Stadt München: Zweiter Bürgermeister Münchens lobbyiert gegen Limux
Nachdem der Zweite Bürgermeister von München, Josef Schmid (CSU), vor wenigen Wochen angekündigt hat, einen Wechsel von Linux zurück zu Windows prüfen zu lassen, erneuert Schmid nun seine Kritik an Limux. Zu Heise sagte er(öffnet im neuen Fenster), er sehe "deutliche Schwächen bei Limux".
Weiter heißt es, die städtische IT hinke "den Anwendungen in Wirtschaft und Gesellschaft um Jahre hinterher". Konkret kritisiert Schmid, es gebe "keinen nutzerfreundlichen Zugriff auf die entsprechenden Programme", um E-Mails oder Termine auch über Tablets und Smartphones zu verwalten.
Der zuletzt angeführte Punkt mag zwar an sich berechtigt sein, offenbart aber auch, dass Schmid verschiedene Bereiche der Münchner IT-Infrastruktur miteinander vermischt und das Problem ausschließlich bei dem Limux-Projekt sieht, welches mittlerweile einen Großteil der städtischen Rechner auf ein Linux-System migriert hat.
Groupware-Migration läuft bereits
Doch dass die Mail-, Termin- und Kontaktverwaltung, also die klassische Groupware, in einem von Limux eher unabhängigen Projekt gerade neu organisiert wird, scheint Schmid nicht zu wissen oder absichtlich zu verschweigen. Um eine für alle einheitliche aktuelle Groupware einzuführen, startete die Stadt München Anfang dieses Jahres Migmak (Migration Mail- und Kalender-System).
Die Ausschreibung für Migmak sah explizit eine Anbindung an bestehende Windows- und Linux-Rechner vor, darüber hinaus sollten ein Web-Interface und eine Verbindung zu mobilen Geräten wie Tablets und Smartphones ermöglicht werden. Die Stadt hat sich schließlich für Kolab Enterprise entschieden(öffnet im neuen Fenster), das von einem Partnerunternehmen der Schweizer Kolab Systems AG hauptverantwortlich in München installiert werden soll. Der Kolab-Client basiert auf der KDE-Anwendung Kontact.
Software-Migrationen brauchen Zeit
Neben der Kritik an der Groupware zeugt auch Schmids Kommentar zum Alter der eingesetzten Software von eher wenig Fachkenntnis. So mussten etwa das Land Niedersachsen wie auch die britische Regierung ihren Support für Windows-XP über das offizielle Support-Ende hinaus verlängern, da eine Migration mehrerer tausend Rechner offenbar doch nicht so einfach ist, wie Privatanwender sich dies anscheinend vorstellen.
Auch bei dem Limux-Projekt verzögert sich eine Aktualisierung des Limux-Clients, also des eigentlichen Betriebssystem. So berichteten Beteiligte auf dem Linuxtag im Mai 2013, dass etwa die interne Struktur der verschiedenen IT-Abteilungen schnelle Aktualisierungen der Software verhindere. Eine interne Studie zur Verbesserung dieser Strukturen läuft bereits.
Hinzu kommen laufende Migrationen wie etwa die Umstellung von Openoffice.org auf Libreoffice oder eben Migmak, an denen sich die Limux-Entwickler beteiligen müssen. Deshalb benutzt der Limux-Client derzeit noch Ubuntu 10.04 und das sehr antiquiert wirkende KDE 3.5. Die bereits im vergangenen Jahr geplante Umstellung auf Ubuntu 12.04 und ein aktuelles KDE SC der 4er Reihe könnte noch in diesem Herbst stattfinden, wie Projekt-Beteiligte Golem.de sagten.
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