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Staatsanwaltschaft Zwickau: Server von Leakingportal DDoSecrets beschlagnahmt

Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat den Server eines Leaking-Portals beschlagnahmt. Dahinter könnte der Leak von US-Polizeidokumenten stehen.
/ Friedhelm Greis
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Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat einen Server (Symbolbild) von DDoSecrets beschlagnahmt. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat einen Server (Symbolbild) von DDoSecrets beschlagnahmt. Bild: Friedhelm Greis/Golem.de

Ein Server der Wikileaks-Alternative Distributed Denial of Secrets(öffnet im neuen Fenster) (DDoSecrets) ist von der Staatsanwaltschaft Zwickau konfisziert worden. Das berichtete die Journalistin und Aktivistin Emma Best, die als Sprecherin des Leakingportals fungiert, auf ihrem Twitter-Account(öffnet im neuen Fenster) . In einer von Best veröffentlichten E-Mail ihres Providers(öffnet im neuen Fenster) , vermutlich Hetzner, wird kein Grund für die Beschlagnahmung genannt. Die Staatsanwaltschaft Zwickau bestätigte inzwischen die Angaben.

Laut Best handelt es sich bei dem konfiszierten Server um den primären Download-Server. Die Website von DDoSecrets ist jedoch weiterhin zu erreichen, deren Twitter-Account(öffnet im neuen Fenster) ist allerdings gesperrt. Subdomains wie data.ddosecrets.com oder hunter.ddosecrets.com sind derzeit nicht erreichbar.

Best selbst vermutet, die Beschlagnahmung könnte mit der Veröffentlichung von Hunderttausenden von US-Polizeidokumenten zusammenhängen, was als "Blueleaks" bezeichnet wurde. Nach Angaben des Sicherheitsexperten Brians Krebs(öffnet im neuen Fenster) enthält der Leak Dokumente aus einem Zeitraum von 24 Jahren. Darin fänden sich zahlreiche personenbezogene Daten wie Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Bilder und PDF-Dateien sowie zahlreiche Text-, Video-, CSV- und Zip-Dateien. Das Material hat einen Umfang von 270 Gigabyte.

Laut der National Fusion Center Association (NFCA) stammen die Unterlagen möglicherweise aus einem Hack der in Texas ansässigen Webentwicklungsfirma Netsential. Sogenannte Fusion Center(öffnet im neuen Fenster) dienen in den USA dem Datenaustausch von Behörden. Die NFCA befürchtet, dass mit Hilfe des Leaks weitere Fusion Center angegriffen werden könnten.

Der Leak steht im Zusammenhang mit den Protesten nach der Tötung des schwarzen US-Bürgers George Floyd in Minneapolis. Ob das Material, wie möglicherweise beabsichtigt, Fehlverhalten von US-Polizeibehörden etwa im Umgang mit farbigen Bürgern aufdecken kann, ist unklar.

DDoSecrets hat auch Material aus Europa veröffentlicht, beispielsweise über geheime Treffen der Euro-Staaten innerhalb der EU. Zudem stellt das Portal auf Anfrage auch das Material zur Verfügung, das bei dem sogenannten Politiker-Hack um den Jahreswechsel 2018/19 von deutschen Politikern veröffentlicht worden war.

Nachtrag vom 8. Juli 2020, 18:38 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Zwickau teilte auf Medienanfragen mit(öffnet im neuen Fenster) , dass der Server im Rahmen eines US-amerikanischen Vorabsicherungsersuchens beschlagnahmt worden sei. Es handele sich um eine vorläufige Maßnahme im Rahmen der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen. Es werde nun geprüft, ob und in welchem Umfang die Beweismittel an die USA herausgegeben werden könnten.

Nachtrag vom 9. Juli 2020, 10:13 Uhr

In einer früheren Version des Artikels war das Dienstgebäude der Zweigstelle in Plauen abgebildet. Wir haben das Foto ausgetauscht.


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