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Die totale Überwachung

Die Trostlosigkeit wird dadurch unterstrichen, dass der Apparat hinter der Fassade sichtbar wird. Niemand ist in diesem Staat sicher, jeder wird überwacht, getestet, überprüft, auf die Probe gestellt, kleingehalten.

Das betrifft auch den Chefkonstrukteur. Er träumt davon, die Menschheit ins All zu bringen, verzweifelt aber an der Kurzsichtigkeit der Vorgesetzten. Er sieht Nachrichten, in denen die Nasa bekanntgibt, dass Wernher von Braun das amerikanische Raumfahrtprogramm leiten wird.

Es ist ein kurzer Moment aus der Hauptserie, den Rhys Ifans (bekannt aus House of the Dragon) so kommentiert: Die Amerikaner hätten einen Nazi zu ihrem Retter auserkoren, während er in der Versenkung existieren müsse.

Schicksal

Der Moment, da die erste Frau den Mond betritt, war auch bei For All Mankind wichtig; er setzte die Amerikaner noch mehr unter Zugzwang.

Hier ist nun die andere Seite der Geschichte zu sehen. Denn so glorreich, wie der Moment anmutet, ist er nicht. Er ist verbunden mit Misstrauen, Kontrolle, Drohungen.

Im Sowjetstaat hat jeder nur staatsdienende Funktionen. Auf dem Mond gestanden zu haben, schützt vor genau gar nichts. Die Szene, in der man Anastasia, gespielt von Alice Englert, dies klarmacht, ist stark. Wenn sie nicht kooperiert, wird sie ersetzt.

uf der anderen Seite steht Irina, die Frau, die eine Unschuldige retten will, aber erfahren muss, dass im Sowjetsystem niemals Unschuldige verhaftet werden – wer unschuldig ist, ist trotzdem schuldig; der Staat macht keine Fehler. Sie macht eine der größten Wandlungen durch, wirkt wie ein guter Mensch, ordnet sich aber dem System unter und befeuert es sogar.

Schon in den ersten zwei Folgen ist die Wandlung spürbar: als sie einen Ostdeutschen in Ostberlin verhört. Ihre Grenzen verschieben sich, ihre Moral wird attackiert, aber sie erweist sich als dehnbar. Sie wird von Agnes O'Casey gespielt, die in der Agentenserie Black Doves dabei war.

Hinter den Kulissen

Star City wurde von Matt Wolpert und Ben Nedivi entwickelt, die, zusammen mit Ronald D. Moore, auch schon For All Mankind erfunden haben. Sie haben das Skript der ersten Folge geschrieben und erweisen sich erneut als Erzähler, die genau wissen, wie sie ihr Publikum in den Bann ziehen.

Obwohl man die Höhepunkte der Handlung kennt, wenn man For All Mankind gesehen hat, schaffen sie dennoch Spannung. Faszinierend ist dabei vor allem der Blick hinter die Kulissen des sowjetischen Systems. Es fühlt sich erdrückend an. Man kann fast körperlich spüren, wie es sein muss, in einem System der fortwährenden Überwachung zu leben, in dem jedes falsche Wort den eigenen Untergang besiegeln kann.

Spannung bezieht die Serie aber auch aus der Tatsache, dass man als Zuschauer mehr weiß. So träumt der Chefkonstrukteur von der Mondbasis, aber wer For All Mankind gesehen hat, weiß natürlich, dass die Amerikaner den Russen mit Jamestown(öffnet im neuen Fenster) zuvorkommen werden. Aber wie es dazu kommt, ist das eigentlich Wichtige.

Star City ist das perfekte Begleitprogramm zu For All Mankind, funktioniert aber auch ganz und gar für sich. Auch wer die Mutterserie nicht gesehen hat, bekommt hier eine rundum gelungene Serie über die alternative Historie des Weltraumrennens – aus der sowjetischen Perspektive.


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