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Staffel 7 von Black Mirror bei Netflix: Endlich wieder gut!

Nach der sechsten Staffel gab es Zweifel, ob Black Mirror für Sci-Fi-Fans noch interessant ist. Die sind mit der neuen Staffel 7 ausgeräumt.
/ Peter Osteried
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Peter Capaldi spielt in der Folge Spielzeug mit. (Bild: Netflix)
Peter Capaldi spielt in der Folge Spielzeug mit. Bild: Netflix

Als 2023 die sechste Staffel von Black Mirror startete, waren viele Fans enttäuscht. Außer beim Auftakt wurde kaum Science-Fiction geboten, stattdessen übernatürlicher Horror. Das passte so gar nicht zum Konzept von Charlie Brookers Serie.

Der Autor und Serienschöpfer hat sich die Kritik wohl zu Herzen genommen. Vor einiger Zeit versprach er, dass die Horrorexperimente passé seien und die siebte Staffel zu den Wurzeln zurückkehre. Tatsächlich, Staffel 7 besteht aus sechs Episoden, läuft ab 10. April 2025 bei Netflix und ist großartig.

Brooker beschäftigt sich erneut mit der Technik und deren dunklen Seiten. Das kann mal phantastischer und wilder, mal kleiner und intimer sein, aber immer ist es auf den Punkt. Sci-Fi, die zum Nachdenken anregt, war immer die Stärke von Black Mirror .

Ein Abonnement aufs Leben

Schon die erste Folge Gewöhnliche Leute (Common People) hat es in sich. Man könnte sagen: Brooker beißt mal wieder die Hand, die ihn füttert. Zwar geht es nicht um einen Streamingdienst wie bei Joan Is Awful aus der vorherigen Staffel, aber um ein Abomodell.

Die Geschichte: Eine Frau hat einen potenziell tödlichen Gehirntumor, eine neue Firma macht allerdings Hoffnung: Das betroffene Areal kann mit geklontem und mit einer Cloud verbundenem Gewebe ersetzt werden. Die Frau könnte überleben, der Preis dafür beträgt monatlich 300 US-Dollar.

Viel Geld, zumal aufgrund der Netzabdeckung die künftigen Bewegungsmöglichkeiten der Frau eingeschränkt sind. Und was ist, wenn das Abonnement immer teurer wird?

Bissig und tragisch

Der Frage geht Brooker nach – sowohl bissig, als auch tragisch, denn das Leben der Frau und ihres Ehemannes gerät völlig aus den Fugen. Er arbeitet wie verrückt und verstümmelt sich sogar selbst, um Geld zu generieren. Sie wird zur Werbebotschafterin und sagt Jingles auf, wann immer es in einem Gespräch passend erscheint.

Brooker betont das Negative an einem System, bei dem man über ein Abonnement an einen Anbieter mit Monopolstellung gebunden und damit dessen Willkür ausgeliefert ist. In den Hauptrollen agieren Chris O'Dowd (The Big Door Prize) und Rashida Jones (Park and Recreation), die in diese perfide Abofalle tappen.

Längst verstorbene Stars im Film auferstehen lassen

Spannend, weil mysteriös ist die Folge Bête Noire: Maria ist im Job von ihrer neuen Kollegin genervt, die sie schon aus Schulzeiten kennt. Noch schlimmer aber ist, dass die Neue Fehler macht, die sie Maria in die Schuhe schiebt – und das auf eine Art, die Maria nicht versteht.

Brooker entfernt sich hier weiter von dem, was technologisch vielleicht denkbar ist, präsentiert jedoch eine spannende, weil mit den Erwartungen spielende Geschichte. Anfangs fürchtet man noch, er könnte einmal mehr in den Bereich des Übernatürlichen abdriften, doch er kommentiert eines der Themen, die gerade im zeitgenössischen Superheldenfilm forciert werden.

Mit 77 Minuten Laufzeit ist Hotel Reverie die zweitlängste Folge der Staffel – und eine der besten. Hier geht es um die neue Technologie Redream, die es ermöglicht, dass eine Schauspielerin eine Rolle in einem alten Film übernehmen kann.

Die von Issa Rae gespielte Brandy ist ein Superstar und will eine traditionell männliche Rolle übernehmen. Einmal im Film, muss sie aber wegen eines technischen Fehlers bis zum Schluss dem Skript folgen, wenn sie wieder in die echte Welt wechseln will.

Die Folge beginnt mit einem Schwarz-Weiß-Trailer im Stil der Filme der Vierzigerjahre. Auch die Szenen im Film sind später schwarz-weiß. Hier beeindruckt Brookers Vermögen, die Sci-Fi-Elemente der Geschichte mit Drama zu kombinieren. Es geht um die Liebe und um die Frage, wie lebendig eine künstlich erschaffene Figur werden kann.

Das hat Humor, ist vor allem aber tragisch. Zugleich spielt die Folge mit Hollywoods Traum, längst verstorbene Stars im Film erneut aufleben zu lassen, was aber wegen der Redream-Technologie anders verlaufen kann.

Eine Folge, die keine Fortsetzung ist, und eine Folge, die schon Fortsetzung ist

In der Folge Spielzeug (Plaything) wird der von Doctor Who Peter Capaldi gespielte Cameron im London der nahen Zukunft wegen Diebstahls verhaftet. Zugleich wird er wegen eines Mordes gesucht. Es beginnt ein Verhör, bei dem er erzählt, wie er wurde, was er ist.

Der junge Cameron wird von Lewis Cribben (Generation Z) gespielt. Er trifft auf den von Will Poulter dargestellten Colin Ritman, den man aus dem interaktiven Black-Mirror-Special Bandersnatch kennt.

Aufgrund des Trailers war die Erwartung, dass diese Folge eine Fortsetzung sein könnte. Das ist sie aber nicht. Die Anwesenheit von Poulters Figur soll nur demonstrieren, dass mehrere Geschichten im selben Black-Mirror-Universum spielen können.

Der Blick zurück

Eulogy ist eine traurige Episode, denn ein von Paul Giamatti gespielter Mann erinnert sich an eine Frau, mit der er vor vielen Jahren liiert war. Nach ihrem Tod bittet die Familie ihn um schöne Erinnerungen, die mittels einer neuen Technologie geborgen werden sollen. Giamattis Figur betritt mithilfe eines Guides auch alte Fotos, um sie aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Mit USS Callister: Willkommen bei Infinity (USS Callister: Beyond Infinity) gibt es eine mit 90 Minuten filmlange Fortsetzung einer beliebten Folge aus der vierten Staffel. In der hat der Game-Entwickler Bob Daly seine Kollegen geklont und in einem separaten Spieluniversum zu Sklaven an Bord eines Raumschiffs gemacht.

Am Ende der Folge gelingt den Geklonten die Flucht ins eigentliche Spiel. Dort setzt die neue Folge an. In diesem Spiel gibt es 30 Millionen Spieler, die die Geklonten töten – und die sterben im wirklichen Leben, wenn sie im Spiel getötet werden. Und: Sie brauchen Credits, um Waffen und Treibstoff kaufen zu können. Deswegen müssen sie Spieler überfallen.

Darüber hinaus gibt es wieder einen Handlungsstrang, in dem ein investigativer Journalist Bob Dalys dunkle Machenschaften aufdecken will.

Inszeniert hat Toby Haynes mit einem modernisierten Star-Trek-Look. Alle Schauspieler der ersten Folge sind erneut dabei, sogar Jesse Plemons, dessen Bob Daly eigentlich nicht überlebt hat. Brooker und seine Mitautoren haben dennoch einen cleveren Weg gefunden, ihn noch mal in die Handlung zu integrieren.

Starkes Sextett

Die Qualität ist bei allen sechs Folgen hoch – bezüglich der Umsetzung und der erzählerischen Tiefe. Brooker und sein Team verstehen es, auf die Schattenseiten der Technologie zu denken. Das wird nicht in einer Rhetorik á la "Das Ende ist nahe" erstickt, sondern sie rücken das menschliche Drama in den Fokus. So darf es gern mit einer achten Staffel weitergehen.


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