Abo
  • Services:

Staatliche Überwachung: Die Regierung liest jeden Post

Bahrain ist ein Paradies für Hersteller staatlicher Überwachungssoftware. Die Regierung dort scheint alles zu kaufen, was der Überwachung dient und nutzt die gewonnenen Informationen auch für Folter. Wir haben mit der Journalistin Nazeeha Saeed über Überwachung, Folter und soziale Medien gesprochen.

Artikel von veröffentlicht am
Die Journalistin Nazeeha Saeed berichtet aus Bahrain - und wurde selbst Opfer von Polizeigewalt.
Die Journalistin Nazeeha Saeed berichtet aus Bahrain - und wurde selbst Opfer von Polizeigewalt. (Bild: Nazeeha Saeed)

Wir treffen uns in einem Berliner Café. Das Smartphone liegt auf dem Tisch, immer wieder werden zwischendurch die Nachrichten gecheckt. "Ich bin hier, doch meine Freunde und Bekannten sind in Bahrain - jederzeit können Nachrichten über Folter, willkürliche Verhaftungen oder Polizeigewalt reinkommen", sagt Nazeeha Saeed. Sie arbeitet in dem autoritär regierten Golfstaat als Journalistin, vor allem für internationale Medien. Wir sprechen über staatliche Überwachung, Folter und die unerwartet aktive Social-Media-Strategie der bahrainischen Regierung.

Inhalt:
  1. Staatliche Überwachung: Die Regierung liest jeden Post
  2. Ein Paradies für Hersteller von Überwachungstechnik

Nazeeha Saeed hat selbst erfahren, was es heißt, willkürlicher Polizeigewalt ausgesetzt zu sein. Im Jahr 2011 wurde sie am Rande einer Großdemonstration, über die sie berichtete, verhaftet. "Polizisten schlugen mir ins Gesicht, versetzten mir Elektroschocks und verbanden meine Augen", sagt sie. Noch heute könne sie die Erniedrigungen von damals spüren. Erst nach 13 Stunden kam sie wieder frei, nachdem sie ein Dokument unterzeichnet hatte. Was darin stand, weiß sie bis heute nicht: "Ich hatte Angst, ich wollte nur raus." Seitdem denkt sie über jeden Tweet mehrmals nach, bevor sie ihn abschickt - denn die Regierung liest permanent mit.

Die Regierung reagiert auf jeden Tweet

Saeed erzählt, wie sie im Alltag überwacht wird. Als eines Tages ein Polizeieinsatz an einer Schule stattfand, wollten Journalisten darüber berichten. Doch alle Zugänge wurden abgeriegelt, die Polizei setzte Tränengas ein, um Berichterstattung zu verhindern. Schließlich fanden verschiedene Journalisten doch einen Weg auf das Gelände - und twitterten darüber, dass sie bei ihrer Arbeit behindert würden. Innerhalb weniger Minuten antwortete das Bildungsministerium auf die Tweets - und dementierte, dass es überhaupt einen Vorfall gegeben habe. Kaum eine Regierung auf der Welt dürfte sich die Blöße geben, in dieser Form auf Veröffentlichungen einzelner Nutzer zu reagieren.

Jeder kann Berichterstatter sein. Aber was in Deutschland für den alltäglichen, verlässlichen Informationsfluss keine große Rolle spielt, ist in einem Land mit gelenkten Medien wichtig. Dabei können schon vermeintlich harmlose Tweets gefährlich werden. Immer wieder gebe es in den sozialen Medien Berichte über alltägliche Probleme, sagt Saeed. Wenn es etwa nach langen Dürreperioden im Wüstenstaat wieder regnet, kommt es regelmäßig zu Überflutungen. Straßen sind blockiert, Autos werden weggeschwemmt, oder es bilden sich spontan kleinere Seen. Doch wer darüber berichtet und kritisiert, dass die Regierung seit Jahren nichts tue, um die Infrastruktur zu verbessern, kann schon Probleme bekommen.

Jeder Facebook-Eintrag kann zur Gefahr werden

Stellenmarkt
  1. Rheinische Gesellschaft für Innere Mission und Hilfswerk GmbH, Leichlingen
  2. Verband der Mercedes-Benz Vertreter e.V., Berlin

In diesem Umfeld kann jeder Post in sozialen Netzwerken zur Gefahr werden: Willkürliche Straftatbestände wie Majestätsbeleidigung und die Diffamierung des Königreichs Bahrain führen dazu, dass die Regierung fast beliebig unbequeme Aktivisten einsperren kann. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht das Land daher auch auf Platz 163 von 180 Ländern.

"Fast jede sunnitische Familie in Bahrain hat ein Familienmitglied oder einen Verwandten, der im Gefängnis sitzt", sagt Saeed. Ihre Mutter sei bis heute an jedem einzelnen Tag wütend auf die Regierung, wegen der Verhaftung ihrer Tochter vor fünf Jahren. Das Land hat nur 1,2 Millionen Einwohner, doch nach Angaben von NGOs gibt es dort mehr als 500 politische Gefangene. Politisch neutral zu bleiben sei für die wenigsten möglich, sagt Saeed. "Es gibt nur wenige Menschen, die einfach versuchen, mit der Regierung klarzukommen."

Ein Paradies für Hersteller von Überwachungstechnik 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 34,99€

deadeye 15. Feb 2016

Da die Überschrift "Finanziert durch euren Spritverbrauch" lautet, gehe ich davon aus...

sofries 13. Feb 2016

Ja klar, es kommt oft vor, dass Facebooknutzer, die sich in sozialen Medien...

plutoniumsulfat 12. Feb 2016

Vor allem war sie nie demokratisch und hat auch ihre Einwohner nicht wirklich...

Niaxa 11. Feb 2016

So weit ich weis, ist aber Hass auch nicht verboten. Warum auch. Ich hasse es wenn es...

CraWler 11. Feb 2016

Wer helfen will das Nutzer weltweit zugriffs aufs Netz bekommen, frei von Zensur...


Folgen Sie uns
       


Logitechs MX Vertical und Ankers vertikale Maus im Vergleichstest

Die MX Vertical ist Logitechs erste vertikale Maus. Sie hat sechs Tasten und kann wahlweise über Blueooth, eine Logitech-eigene Drahtlostechnik oder Kabel verwendet werden. Die spezielle Bauform soll Schmerzen in der Hand, dem Handgelenk und den Armen verhindern. Wem es vor allem darum geht, eine vertikale Sechstastenmaus nutzen zu können, kann sich das deutlich günstigere Modell von Anker anschauen, das eine vergleichbare Bauform hat. Logitech verlangt für die MX Vertical 110 Euro, das Anker-Modell gibt es für um die 20 Euro.

Logitechs MX Vertical und Ankers vertikale Maus im Vergleichstest Video aufrufen
Red Dead Redemption 2 angespielt: Mit dem Trigger im Wilden Westen eintauchen
Red Dead Redemption 2 angespielt
Mit dem Trigger im Wilden Westen eintauchen

Überfälle und Schießereien, Pferde und Revolver - vor allem aber sehr viel Interaktion: Das Anspielen von Red Dead Redemption 2 hat uns erstaunlich tief in die Westernwelt versetzt. Aber auch bei Grafik und Sound konnte das nächste Programm von Rockstar Games schon Punkte sammeln.
Von Peter Steinlechner

  1. Red Dead Redemption 2 Von Bärten, Pferden und viel zu warmer Kleidung
  2. Rockstar Games Red Dead Online startet im November als Beta
  3. Rockstar Games Neuer Trailer zeigt Gameplay von Red Dead Redemption 2

iPhone Xs, Xs Max und Xr: Wer unterstützt die eSIM in den neuen iPhones?
iPhone Xs, Xs Max und Xr
Wer unterstützt die eSIM in den neuen iPhones?

Apples neue iPhones haben neben dem Nano-SIM-Slot eine eingebaute eSIM, womit der Konzern erstmals eine Dual-SIM-Lösung in seinen Smartphones realisiert. Die Auswahl an Netzanbietern, die eSIMs unterstützen, ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz aber eingeschränkt - ein Überblick.
Von Tobias Költzsch

  1. Apple Das iPhone Xr macht's billiger und bunter
  2. Apple iPhone Xs und iPhone Xs Max sind bierdicht
  3. Apple iPhones sollen Stiftunterstützung erhalten

Segelflug: Die Höhenflieger
Segelflug
Die Höhenflieger

In einem Experimental-Segelflugzeug von Airbus wollen Flugenthusiasten auf gigantischen Luftwirbeln am Rande der Antarktis fast 30 Kilometer hoch aufsteigen - ganz ohne Motor. An Bord sind Messinstrumente, die neue und unverfälschte Daten für die Klimaforschung liefern.
Ein Bericht von Daniel Hautmann

  1. Luftfahrt Nasa testet leise Überschallflüge
  2. Low-Boom Flight Demonstrator Lockheed baut leises Überschallflugzeug
  3. Elektroflieger Norwegen will elektrisch fliegen

    •  /