher Probleme nicht. Außerdem sollte J.G. Hertzler (Star Trek: Deep Space Nine) den Schurken Borrada spielen, er hatte aber auch keine Zeit, Bruce A. Young übernahm.

Renegades hat deutliche Schwächen

Man muss es so hart sagen: Star Trek: Of Gods and Men war weit, weit besser als Star Trek: Renegades. Das Skript schwächelt, es wird zu sehr auf altbackene Sci-Fi-Klischees gesetzt.

Aber es ist nicht nur das. Abseits der etablierten Schauspieler sind die Darsteller wirklich schlecht. Die Effekte sind natürlich auch nicht der große Wurf - zumal Renegades acht Jahre später als Of Gods and Men erschien.

Was der Film jedoch hat: Herz. Man merkt ihm die Leidenschaft aller Beteiligten an, aber allein damit kommt man eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Entsprechend kann Star Trek: Renegades nie über die Limitierungen hinausgehen, die mit einer unerfahrenen Crew einhergehen.

Es gibt Szenen, die wirklich toll aussehen, etwa die im Inneren von Raumschiffen, die sehr gut den Stil der Star-Trek-Serien nachahmen. Andere lassen das minimale Budget aber erkennen - man blicke nur auf Chekovs Büro. Das Interieur sieht aus, als habe man sich, überspitzt ausgedrückt, mit dem beholfen, was man eben so im Haus hatte.

Letzten Endes muss man Star Trek: Renegades (ansehbar bei Youtube(öffnet im neuen Fenster) ) als das nehmen, was es ist: Einen Fanfilm, der zwar eine interessante Geschichte hat, die in Teilen an den Brand aus Star Trek: Discovery erinnert, aber nicht versteht, sie homogen zu erzählen. Was nach wie vor für den Film spricht: Die Auftritte echter Star-Trek-Stars, weil es Spaß macht, die bekannten Gesichter wiederzusehen.


Relevante Themen