• IT-Karriere:
  • Services:

Staatstrojaner: Spionagefirmen drohen Bundesregierung mit Lieferstopp

Die Hersteller von Spähsoftware befürchten offenbar einen Imageschaden durch ihre Produkte. Daher will die Bundesregierung nicht einmal dem Bundestag die Namen der Staatstrojaner-Hersteller nennen.

Artikel veröffentlicht am ,
Hervorgehoben ist der vom Chaos Computer Club enttarnte und analysierte Trojaner der hessischen Firma Digitask.
Hervorgehoben ist der vom Chaos Computer Club enttarnte und analysierte Trojaner der hessischen Firma Digitask. (Bild: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Die Bundesregierung verweigert dem Innenausschuss des Bundestags jegliche Auskunft über die Lieferanten kommerzieller Spähsoftware für die Polizeibehörden. Das geht aus als geheim eingestuften Protokollen hervor, die das Portal Netzpolitik.org veröffentlicht hat. "Die Unternehmen wollen nicht, dass es offenbar wird, dass sie mit der Bundesregierung oder mit Sicherheitsbehörden des Bundes kooperieren. Wenn dies der Fall ist, dann beenden sie ihre Geschäftsbeziehungen mit uns", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer (CSU), in einer Sitzung des Innenausschusses am 13. Juni 2018.

Stellenmarkt
  1. Fressnapf Holding SE, Krefeld
  2. Bezirkskliniken Schwaben, Augsburg

Ähnlich äußerte sich der Leiter des Kompetenzzentrums Informationstechnische Überwachung beim Bundeskriminalamt, Helmut Ujen. "In der jüngeren Zeit hat sich die Entwicklung so dramatisch zugespitzt, dass es eigentlich kaum noch Anbieter auf dem Markt gibt. Die verbliebenen haben uns sehr deutlich gemacht, dass es von deren Seite keinerlei Publikation zur Zusammenarbeit gibt, und wenn es die von unserer Seite gibt, gibt keinerlei Geschäftsbeziehung zu diesen Firmen", sagte Ujen. Mayer ergänzte: "Ich sage es hier ganz offen, die sind verbrannt, wenn die Namen zirkulieren und öffentlich werden."

Nur wenige Anbieter auf dem Markt

Allerdings räumte Ujen ein, dass der Maulkorb der Firmen nicht ganz nachvollziehbar sei. Es gebe ohnehin nur wenige Hersteller auf dem Markt. Zudem sei bekannt, mit wem das BKA in der Vergangenheit Lieferverträge abgeschlossen hat. Es sei daher fraglich, ob es einen "Mehrwert" ergebe, wenn er den Abgeordneten die Namen der Firmen nenne, "die Sie natürlich selbst quasi recherchieren können".

In den vergangenen Jahren war bekannt geworden, dass unter anderem die Spionagesoftware Finspy des Herstellers Finfisher von deutschen Behörden eingesetzt wird. In Italien verkauft das Unternehmen Hacking Team, das selbst gehackt wurde, entsprechende Software. Bekannt wurde außerdem der Fall einer ausgeklügelten Spionagesoftware mit dem Namen Pegasus für iOS, die von einer israelischen Firma vertrieben wurde. Die Firma Digitask hatte einen Trojaner geliefert, der vom Chaos Computer Club (CCC) enttarnt wurde.

Eigenes Programm für Online-Durchsuchung

Das BKA setzt allerdings nicht nur auf externe Anbieter, sondern entwickelt auch selbst eine Überwachungssoftware. Die sogenannte Remote Communication Interception Software (RCIS) ist, wie der Name schon sagt, nur zur Überwachung verschlüsselter Kommunikation in der Lage, der sogenannten Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ). Parallel entwickelt das BKA eine Software zur sogenannte Online-Durchsuchung. Die Software soll in der Lage sein, gespeicherte Daten auf einem Endgerät vollständig auszulesen.

Diese müsse nicht nur technischen, sondern vor allem den rechtlichen Anforderungen genügen, die das Bundesverfassungsgericht formuliert hat. Die Entwicklung sei noch im Gange, solle aber im kommende Jahr abgeschlossen sein. Die frühere Software zur Online-Durchsuchung genüge nicht mehr den rechtlichen Anforderungen.

Kritik an Informationspolitik

Nach Ansicht der Oppositionsparteien, mit Ausnahme der AfD, ist die Informationspolitik der Regierung nicht nachvollziehbar. "Man kann nicht einfach diese Fragen nicht beantworten. Sie haben gesagt, die müssen dann geheim sein, dafür haben wir die Geheimschutzstelle, das trägt nicht durch, was Sie hier argumentieren", sagte der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz. Staatssekretär Mayer sagte hingegen: "Ich habe dies schon oft genug erfahren müssen, dass da leider doch Dokumente oder Inhalte von Dokumenten aus der Geheimschutzstelle den Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben. Vor dem Hintergrund ist das kein lapidares Abtun eines Informations- und Fragerechts des Parlamentes, sondern es gibt aus meiner Sicht hier wirklich gut begründbare, handfeste Argumente."

Ebenfalls geheimhalten will das BKA die Zahl der Fälle, in denen aktuell ein Bundestrojaner eingesetzt wird. Das begründete Mayer mit dem Argument: "Weil man natürlich auch aus der Anzahl der laufenden Fälle möglicherweise Rückschlüsse ziehen könnte, um welche Fälle es sich handelt." Die Antwort des FDP-Abgeordneten Manuel Höferlin lautete lapidar wie überzeugend: "Das ist doch Unsinn."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (u. a. Train Sim World 2020 für 9,99€, Train Simulator 2021 für 12,75€, Fishing Sim World...
  2. 10,99€
  3. 29,99€
  4. (u. a. Persona 4 Golden: Deluxe Edition für 14,99€, Alien: Isolation - The Collection für 9...

derdiedas 17. Jul 2018

Ja es gibt auch andere aber Rhode und Schwarz war es wahrscheinlich auch die bei der...

derdiedas 17. Jul 2018

Die Firma die Imageschaden befürchtet ist Rhode und Schwarz, da die ja auch anständige...

Schnarchnase 16. Jul 2018

Eigentlich amüsiere ich mich nicht, das ist eher Resignation. Und warum sollte ich mich...

Eheran 16. Jul 2018

Wenn du Sport so für dich definierst, dann ist das so. Das werden viele/die meisten...

divStar 16. Jul 2018

Wenn du sie öffentlich erpresst - ja. Wenn du aber "Lobbyarbeit" leistest, erpresst du...


Folgen Sie uns
       


Watch Dogs Legion - Fazit

Mit Legion liefert Ubisoft das bisher mit Abstand beste Watch Dogs ab.

Watch Dogs Legion - Fazit Video aufrufen
Cyberpunk 2077: So wunderbar kaputt!
Cyberpunk 2077
So wunderbar kaputt!

Auch nach einem Monat mit Cyberpunk 2077 sind uns schlechte Grafik auf der PS4 oder die zahlreichen Bugs egal. Die toll inszenierte Dystopie macht uns nachdenklich und wird über Jahre unerreicht bleiben. Achtung, Spoiler!
Ein IMHO von Tobias Költzsch und Sebastian Grüner

  1. CD Projekt Red Crunch trifft auf Cyberpunk 2077
  2. Open Source Niemand hat die Absicht, Sicherheitslücken zu schließen
  3. Disney+ Disney muss seinen Katalog aufstocken

Biden und die IT-Konzerne: Die Zähmung der Widerspenstigen
Biden und die IT-Konzerne
Die Zähmung der Widerspenstigen

Bislang konnten sich IT-Konzerne wie Google und Facebook noch gegen eine schärfere Regulierung wehren. Das könnte sich unter Joe Biden ändern.
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. Quibi Mobile-Streaming-Dienst nach einem halben Jahr dicht

Data-Mining: Wertvolle Informationen aus Datenhaufen ziehen
Data-Mining
Wertvolle Informationen aus Datenhaufen ziehen

Betreiber von Onlineshops wollen wissen, was sich verkauft und was nicht. Mit Data-Mining lassen sich aus den gesammelten Daten über Kunden solche und andere nützliche Informationen ziehen. Es birgt aber auch Risiken.
Von Boris Mayer


      •  /