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Star Trek: Picard: Der alte Mann und das All

Nach 18 Jahren kommt Jean-Luc Picard am 24. Januar 2020 zurück: im Ruhestand, relativ machtlos, aber gewillt, zu tun, was getan werden muss, koste es, was es wolle. Star Trek: Picard ist eine Reise zurück, aber auch eine moderne Geschichte.
/ Peter Osteried
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Star Trek: Picard startet am 24. Januar 2020 bei Amazon. (Bild: Amazon Prime)
Star Trek: Picard startet am 24. Januar 2020 bei Amazon. Bild: Amazon Prime

Spoilerwarnung: Wir erzählen über die Handlung von Star Trek: Picard nur so viel wie absolut nötig. Wer gar nichts erfahren will, bevor er die Serie selbst sieht, sollte hier dennoch nicht weiterlesen!

Der Trailer zur Serie versprach reichlich Melancholie, das Wandern über Weinberge, das Reflektieren der Vergangenheit. Aber Star Trek: Picard ist nicht 2001 – Odyssee im Weltraum (und auch nicht Star Trek: Der Film). Die Serie spielt mit Picards Unmut, hier zu leben, weil er auf dem Anwesen seiner Familie niemals richtig heimisch geworden ist. Ihn zieht es ins All. Hinaus in eine Galaxie, in der es noch etwas zu entdecken gibt. Hinein in ein Abenteuer, das actionreich ist, auch wenn man schon sieht, dass man ein wenig tricksen musste, wenn es Mann gegen Mann geht, da Patrick Stewart auch in die Jahre gekommen ist.

Hauptdarsteller Patrick Stewart stand für die Serie Star Trek: Picard nur zur Verfügung(öffnet im neuen Fenster) , wenn die Figur weiterentwickelt würde. Einfach nur wiederholen, was er in sieben Staffeln Star Trek: The Next Generation und vier Filmen getan hatte, wollte er nicht. Aber damit rannte er bei Alex Kurtzman, der die Serie mit dem Pulitzer-Preisträger Michael Chabon, Kirsten Beyer und Akiva Goldsman entwickelt hat, offene Türen ein. Denn Star Trek: Picard soll tun, was Science-Fiction schon immer am besten gemacht hat: durch eine Zukunftsgeschichte die Gegenwart reflektieren.

Die Föderation schottet sich ab

18 Jahre ist es her, dass Patrick Stewart zuletzt Jean-Luc Picard in Star Trek: Nemesis gespielt hat. Die neue Serie setzt 20 Jahre nach den Ereignissen des Films ein. Die Welt hat sich verändert – mit unserer auch die von Star Trek.

Star Trek Picard – Trailer (Deutsch)
Star Trek Picard – Trailer (Deutsch) (02:41)

Die Geschichten der Nächsten Generation erzählten noch von einer Utopie, von Toleranz und Humanismus, vom Miteinander statt des Gegeneinanders. Star Trek: The Next Generation war immer der Traum, der Idealzustand dessen, was die Menschheit erreichen und schaffen kann. Diese Welt bekam mit dem neunten Kinofilm Star Trek: Der Aufstand schon Brüche, als sich Picard und seine Crew gegen die Sternenflotte stellen mussten, da Verschwörer in ihren Reihen ein Volk notfalls auch mit Gewalt umsiedeln wollten, um in den Genuss eines Jungbrunnens zu kommen. Jetzt ist alles endgültig anders.

Brexit und Trump haben auch bei Star Trek ihre Spuren hinterlassen. Die Föderation schottet sich ab, sie vergisst, auf welchen Werten sie aufgebaut ist, sie ist kaum mehr wiederzuerkennen. Damit hadert Jean-Luc Picard, aber auch dem Zuschauer – und in unserer Welt auch der Schauspieler Patrick Stewart. "Die Europäische Union fühlte sich für mich immer so an, als würden wir irgendwann in der Zukunft auf unsere eigene Version der Vereinten Föderation der Planeten zusteuern. Ich bin wütend, enttäuscht und beschämt von der Entscheidung meines Landes, die Union zu verlassen" , erklärte Stewart in einem Interview mit der Weekend Edition Sunday(öffnet im neuen Fenster) .

Star Trek Picard – Comic-Con-Trailer
Star Trek Picard – Comic-Con-Trailer (02:09)

Die Föderation ist in Star Trek: Picard isolationistisch geworden. Ein elektrisierender Satz, weil er so extrem gegensätzlich zu dem ist, was Gene Roddenberrys Vision für die Zukunft gewesen ist. Star Trek: Picard zeigt, dass nichts auf ewig gleich bleibt. Die Föderation ist jetzt Spiegel- und Zerrbild einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Purer Eskapismus ist die Serie damit nicht mehr. Sie hält den Finger vielmehr direkt auf die Wunde.

Ein Hauch von Nostalgie

Picard hebt sich in praktisch jeder Beziehung von Star Trek: The Next Generation ab. War serielles Fernsehen damals vor allem eine Sammlung von in sich abgeschlossenen Geschichten, so gibt es nun eine sich über zehn Folgen entwickelnde Handlung.

Es ist das Jahr 2399. Jean-Luc Picard ist Admiral im Ruhestand. Er bewirtschaftet das Weingut seiner Familie. Die Sternenflotte hat er verlassen, weil sie seiner Ansicht nach ihre Prinzipien verraten hat. Doch bereits in der ersten Folge will er in den Weltraum zurückkehren. Er möchte einem Mysterium auf den Grund gehen, das mit Data zu tun hat und einer jungen Frau namens Dahj, die eine wichtige Rolle in der neuen Serie spielt.

Auch tonal und formal ist die neue Serie ganz anders als Next Generation. Der Look erinnert zwar an die klassische Serie, hat sich aber auch weiterentwickelt. Das San Francisco der Zukunft sieht noch futuristischer aus als in den älteren Filmen und Serien – der technologische Fortschritt hat auch in der Welt von Star Trek nicht haltgemacht. Die Golden Gate Bridge ist ein Relikt der Vergangenheit, die gigantischen Gebäude muten an, als hätte Apple die Welt übernommen. Alles ist anders, aber irgendwie vertraut.

Bekannte Charaktere kehren zurück

Daher stellt sich auch ein nostalgisches Gefühl ein, wenn man mit Picard und Co. groß geworden ist. Das Weingut, aber auch Picards Archiv mit den Mementos eines Lebens erinnern an die gute, alte Zeit. Und es gibt in der ersten Folge ein Wiedersehen mit Brent Spiner als Data.

Dem merkt man zwar an, dass der Schauspieler eben auch älter geworden ist, selbst wenn der Androidenkörper eigentlich nicht altern dürfte. Aber schon das Finale von Star Trek: The Next Generation hat vor mehr als 25 Jahren gezeigt, dass Data versucht, ein Altern nachzuahmen. Schön ist es allemal, ihn mit Patrick Stewart in Interaktion zu sehen. Die erste Szene könnte so manchen Fan zu Tränen rühren.

Im Verlauf der Serie wird man auch noch andere bekannte Gesichter sehen. Jonathan Frakes und Marina Sirtis sind als William Riker und Deanna Troi dabei und Jeri Ryan wird wieder Seven of Nine spielen.

Wir konnten bereits die ersten drei Folgen sehen und können eines sagen: Die Geschichte ist groß aufgezogen. Die Macher lassen sich etwas Zeit, den gealterten Picard dem Zuschauer näherzubringen, aber auch zu zeigen, wie die Welt um ihn herum nun aussieht. Vieles ist dabei noch im Unklaren, da die 20 vergangenen Jahre für Fans unerforschtes Gebiet sind.

Interessant ist das alles aber von Anfang an, da hier auch mit Verschwörungen gearbeitet wird und um die Figur der synthetischen Frau Dahj und ihrer Schwester ein Mysterium aufgebaut wird. Die Serie etabliert schon in den ersten Folgen aufregende Fragen, die auch damit zu tun haben, was sich in der Föderation, aber auch mit den Resten des Romulanischen Reichs verändert hat. Am Ende der dritten Episode geht es sozusagen richtig los, zwar nicht auf einem Schiff der Föderation, aber doch auf einem beeindruckenden Raumschiff. Picard gibt den Befehl, den man ihn schon Dutzende Male zuvor sagen hörte: "Energie!"

Es geht weiter

Die erste Folge der neuen Serie ist ab dem 24. Januar 2020 in Deutschland auf Amazon zu sehen, die weiteren Folgen werden im Wochentakt veröffentlicht. Und es geht weiter. Das Aufkommen zahlreicher Streamingdienste hat Star Trek beflügelt, denn das Franchise ist eines der Pfunde, mit denen CBS-Viacom wuchern kann. Entsprechend hat der Autor und Produzent Alex Kurtzman die Aufgabe bekommen, die Welt von Star Trek kontinuierlich auszubauen. Star Trek: Discovery wird für den Streamingdienst CBS All Access produziert und läuft hierzulande auf Netflix. Verschiedene weitere Serien sind in Produktion, darunter das Zeichentrickformat Star Trek: Lower Decks und – noch nicht offiziell bestätigt, aber doch stark impliziert – eine Serie um Captain Christopher Pike und Spock, die beide in der zweiten Staffel von Star Trek: Discovery mitwirken.

Auch für Star Trek: Picard ist die weitere Zukunft schon geplant: Schon bevor Star Trek: Picard in den USA bei CBS All Access und im Rest der Welt bei Amazon debütiert, wurde bekanntgegeben, dass eine zweite Staffel bewilligt ist(öffnet im neuen Fenster) und bereits vorbereitet wird. Laut Hollywood Reporter wird zudem auch schon an der dritten Staffel gearbeitet, die zusammen mit der zweiten gedreht werden soll. Sicherlich keine schlechte Idee, ist Patrick Stewart mit 79 Jahren doch auch nicht mehr der Jüngste.


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