Stadtwerke: (Keine) Zusammenarbeit mit der Telekom auf Augenhöhe
Laut Claus van der Velden, kaufmännischer Geschäftsführer bei Netcologne, ist für den großen lokalen Netzbetreiber keine Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom auf Augenhöhe möglich. "Wir haben eine vielfältige Zusammenarbeit mit der Telekom, aber wenn ich ein Wort nicht gebrauchen würde, dann wäre es Augenhöhe", sagte er am 21. Mai 2026 auf der Kongressmesse Anga Com in Köln(öffnet im neuen Fenster).
Netcologne habe mit der Telekom einen Partnervertrag, demzufolge man voneinander Breitbandzugänge einkaufen könne. "Die könnten bei uns FTTB einkaufen, und wir könnten bei denen einkaufen. Wir tauschen dafür Adressen aus, wo man einkaufen kann, das sind die Gebiete, wo die uns überbauen. Doch wir sehen dort fast nur Homes Passed", hatte Netcologne-Chef Timo von Lepel Golem vor einem Jahr gesagt.
Van der Velden erklärte: "Am Ende ist vieles immer auch eine Preisfrage, aber Augenhöhe verspüre ich da nicht. Tatsächlich habe ich in den Gesprächen von der Telekom den Begriff einseitige Kooperation gehört."
Telekom kocht auch nur mit Wasser
Dem widersprach zuvor Patrick Helmes, Geschäftsführer der Glasfaser Ruhr, der eine enge Partnerschaft mit der Telekom hat. Dass die Ausbau-Kooperation mit der Telekom nicht auf Augenhöhe verläuft, "war tatsächlich eine Angst, als wir anfingen, mit der Telekom Gespräche zu führen, weil es große Unterschiede gibt. Aber wir haben relativ schnell gemerkt, dass die Telekom auch nur mit Wasser kocht."
Die Telekom sei durchaus empfänglich "für Knowledge von der Basis eines Stadtwerks. Und ich kann nur bestätigen, dass es auf Augenhöhe ist. Wir tauschen uns regelmäßig aus. Für uns in Bochum kann ich sagen, dass die Kooperation funktioniert", betonte Helmes, der zugleich Präsident des Telekom-nahen Verbands Buglas ist.
Telekom und Glasfaser Ruhr, eine Tochter der Stadtwerke Bochum, hatten ihre Partnerschaft im Juni 2022 bekanntgegeben. Glasfaser Ruhr plant und baut das Netz, Telekom betreibt es und mietet die Infrastruktur für mindestens 30 Jahre an. Das Projekt sollte ein Gesamtvolumen von 185 Millionen Euro haben. Insgesamt sollen im Jahr 2032 über 90 Prozent der Haushalte und Unternehmen in Bochum einen Gigabit-Glasfaseranschluss haben.
Glasfaser Ruhr wird Ziele viel früher erreichen
"Sofern nichts Unvorhergesehenes passiert, werden wir die Ziele der Ausbaukooperation mit der Telekom bereits Ende 2029 erreichen. Ende dieses Jahres werden wir etwa zwei Drittel aller Haushalte in Bochum Homes Passed erschlossen haben", sagte Glasfaser Ruhr-Sprecher Bernd Lehwald am 21. Mai 2026 zu Golem.
In einer Zwangspartnerschaft mit der Telekom steckt M-Net in München. Deren Technikchef Maximilian Oertle sagte auf dem Podium: "Wir haben in München diesen Weg gewählt. Ehrlich gesagt war das nicht unser Wunschszenario, aber unser Wunschszenario ging einfach nicht. Wir wollten in München das Investment in die NE4 möglich machen, das ging halt nur mit einer starken Penetration. Die war nur möglich über eine starke Partnerschaft. Die findet jetzt auch Akzeptanz, so unglücklich wir am Anfang darüber waren."
"Dass die Stadtwerke München als Mutter von M-net diesem Druck nachgegeben haben, zeigt, wie hilflos selbst das größte Stadtwerk Europas der Marktmacht der Telekom gegenübersteht", bewertete VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer die Partnerschaft im September 2025. Die Telekom hatte zuvor mit einem breiten Überbau gedroht und damit auch praktisch begonnen.
- Anzeige Hier geht es zu den besten Deals auf Mobilfunk, Internet und mehr bei der Telekom Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



