Stadtwerke an Telekom: "Überbau von Glasfaser durch Nachzügler ist ein Hindernis"
Die Stadtwerke wollen keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie ihre Glasfasernetze dauerhaft betreiben können. "Mit langem Atem kennen sich unsere Unternehmen aus. Schon jetzt bauen beziehungsweise betreiben 93 Prozent der regionalen und kommunalen Unternehmen Glasfasernetze (FTTB/H)", sagte die Sprecherin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) Golem.de auf Anfrage. "Ein Hindernis ist oft der Überbau bestehender Glasfasernetze durch Nachzügler. Wir brauchen weniger Wettbewerb zwischen den Netzen. Wir brauchen Wettbewerb auf den Netzen."
Die Deutsche Telekom hatte zuvor erklärt, man erwarte, dass ein Teil ihrer Konkurrenten beim Glasfaserausbau die nächsten Jahre nicht überleben wird. "Inwiefern alle auch diesen harten Wettbewerb sich sehr genau überlegt haben, wird man in wenigen Jahren sehen. Ich glaube nicht, dass alle Wettbewerber, alle Netzbetreiber, da auch lange durchhalten werden", erklärte Josef Scherl, Konzernbevollmächtigter für die Region Süd der Telekom, in einem Videointerview des Unternehmens, das inzwischen bei Youtube nicht mehr verfügbar ist. Der Wettbewerb sei hart und damit ein sehr langer Atem vonnöten, betonte Scherl. Neben regionalen Anbietern wie M-net in München, Netcologne in Köln oder R-Kom in Regensburg "kommen aktuell auch immer mehr überregionale Investoren an den Start". Dies seien die Deutsche Glasfaser, UGG von Telefónica oder Deutsche Giganetz. Auch die Textform des Interviews wurde im Firmenblog der Telekom gelöscht(öffnet im neuen Fenster). Über den Google Cache ist der Beitrag weiter auffindbar(öffnet im neuen Fenster).
Open Access sei laut VKU nicht nur schneller, sondern auch nachhaltiger. "Ein Netz ist günstiger und energieeffizienter als der Bau und Betrieb mehrerer Netze nebeneinander, zumal es derzeit ohnehin ein schwieriges Unterfangen ist, an Tiefbaukapazitäten zu kommen. 80 Prozent unserer Unternehmen machen die Open-Access-Tür für interessierte Wettbewerber weit auf."
Heer: Überbauen ist legal, aber nicht sinnvoll
Rund 80 Prozent der im Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas) organisierten Unternehmen böten Dritten bereits einen Zugang zu ihren Glasfasernetzen an beziehungsweise wollen dies bei entsprechender Nachfrage tun. Das sagte Buglas-Geschäftsführer Wolfgang Heer Golem.de auf Anfrage: "Zudem kann Open Access den volkswirtschaftlich in der Regel nicht sinnvollen Überbau bestehender Netze mit allen damit verbundenen Nachteilen vermeiden", erklärte Heer. So müssten nicht mehrfach Gräben ausgehoben oder Straßen aufgerissen werden, was auch angesichts des Mangels insbesondere an Personal nicht sinnvoll sei. "Umwelt und Bürger werden geschont, Baulärm und andere Immissionen vermieden, beziehungsweise auf das notwendige Minimum beschränkt", betonte Heer.
Scherl von der Telekom hatte dagegen erklärt, ein doppelter Ausbau sei kein großes Problem: "Aus meiner Sicht haben die Kunden durch diesen Wettbewerb auch einen großen Vorteil, weil die Vielfalt der Anbieter entsprechend größer wird. Wobei eine Kommune durchaus die Möglichkeit hat, die Bauarbeiten von zwei oder mehr Anbietern so zu koordinieren, dass die Belastungen für die Bürger möglichst gering ausfallen."
Herr: "Natürlich ist ein Überbau im Infrastrukturwettbewerb grundsätzlich zulässig. Die für unser Land beste, weil schnellste und nachhaltigste Lösung ist das allerdings zumindest im Sinne einer schnellstmöglichen flächendeckenden Versorgung definitiv nicht."
Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM, sagte Golem.de: "Auch im Glasfasermarkt gibt es – wie in jeder anderen Branche – Gründe, warum Unternehmen wieder aus einem Markt ausscheiden. Manche besonders kleine Unternehmen oder Stadtwerke zum Beispiel sind kaum in der Lage, Synergieeffekte zu heben, was gerade in dieser Branche überlebensnotwendig sein kann. Die Hauptursache für die Verdrängung von Unternehmen und Investoren aus einzelnen Bauprojekten liegt aber im Verhalten der Telekom selbst." Vielerorts versuche sie zum Leidwesen der Bürgermeister, Investoren zu verunsichern und gerade kleine regionale Unternehmen, die nicht innerhalb Deutschlands ausweichen können, so aus dem Ausbau zu drängen.
Leider müssten oft kleine Stadtwerke oder regionale Investoren auf den Ausbau verzichten, der dann aber auch von der Telekom nicht mehr ausgeführt werde, betonte Grützner. "Das ist ordnungspolitisch – zumal mit starker Bundesbeteiligung an der Telekom – nicht hinnehmbar. In anderen Fällen werden Straßen ein zweites Mal aufgerissen, Kabel verlegt und es wird nachträglich der Business Case des Erstausbauers zunichte gemacht. Dies als normalen Wettbewerb zu bezeichnen, ist nicht nur fatal, sondern konterkariert das Ziel der Bundesregierung einer flächendeckenden Gigabit- und Glasfaserversorgung."
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