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Star Trek: Lahme Mission Impossible mit Section 31

Neun Jahre musste man auf den neuen Star-Trek -Film warten. Leider enttäuscht Section 31 auf ganzer Linie.
/ Peter Osteried
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Michelle Yeoh als Philippa Georgiou muss nur mal kurz das Universum retten. (Bild: Paramount+)
Michelle Yeoh als Philippa Georgiou muss nur mal kurz das Universum retten. Bild: Paramount+

Ersten Gegenwind hat es schon mit der Veröffentlichung des Trailers von Star Trek : Section 31 gegeben: Häufig wurde bemängelt, dass sich das Gezeigte nicht wie Star Trek anfühle. Am 24. Januar 2025 wurde der Film auf Paramount+ veröffentlicht und muss für sich stehen. Allein, er kann es nicht.

Zu generisch, zu vorhersehbar, letztlich zu uninteressant ist Section 31, als dass man neue Impulse erwarten könnte. Wenn es überhaupt welche gibt, dann allein dahingehend, dass man durchaus Star-Trek-Filme für den Streaming-Markt machen kann. Nur sollte das Studio künftig auf bessere Geschichten setzen.

Monster mit Gewissen

Diese Geschichte geht so: Philippa Georgiou, bekannt aus Star Trek: Discovery, war einst Herrscherin über das terranische Imperium(öffnet im neuen Fenster) , kam dann in die andere Zeitlinie, arbeitete dort für Section 31 und hat sich nun im nicht föderationskontrollierten Raum mit einer Bar selbstständig gemacht.

Ein Team von Section 31, einer geheimen Organisation der Föderation, die aktiv wird, wenn sich die Föderation offiziell distanzieren muss, wird losgeschickt, denn offiziell darf die Sternenflotte hier nicht agieren. Georgiou soll einkassiert werden. Das merkt sie aber und wird somit rekrutiert – es geht um viel mehr. Eine ultimative Waffe wird zum Verkauf angeboten, die darf nicht in falsche Hände geraten. Georgiou hilft bei der Mission, weil ihr klar wird, dass die Waffe etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun hat – einer Vergangenheit, in der sie monströse Dinge tat, als sie Millionen oder Milliarden über die Klinge springen ließ. Jetzt will sie Leben retten.

Mission: Impossible im All

Der Film versteht sich als eine Art Star-Trek-Version von Mission: Impossible. Das ist durchaus ein legitimer Ansatz und er hätte auch funktionieren können.

Das Projekt scheitert aber an einer vor sich hinplätschernden Geschichte und einem Ensemble, das wenig Sympathiepunkte auf sich vereint. Eine Figur bekommt eine extrem langweilige Exposition, damit auch der Letzte versteht, woher sie kommt, um Teil von Section 31 sein zu können. Andere ergehen sich in albernen Wortgefechten, die Humor in die Sache bringen sollen, jedoch hauptsächlich zum Fremdschämen sind.

Es ist durchaus richtig, dass man bei Paramount versucht, die Grenzen von Star Trek auszuloten und Geschichten zu erzählen , die sich abseits der üblichen narrativen Wege befinden.

Doch dann geht es wieder um die Rettung des Universums. Darunter macht man es wohl nicht mehr. Weniger wäre hier mehr gewesen, zumal die Vergangenheit Philippa Georgiou einholt. Das ist zwar an den Haaren herbeigezogen, aber wenn man eine fiese Diktatorin war, hat man auch viel Böses verursacht. Das rächt sich jetzt.

Die besten Momente

Am Anfang gibt es einen Rückblick darauf, wie eine junge Philippa Georgiou zur Herrscherin wurde. Dafür muss sie zeigen, dass sie alles und jeden töten wird, stets im Sinne des Imperiums.

Und: Es gibt Hunger Games. Man sieht sie nicht, sie werden erwähnt. Aus allen Sektoren werden junge Leute zusammengesammelt, die gegeneinander kämpfen, bis der letzte der neue Herrscher ist.

Dieser Anfang gehört noch zu den besten Momenten des Films. Vielleicht wäre ein Prequel über den Aufstieg von Philippa Georgiou interessanter gewesen als ein Film über ihren Status Quo.

Eine sympathische Massenmörderin?

Das Problem, das sich schon bei Star Trek: Discovery zeigte: Sie ist eine Figur, die Millionen umbringen ließ, die intelligente Spezies auffraß, die als skrupellose Diktatorin herrschte.

Schon bei Discovery versuchte man, sie dem Publikum sympathischer zu machen, einen Weg zur Absolution anzubieten. Aber kann es die geben? Darf es sie überhaupt geben, wenn man Millionen gekillt hat?

In einer Szene erklärt Georgiou, dass sie mit einem Gewissen infiziert wurde, und dass Monster mit einem Gewissen bedauern, was sie taten. Doch Bedauern bringt die Toten nicht zurück. Gerechtigkeit ist keine Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei-Karte, nur weil man Jahrzehnte später das Leben Millionen anderer rettet. Zumal: Das wäre nicht nötig gewesen, hätte sie früher nicht getan, was sie getan hat.

Schnitzeljagd

Der Film fühlt sich episodisch an, während die Protagonisten der Superwaffe – Godsend genannt – hinterherjagen. Die Action ist teilweise fahrig, die Figuren wiederum sind mehrheitlich nervig.

Ach ja, einen Verräter gibt es natürlich auch in den eigenen Reihen. Dessen Identität wird schon frühzeitig angeteasert. Zudem ist sie eine der nervigsten Figuren des Films überhaupt.

Apropos nervig: ein Vulkanier, der keiner ist, ein Gestaltwandler, der keine Entscheidung treffen kann, ein Söldner, der einen Kampfanzug hat, der besser in einem Superheldenfilm aufgehoben wäre – allesamt Figuren, die einen völlig kalt lassen. Star Trek: Section 31 scheitert an der Charakterisierung, es gelingt dem Film nicht, beim Publikum Sympathie oder wenigstens Interesse für sie zu wecken.

Wenn etwas an Star Trek: Section 31 überraschend ist, dann am ehesten das: Nicht alle Mitglieder des Teams überleben. Dennoch sind es genug, um Stoff für eine Fortsetzung zu haben.

Ein weiterer Auftrag, eine weitere Mission wird am Ende geteasert – mit einem Cameo-Auftritt, der künstlich erscheint und wohl nur zustande kam, weil es Everything Everywhere All At Once gibt. Darin war Michelle Yeoh schon mit dieser Person zu sehen.

Star Trek: Section 31 ist auf ganzer Linie eine Enttäuschung. Es funktioniert praktisch nichts. Zu hoffen bleibt, dass Paramount nicht die falschen Schlüsse daraus ziehen wird. Ein Sequel zu dem Film braucht kein Mensch. Aber sollte er auf breiter Front bei den Fans nicht ankommen, heißt das nicht automatisch, dass andere Filme mit anderen Geschichten nicht funktionieren.


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