Stack Overflow: Enterprise durch Community

Stack Overflow baut sein Geschäft groß um und will weg von der Community. Das könnte aber eben dank der Community zum großen Erfolg werden.

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Stack Overflow sucht nach einem neuen Geschäftsmodell.
Stack Overflow sucht nach einem neuen Geschäftsmodell. (Bild: Stack Overflow)

Die Webseite Stack Overflow folgt seit mehr als einem Jahrzehnt einem wirklich einfachen Prinzip: Nutzer stellen Fragen zu einem Problem und erhalten darauf Antworten. Stack Overflow hat sich damit zu einer der bei Entwicklern wohl bekanntesten und beliebtesten Webseite überhaupt entwickelt. Doch mit dem neuen CEO Prashanth Chandrasekar setzt das Betreiberunternehmen verstärkt auf ein Geschäftsfeld abseits dieser riesigen Community mit Millionen Mitgliedern. Paradoxerweise dürfte die Community dabei aber maßgeblich zum Erfolg des neues Geschäfts beitragen.

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Der Informatiker Chandrasekar hat als Investbanker gearbeitet und vor seinem Wechsel zu Stack Overflow bei den Cloud-Spezialisten von Rackspace deren Wandel von einem Hostingunternehmen zu einem umfassenden Cloud-Dienstleister begleitet. Nun soll er also bei der Community-Webseite für Entwickler einen vergleichsweise neuen Geschäftszweig weiter ausbauen.

Neue Führung baut um

Seit dem Start der Webseite finanziert sich das Unternehmen hauptsächlich über eine Jobbörse. Unternehmen können auf der Plattform Stellenanzeigen schalten und Nutzer können sich mit ihren Qualifikationen von interessierten Unternehmen finden lassen. Bei einer derart großen Community sollte das eigentlich ein solides Geschäftsmodell sein. Doch vor rund zweieinhalb Jahren musste das Unternehmen etwa 20 Prozent seiner Mitarbeiter entlassen, um Kosten zu sparen.

Schon damals bereitete Stack Overflow mit der Plattform Channels ein Produkt vor, das langfristig die Haupteinnahmequelle darstellen soll. Channels heißt inzwischen Teams und ist im Prinzip eine private Variante der Stack-Overflow-Webseite, die Unternehmen intern einsetzen können. Schon jetzt sorgt Teams für ungefähr ein Viertel des Umsatzes und Chandrasekar soll das Geschäft weiter ankurbeln.

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Maßgeblich unterstützt wird der neue Chef dabei von Teresa Dietrich, die die Produktentwicklung leiten soll und erst seit Anfang diese Jahres bei Stack Overflow ist. Dietrich war zuvor bei McKinsey und unterstütze dort die Software-as-a-Service-Produkte im Enterprise-Bereich. Und genau das will Stack Overflow mit Teams erreichen und damit weg von der großen Masse von Entwicklern, die möglicherweise nur schwer erreichbar ist, hin zu einzelnen großen und damit vor allem zahlungskräftigen Kunden.

Enterprise mit Community-Hilfe

Das mag zunächst ungewöhnlich erscheinen, immerhin lebt Stack Overflow bisher eben hauptsächlich von seiner Community. Der Fokus auf die Unternehmenskunden dürfte aber eine gut durchdachte strategische Entscheidung sein. So ist auch Stack Overflow Teams weiter ein Produkt für Entwickler. Und die dann kommerziellen Nutzer kennen das Produkt und seine Eigenheiten vermutlich schon sehr lange und sind damit vertraut. Ähnliche Geschäftsangebote basieren ebenfalls auf dieser Idee, so etwa Github und viele weitere.

Im Prinzip soll Stack Overflow Teams im Unternehmen genau für das verwendet werden, was die öffentlichen Community-Seite auch bietet: Fragen und Antworten zentral bereitstellen, damit diese nicht immer wieder gestellt werden müssen. Darüber hinaus bietet das Unternehmensangebot eine Reihe von Integrationen etwa für die Chatlösungen Teams und Slack. Erst vor Kurzem hinzugekommen ist die Integration von Github und Jira. Vor allem Letzteres war bisher eine reines Unternehmensprodukt und ist nur wegen der Corona-Krise kostenfrei verfügbar.

Damit der Plan mit dem Enterprise-Geschäft aufgeht, setzen Chandrasekar und Dietrich auf einige neue Ideen, bei denen auch wieder die Community integriert werden soll, wie uns Chandrasekar in einem kurzen Gespräch erläuterte. Dafür setzt sich das neue Führungsteam etwa erstmals direkt mit der Community auseinander und postet selbst in der Meta-Kategorie von Stack Overflow, um in einen direkt Austausch zu treten. Im Gespräch versicherte Chandrasekar, dass dies weiter ausgebaut werden solle.

Darüber hinaus erklärte er, dass das Unternehmen nun auch Angestellte dafür bereitstelle, neuen Kunden vor Ort dabei zu helfen, in Arbeitsabläufe mit der Software hinzufinden. Dies sei unter anderem daraus erwachsen, dass auch das Stack-Overflow-Unternehmen seine Anwendungen natürlich selbst intern verwende und entsprechend viele Erfahrungen damit sammle. Diese könnten dann im Austausch mit Kunden erweitert werden.

Das wiederum sollte das Produkt wohl ebenso weiter verbessern wie auch der Austausch mit der Community der freien Plattform bisher. Solange Stack Overflow mit der neuen Führung weiter genau auf seine Nutzer hört und deren Probleme löst, sollte dem Enterprise-Kurs wohl nur noch wenig im Weg stehen.

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