Staatsanwaltschaft: Ex-Wirecard-Chef verhaftet

Wegen 2 Milliarden Euro vorgetäuschter Einnahmen wird nun die Staatsanwaltschaft gegen das Management des Dax-Unternehmens Wirecard aktiv.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Ex-Chef des Finanzdienstleisters Wirecard, Markus Braun
Ex-Chef des Finanzdienstleisters Wirecard, Markus Braun (Bild: Christof Stache/AFP via Getty Images)

Die Staatsanwaltschaft München I hat den zurückgetretenen Chef des Finanzdienstleisters Wirecard, Markus Braun, festgenommen. Wie die Staatsanwaltschaft am 23. Juni 2020 mitteilte, hat sich Braun nach Erlass eines Haftbefehls selbst gestellt. Ihm wird vorgeworfen, die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen von Wirecard durch vorgetäuschte Einnahmen aufgebläht zu haben, um so das Unternehmen finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver darzustellen.

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Gemeint sind Bankguthaben auf Treuhandkonten bei zwei philippinischen Banken in Höhe von mehr als 1,9 Milliarden Euro. Der Vorstand des Zahlungsdiensteabwicklers hat in der Nacht von Sonntag auf Montag in einer Ad-hoc-Mitteilung erklärt, dass diese Bankguthaben "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen".

Financial Times hatte bereits vor einem Jahr über Finanzmanipulation berichtet

Bei der Staatsanwaltschaft laufen Ermittlungsverfahren gegen drei weitere führende Wirecard-Manager. Im Zentrum des Bilanzskandals stehen der ehemalige Wirecard-Finanzchef in Südostasien und ein Treuhänder, der bis Ende 2019 für Wirecard aktiv war und das in großen Teilen wahrscheinlich gar nicht existente Geschäft mit den Drittpartnern betreute.

Ungeklärt ist, ob es Mitwisser beziehungsweise Mittäter in der Firmenzentrale im Münchner Vorort Aschheim gab. Vor allem ist ungeklärt, ob und inwieweit Braun oder andere Mitglieder des Vorstands über die Lage im Bilde oder möglicherweise sogar beteiligt waren. Das Unternehmen sieht sich als Opfer.

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Der Aufsichtsrat entließ am Montag den bereits suspendierten Vorstand Jan Marsalek "mit sofortiger Wirkung", der Anstellungsvertrag wurde außerordentlich gekündigt, wie Wirecard mitteilte. Marsalek war für das operative Tagesgeschäft einschließlich Südostasiens zuständig, wo die Affäre ihren Anfang nahm. Gründe nannte der Aufsichtsrat nicht.

Mit Fragen und scharfer Kritik sind die Finanzaufsicht Bafin und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY konfrontiert, die die Wirecard-Abschlüsse 2017 und 2018 testiert hatten. Bafin-Chef Felix Hufeld sprach von einem "kompletten Desaster" und gab sich selbstkritisch: "Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert", räumte der Behördenpräsident in Frankfurt ein. "Wir befinden uns mitten in der entsetzlichsten Situation, in der ich jemals einen Dax-Konzern gesehen habe." Wichtig sei nun rasche Aufklärung.

Über mögliche Bilanzmanipulationen bei Wirecard hatte schon vor über einem Jahr die britische Financial Times berichtet. Im Oktober wurde berichtet, dass ein beträchtlicher Teil der Wirecard-Umsätze mit Drittfirmen in Asien womöglich auf Scheingeschäften beruht. Der am Freitag zurückgetretene Braun hatte die Berichterstattung der Financial Times als haltlos zurückgewiesen und die Zeitung verklagt.

Wirecard bietet Bonitätsprüfung für Reisebuchungen und weitere Zahlungsdienstleitungen, darunter die App Boon auf Basis einer digitalen Prepaid-Mastercard mit Bezahlen über NFC-Technik. Mit der App Boon Planet ist auch die Führung eines Girokontos möglich. Für Onlineshops stellt Wirecard verschiedene Zahlungsarten bereit.

Nachtrag vom 23. Juni 2020, 16:38 Uhr

Braun wurde gegen eine Kaution von 5 Millionen Euro aus der Untersuchungshaft entlassen. Wie die Staatsanwaltschaft München mitteilte, hat dies das Amtsgericht München entschieden. Braun muss sich wöchentlich bei der Polizei melden.

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