Stadt Witten: Elternbeitragsbescheide mit Werbung im QR-Code versandt
Die Stadt Witten in Nordrhein-Westfalen hat Elternbeitragsbescheide verschickt, deren QR-Code für die Einrichtung eines SEPA-Mandats zu einer zwischengeschalteten Seite mit Werbung führt. Wie die Stadt in einer Pressemitteilung erklärt(öffnet im neuen Fenster), werden Betroffene nach dem Scannen des Codes nicht direkt auf die Seite der Stadt geführt, sondern zunächst auf die Werbeseite eines externen Anbieters.
Dort erscheint eine Aufforderung zur Zahlung von einem Euro, womit allerdings ein kostenpflichtiges Abonnement abgeschlossen wird. Eltern sollten den QR-Code im Brief nicht nutzen und auch keine Bank- oder Kreditkarteninformationen darüber preisgeben, erklärte die Stadt. Die Zwischenschaltung der Werbung durch den QR-Code-Anbieter sei nicht ersichtlich gewesen.
Auf das Problem war der Wittener Michael Recht aufmerksam geworden, dem nach dem Scannen des Codes ein großer blauer Balken mit der Aufschrift "Fortfahren" eingeblendet wurde. Mit Screenshots belegte Recht gegenüber Golem, dass klein am oberen Rand ein Ein-Euro-Testangebot für ein Fitnessstudio eingeblendet wurde, welches nach einem Tag 49,90 Euro pro Monat kosten sollte. Unter dem Button findet sich im Kleingedruckten der Hinweis, dass nach dem Klick auf die Schaltfläche ein Abonnement abgeschlossen wird.
"Die kostenlose Version enthält Werbung"
Während die Vollbildanzeige bei Recht keine Hinweise darauf lieferte, wie sich die Werbung überspringen lässt, erhielt Golem nach dem Scannen des QR-Codes zwar ebenfalls eine große Werbeanzeige, darunter war aber ein kleiner Button zum Überspringen der Werbung zu sehen. Erst nach Betätigung dieser Schaltfläche wurden wir auf die Webseite der Stadt Witten zur Einrichtung des SEPA-Mandats weitergeleitet.
Der verwendete Anbieter ME QR wirbt mit der Erstellung kostenloser QR-Codes. Unter dem Button zum Herunterladen des finalen QR-Codes findet sich (Stand 30. Juli 2026) ein Hinweis auf die Zustimmung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen und gleich danach der Satz: "Die kostenlose Version enthält Werbung."
Der Golem-Blick
Der Fall der Stadt Witten zeigt nicht nur auf, dass Unachtsamkeit bei der Verwendung kostenloser Dienste im Internet zu unerwarteten Schäden führen kann. Er macht auch deutlich, dass Behörden, Ämter und Verwaltungen bei der Digitalisierung in Deutschland immer noch weitestgehend sich selbst überlassen werden.
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