Staffel 2 von Die Ringe der Macht: Ein Umfeld, in dem Sauron gut gedeihen kann
Serien werden Filmen beim Produktionsumfang immer ähnlicher – nur, dass sie mehr Laufzeit bieten. Darum dauert es mittlerweile oft zwei Jahre bis zu einer neuen Staffel. Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht startet am 29. August mit der zweiten Staffel, die wiederum aus acht Episoden besteht.
Wie viel sie gekostet hat, ist noch nicht bekannt. Die Rede ist von 700 Millionen Dollar(öffnet im neuen Fenster) . Zumindest wird sie teurer als die erste Staffel sein, weil die Geschichte immer größer und damit teurer wird. Die erste Staffel kostete 465 Millionen US-Dollar.
Zum Vergleich: Peter Jacksons Trilogie, die 2001 bis 2003 in die Kinos kam, kostete insgesamt 281 Millionen US-Dollar. Inflationsbereinigt wären das heute 436 Millionen Dollar – weniger als eine Staffel von Die Ringe der Macht.
Ein cleverer Trailer
Die neue Staffel beginnt damit, dass Sauron sich zum König der Elben krönen lassen will. Diese ersten Momente spielen mit den Erwartungen, die der Trailer geweckt hat, denn schon dort sah man, dass Sauron seine Gestalt wechselt – weg vom Menschen Halbrand, hin zum Elb Annatar. Aber der Auftakt ist ebenso täuschend, wie Sauron es ist. Es ist ein Rückblick, der zeigt, wie Halbrand zu Beginn der ersten Staffel auf der Schaluppe im Meer landete. Auf das Debüt von Annatar muss man bis zur zweiten Folge warten.
Die erste Staffel stellte eine Vielzahl von Figuren vor. Die meisten haben auch in der Fortsetzung noch ihre Rollen. Damit einher geht, dass die ersten drei Folgen ein wenig zerfasert wirken: Die erste Folge konzentriert sich auf Sauron und die Elben rund um Galadriel, Elrond und den Hohen König, sowie auf den Fremden und Nori, die durch eine unwirtliche Landschaft wandern.
In der zweiten Folge sind die Zwerge um Durin im Mittelpunkt, denn ihnen droht eine Katastrophe, die sie – das zeigt sich nach und nach – in die Hände der Elben treiben könnte und damit in ein Schicksal, das nicht erstrebenswert ist.
Die dritte Folge konzentriert sich vornehmlich auf Isildur, der noch in Mittelerde weilt, und auf die Königin-Regentin von Numenor, die einen Aufstand erlebt.
Die Ringe
Bei allem geht es um die drei Ringe der Elben, die Elrond am liebsten vernichten würde. Er fürchtet, diese könnten von Sauron beeinflusst sein. Es geht auch um die anderen Ringe, die noch geschmiedet werden müssen.
In der zweiten Folge mutet es arg plump an, wie Sauron den elbischen Schmied Celebrimbor manipuliert. Wer da nicht merkt, dass mit einem gespielt wird, muss wirklich blind sein. Aber vielleicht soll das so sein, möglicherweise soll die Hybris der Elben gegen sie eingesetzt werden.
Anti-Gandalf taucht auf
Was beim Auftakt der Serie auffällt: Es werden die großen und kleinen Geschichten vorangetrieben. Intrigen, Zwistigkeiten, Streitigkeiten, kurz: ein Umfeld, in dem Sauron gut gedeihen kann.
Wenige Verbindungen
Das größte Problem der Folgen ist, dass sie viele verschiedene Handlungsstränge bedienen und manche über eine oder zwei Folgen außen vor bleiben. Das verhindert, dass die Staffel ein ganzheitliches Bild abliefert. Das war bei der ersten Season auch so, da war es allerdings notwendig, alle Figuren vorzustellen.
Hier sind die meisten bekannt, auch wenn es Neuzugänge gibt: einen dunklen Zauberer aus dem Osten, eine Art Anti-Gandalf, der sich darum sorgt, was der Fremde – der Gandalf sein könnte – treiben wird.
Der Look
Die erste Staffel wurde in Neuseeland gedreht(öffnet im neuen Fenster) , für die zweite zog die Produktion nach Großbritannien um.
Der Grund war vor allem ein logistischer. Während der Coronapandemie war die Einreise nach Neuseeland besonders schwierig und die Bestimmungen waren mit langen Quarantänezeiten verbunden. Die neuen Drehorte haben nicht wirklich etwas geändert. Auch in Großbritannien gibt es eindrucksvolle Landschaften. Die Basis fand die Produktion in den historischen Bray Studios, in denen einst das britische Studio Hammer gotische Horrorfilme produzierte.
Die Szenen mit dem Fremden und Nori wurde auf den Kanarischen Inseln gedreht.
Eine Figur fehlt
Spoiler-Warnung! Eine Figur fehlt übrigens in der zweiten Staffel: Nazanin Boniadi gab nach Staffel eins bekannt, dass sie in der zweiten nicht mehr dabei wäre.(öffnet im neuen Fenster) Ihre Figur Bronwyn war in der ersten Staffel durchaus bedeutungsvoll, sie wird in der dritten Folge der zweiten Staffel aber gelungen aus der Handlung genommen.
Zwischen dem Elb Arondir und ihr war ein Anflug von Romanze zu verspüren. Die endet nun jäh, denn die Figur stirbt offscreen – am Gift eines Ork-Pfeils. In der Umsetzung ist das sehr gelungen, weil es Arondirs Figur eine weitere Dimension gibt, insbesondere im Umgang mit Bronwyns Sohn, der auf den Elb nicht gut zu sprechen ist.
Es gibt viele kleine, starke Charaktermomente für fast jede Figur. Diese halten die ersten Folgen zusammen, wenn die Handlung zu weit aufgefächert wird. Ansonsten erscheint die Staffel ein wenig bodenständiger, vielleicht auch grimmiger, insgesamt dramatischer, weil die Handlung nicht erst in Gang gesetzt werden muss, sondern es direkt losgeht.
Nach wie vor funktioniert die Serie als Prequel für Peter Jacksons Filme, und immer noch nehmen sich die Autoren Freiheiten bei der Adaption der Anhänge der Trilogie, die die Basis der Geschichte bilden. Soll heißen: Wer das in der ersten Staffel nicht mochte, wird es auch hier nicht mögen. Was vor zwei Jahren funktionierte, geht auch jetzt. Auserzählt ist die Geschichte mit zwei Staffeln und Folgen, die eine Länge von 58 bis 73 Minuten haben, noch lange nicht.
- Anzeige Hier geht es zur Herr der Ringe Extended Edition 4K Trilogie bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



