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Staatsanwaltschaft ermittelt: Amazon-Mitarbeiter leblos auf Toilette entdeckt

Berichten zufolge hatte sich der verstorbene Amazon-Mitarbeiter zuvor vergeblich versucht krankzumelden.
/ Ingo Pakalski
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Ein Amazon-Mitarbeiter wurde im Logistikzentrum Erfurt leblos auf der Toilette gefunden. (Bild: Amazon)
Ein Amazon-Mitarbeiter wurde im Logistikzentrum Erfurt leblos auf der Toilette gefunden. Bild: Amazon

Nachdem ein 59 Jahre alter Mitarbeiter in Amazons Logistikzentrum in Erfurt-Stotternheim in der Frühschicht am 17. November 2025 leblos auf der Toilette aufgefunden wurde, ermittelt die örtliche Staatsanwaltschaft. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Erfurt(öffnet im neuen Fenster) bestätigte dem MDR(öffnet im neuen Fenster) , dass ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren anhängig sei.

Weitere Details zu dem Fall nannte die Staatsanwaltschaft bisher nicht. Noch bevor die Ermittlungen dazu abgeschlossen sind, ist sich Amazon sicher, dass es sich "nicht um einen Arbeitsunfall" handle.

Nach Schilderungen eines Amazon-Sprechers ist das Unternehmen tief bestürzt von dem Todesfall. Angehörigen seien Hilfsangebote unterbreitet worden, psychologisches Personal sei für die Mitarbeiter vor Ort im Einsatz.

Verstorbener Mitarbeiter wollte sich krankmelden

Die Gewerkschaft Verdi(öffnet im neuen Fenster) erhebt schwere Vorwürfe gegen Amazon und wiederholt Kritik an den Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren des Unternehmens. Der Gewerkschaft liegen Berichte aus dem Logistikzentrum vor, wonach der verstorbene Mitarbeiter vergeblich versucht habe, sich bei seinem Vorgesetzten krankzumelden.

Als Reaktion auf den Todesfall führte Verdi nach eigenen Angaben Aufklärungsaktionen zusammen mit den DGB-Projekten Faire Mobilität und Faire Integration vor dem Logistikzentrum durch. Dabei habe die Gewerkschaft erschütternde Schilderungen von den Arbeitsbedingungen bei Amazon in Erfurt erhalten.

Gewerkschaften kritisieren Arbeitsbedingungen bei Amazon

"Beschäftigte berichten uns von hohen Leistungsanforderungen, Urlaubssperren, fehlenden Lohn bei Krankmeldungen, ständigem Druck bei Unterschreitung willkürlicher Normen" , erklärt Matthias Adorf, Gewerkschaftssekretär bei Verdi für den Fachbereich Handel in Thüringen.

Viele der Beschäftigten "befinden sich zu großen Teilen in befristeten Arbeitsverhältnissen und berichten von Angst vor Arbeitsplatzverlust, wenn sie sich krankmelden oder zu langsam arbeiten" , fasst er die Situation zusammen. Nach Angaben der Gewerkschaft sind am Standort Erfurt mehrheitlich migrantische Beschäftigte tätig, die meisten davon aus Drittstaaten wie Syrien, Iran, Afghanistan oder afrikanischen Staaten.

Amazon widerspricht den Schilderungen der Gewerkschaft

Aus Sicht der Gewerkschaft treffen Arbeitshetze und Druck auf die Existenzängste der migrantischen Beschäftigten mit oft unsicheren Aufenthaltstiteln aufeinander. "Die Beschäftigten fürchten, dass mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes auch ihr Aufenthaltstitel auf dem Spiel stehen könnte. Amazon nutzt diese Situation ohne Skrupel und moralische Bedenken aus" , heißt es in einer Verdi-Mitteilung(öffnet im neuen Fenster) .

Verdi setzt darauf, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob "diese Arbeitsbedingungen zum vorliegenden Todesfall beigetragen haben" . "Wir wissen aber sicher, dass die Arbeitsbedingungen bei Amazon, die uns Beschäftigte schildern, krank machen. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon sind für viele, vor allem migrantische Beschäftigte ein toxisches Gemisch aus Angst, Druck und Sanktionen" , sagte Adorf.

"Wir fordern den Arbeitgeber auf, diese Praxis zu beenden" , fordert der Verdi-Sprecher von Amazon. Laut MDR-Bericht wirft ein Amazon-Sprecher der Gewerkschaft vor, "ein falsches Bild von den Umständen des Todesfalls zu zeichnen" .


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