Stagefright: Google greift sich selbst an

Mitglieder von Googles eigenem Sicherheitsteam Project Zero haben einen Stagefright-Exploit veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) , der auch auf aktuellen Android-Geräten funktionieren soll. In der vergangenen Woche hatten die Stagefright-Entdecker von Zimperium bereits einen Exploit veröffentlicht , der aber nur mit älteren Android-Versionen funktioniert.
Der aktuelle Exploit nutzt die Schwäche mit der Nummer CVE-2015-3864 aus und lässt sich auch auf einem Nexus 5 mit der aktuellen Android-Version 5.1.1 ausführen. Nach Angaben von Googles Hackern funktionierte er im Durchschnitt jedes 256. Mal. Der Exploit könne auch aus der Ferne ausgenutzt werden.
Sicherheitsupdates waren fehlerhaft
Nachdem Google im Sommer mehrere Sicherheitsupdates veröffentlicht hatte, um die Sicherheitslücken zu mitigieren, wurde bereits bekannt, dass einige der Patches selbst angreifbar waren .
Nach Googles Darstellung sind die Lücken in der Stagefright-Bibliothek aber schwer auszunutzen, da Android ab Version 4.1. Adress Space Layout Randomization (ASLR) einsetzt. Mit dieser Technik wird Programmen zufällig ein bestimmter Adressbereich zugewiesen – dies soll einen Pufferüberlauf verhindern, da das System kaum mehr deterministisch sei.
Die Google-Ingenieure nutzen für ihren Angriff aus, dass ASLR nur 8 Bits Entropie gewährleistet. Dies bedeutet, dass Angreifer ihren Code in 2⁸ beziehungsweise 256 mögliche Speicherbereiche einschleusen müssen, um einmal erfolgreich zu sein.
Die Testergebnisse von Project Zero zeigen genau diese Charakteristik auf: Per Brute Force probiert der Exploit jedes Mal einen neuen Speicherbereich für libc.so aus. Dabei wird der Exploit-Code in einer manipulierten MP-4-Datei aus dem Browser ausgeführt und immer wieder neu geladen – bis die Daten im gewünschten Speicherbereich liegen und der Angriff erfolgreich ist. Das Team profitierte in diesem Versuch davon, dass der verwundbare Medienserver von Android direkt ausgeführt wird und der Speicherbereich daher bei jedem Exploit-Versuch neu zufallsgeneriert wird.
Es soll noch weitere Exploits geben
Nach Angaben von Mark Brand aus dem Projext-X-Team waren von 4.096 durchgeführten Exploit-Versuchen 15 erfolgreich. Der schnellste Erfolg stellte sich mit viel Glück bereits nach 30 Sekunden ein, der langsamste erst nach mehr als einer Stunde. Es gibt demnach eine vierprozentige Chance auf einen erfolgreichen Exploit innerhalb einer Minute.
Joshua Drake von Zimperium sagte Ars Technica(öffnet im neuen Fenster) , er habe selbst einen Exploit geschrieben, der ebenfalls Schwächen von ASLR ausnutze. Dieser Exploit sei bislang noch nicht veröffentlicht – er sei noch deutlich effektiver als der von Project Zero vorgestellte.
Es ist bemerkenswert, dass Googles eigenes Sicherheitsteam Sicherheitslücken auf diese Art und Weise veröffentlicht. Für ihre Forschung haben die Google-Forscher viel Anerkennung gesammelt – die rigide Disclosure-Politik des Projektes führte in der Vergangenheit jedoch auch zu Kritik .