Spyra Three und Spyra LX im Test: Wasserpistolen auf Steroiden

Was passiert, wenn wir das Konzept einer Wasserpistole nehmen und diese zu einem Spielzeug für Erwachsene umfunktionieren? Das hat sich wohl das Team von Spyra gedacht. Das Münchener Start-up entwickelt seit einigen Jahren besonders schlagkräftige Wasserpistolen. Die Spyra Three(öffnet im neuen Fenster) schießt Wasserstrahlen weit und vor allem mit immenser Kraft. Ist das eine gute Idee oder ein klassischer Fall von typisch deutschem Overengineering? Wir haben die Spyra Three und die etwas konventionellere Spyra LX getestet - schließlich können Nerds einem solchen Spielzeug schwer widerstehen.
Wir können nur sagen: Schon als Kinder hätten wir uns Wasserpistolen wie die Spyra Three gewünscht. Sie ist durch das an die Halo Assault Rifle oder das M41A-Pulsgewehr aus Aliens erinnernde Munitionsdisplay einfach nur enorm cool. Außenstehende fragen sich direkt: Wie übertrieben kann eine Wasserpistole sein? Die Spyra Three treibt das Konzept definitiv auf die Spitze.
Dabei funktioniert sie zunächst wie eine gewöhnliche Wasserpistole: Wir stecken die Front des Gewehrs in Wasser und pumpen so Flüssigkeit in den integrierten Tank. Anschließend können wir durch Betätigen des Abzugs konzentrierte Wasserstrahlen auf ahnungslose Sommerurlauber losschleudern. Dabei wird kein kontinuierlicher Wasserstrahl abgefeuert, wie es bei vielen anderen Wasserspritzpistolen der Fall ist. Stattdessen verschießt die Spyra Three konzentrierte kurze Wasserstöße. Ja richtig: Wir spielen mit Projektilen aus Wasser.
Elektrische Pumpe und Luftdruck
Das Konzept dahinter ist faszinierend: In der Wasserpistole sind eine elektrische Pumpe, eine Blase aus Gummi und ein pneumatischer Zylinder verbaut. Stellen wir die Spyra in den Pumpmodus - dabei wird der Abzug einfach in Schussrichtung nach vorn eingedrückt -, dann aktiviert sich die akkubetriebene Pumpe. Die leitet Wasser aus einem Eimer oder einer anderen Wasserquelle mit genug Flüssigkeit heraus und drückt sie in die Gummiblase.

Während des Pumpprozesses erweitert sich die Blase und erstreckt sich im Innern des Gadgets vom Abzug bis in die Schulterstütze hinein. Entsprechend viel Wasser passt also in das integrierte Magazin. Dabei wird eine kleine Menge Wasser stets in der Kammer vor der Blase gehalten. Dieses bildet dann das Wasserprojektil.
Betätigen wir den Abzug, lösen wir damit den pneumatischen Zylinder aus, der mittels hohem Federdruck Luft in die Projektilkammer pustet. Diese schießt dann zusammen mit dem Wasser vorn aus dem Lauf heraus. Die Spyra Three ist dabei nicht gerade zurückhaltend, wenn Flüssigkeit mit 2,4 Bar (34,8 psi) herausgeschossen wird.
Am besten für ältere Kinder
Wir sollten daher aufpassen: Die Wasserstrahlen können jüngeren Mitspielern wehtun, wenn wir sie aus nächster Nähe in das Gesicht schießen. Nicht umsonst gibt Spyra eine Altersempfehlung von 14 Jahren und älter an. Ist die Wasserpistole mit Wasser geladen, wiegt sie zudem mehr als 3 kg. Gerade jüngere Kinder dürften hier schnell überfordert sein.
















Das bedeutet nicht, dass sie mit dem Gadget nicht auch ihren Spaß haben können. Am besten sind Erwachsene aber direkt beim Spiel dabei, um bei Problemen zu helfen und eine Aufsichtsrolle zu übernehmen. Vor allem ist wichtig, dass wir die Spyra Three nicht vollständig unter Wasser tauchen. Dann kann der Spaß schneller vorbei sein.
Halten wir uns an die Anweisungen, ist er dafür umso größer.
Mit Mikrocontroller und Akku zum Wasserschlachtsieger
Die Spyra Three lässt sich in der Praxis ein wenig mit dem zwischenzeitlich verbotenen Super Soaker CPS 2000 aus den 90er Jahren vergleichen. Das liegt nicht an der Funktionsweise, schließlich schießt der CPS 2000 nach manuellem Pumpen einen konstanten starken Strahl, bis der Tank leer ist. Mitspieler, die eines von beiden Modellen verwenden, sind gegenüber anderen aber enorm im Vorteil.
Das Gute an der Spyra Three: Sie verschießt Wasser in kontrollierbaren und präzisen Stößen und lädt deshalb zu einer taktischeren Spielweise ein. Kontrahenten werden zwar nicht ganz so schnell nass, dafür müssen wir auch nicht so oft zum Wassertank zurückrennen, während uns die anderen Mitspieler für unseren unfairen Vorteil mit ihren Wasserblastern bestrafen.
Insgesamt passen etwa 20 Schuss in die Wasserblase der Spyra Three hinein. Die verschießen wir in drei verschiedenen Feuermodi. League und Burst lehnen sich an Airsoft-Markierer oder echte Feuerwaffen an, indem semiautomatisch (League) ein Schuss pro Betätigung des Abzugs oder im Burst-Modus eine Drei-Schuss-Salve abgefeuert wird.
Powershots mit mehr Wasser
Den ersten Modus verwendete Spyra bereits beim Vorgänger Spyra Two. Dabei kann auch ein aufgeladener Schuss (Powershot) losgelassen werden. Dazu drücken wir den Auslöser für einige Sekunden lang durch. Die integrierte Pumpe lädt mehr Wasser in den Lauf und verschießt dann einen besonders kraftvollen Wasserstrahl. Dadurch werden unsere Kontrahenten noch schneller nass.
















Der Nachteil: Zuvor gibt die Wasserpistole noch einen normalen Schuss ab. Wir können den aufgeladenen Strahl also nicht jederzeit ohne zusätzlichen Wasserverbrauch nutzen. Cool wäre es doch, wenn der League-Modus ausschließlich für aufgeladene Schüsse gedacht wäre. Denn wir können diesen zwar auch semiautomatisch nutzen. Allerdings kommt die Pumpe nach zu schneller Schussfolge nicht hinterher.
Das gilt übrigens auch für die Drei-Schuss-Salve. Auf den ersten Blick wirkt es cool, in schneller Folge drei Schüsse abzufeuern. Aber auch hier müssen wir ab und zu eine Pause einlegen, wenn der Motor wieder hörbar anspringt.
Beim ebenfalls neuen offenen Modus hatten wir keine Probleme. Den Wassertank können wir in Sekundenschnelle und ohne Pausen leerschießen. Deshalb gefällt uns diese Einstellung am besten.
Mikrocontroller und 1-Zoll-Display
Gesteuert wird die Elektronik von einem Mikrocontroller mit einem integrierten, 1 Zoll (2,54 cm) großen Monochrom-Display, das sich über der Schulterstütze befindet und so immer abgelesen werden kann. Das Display zeigt diverse Informationen wie etwa den Akkustand und den aktuellen Wasserstand des Tanks an. Die Prozentanzeige zählt nach jedem Schuss um etwa fünf bis sechs Prozent herunter. Insgesamt können wir also 20- bis 25-mal schießen. Der Powershot benötigt dabei mindestens 20 Prozent Reserve im Tank.
















Die Kombination aus Mikrocontroller und Display erinnert uns wie eingangs erwähnt an Videospiele und Filme wie Halo und Aliens. Der Coolnessfaktor ist für uns als Gadget-Nerds daher besonders hoch. Keine Elektronik funktioniert allerdings ohne Energiequelle. Bei der Spyra Three ist deshalb in der Schulterstütze ein separater Akku eingebaut. Der wird mittels USB-C-Ladekabel aufgeladen und hält für etwa 20 bis 30 volle Wassertanks. Das dürfte für einen langen Sommertag im Strandbad locker reichen.
Der USB-Ladeport befindet sich neben dem Power-Schalter an der unteren Seite des Griffstückes. Er ist mit einer Gummiabdeckung geschützt, so dass Wasser nicht so leicht in den empfindlichen Ladeport eindringen kann.
Elektronik + Wasser = bedenklich
Generell haben wir aber einige Bedenken bezüglich der Wasserresistenz. Zwar sind der Mikrocontroller und der Akku in einem mittels Gummidichtungen abgesicherten separaten Kunststoffgehäuse verbaut. Allerdings bietet die Außenschale selbst gar keinen Schutz vor Wasser von außen. Das ist auch so gewollt, damit auslaufende Flüssigkeit ihren Weg hinaus findet.
















Spyra beschreibt die Spyra Three mit einer Metapher: "Die Spyra-Blaster sind wie ein Joghurtbecher. Dies bedeutet, dass deine Spyra mit Wasser volllaufen und sich zur Titanic gesellen kann. Dies kann unter anderem auch die Lebensdauer der Spyra beeinträchtigen, daher raten wir davon ab, die Spyra-Blaster vollständig unter Wasser zu tauchen." Wenn der Hersteller schon davon abrät, dann sollten wir dieses Szenario lieber nicht nachspielen - vor allem nicht mit einem Gadget für 170 Euro.
Der Youtuber Lorddraconical konnte die Wasserpistole allerdings auch im Wasser verwenden(öffnet im neuen Fenster) . Die Frage für uns stellt sich nur: Wie lange hält das Produkt durch? Je nachdem, wie oft wir sie untertauchen, kann das mehr oder weniger lang sein.
Für wirklich nasse Wasserschlachten gibt es deshalb auch eine Alternative: die Spyra LX.
Wie gut schießen die Spyra Three und Spyra LX?
Spyra bietet für weniger Geld - 80 statt 170 Euro - auch ein völlig manuell nutzbares System an. Die Spyra LX verzichtet komplett auf Elektronik und wird ausschließlich per Muskelkraft bedient. Der Coolnessfaktor ist hier deshalb nicht ganz so hoch. Und trotzdem schafft es der Hersteller, eine ähnliche Funktionsweise mechanisch umzusetzen.
Wie bei der Spyra Three füllt sich dabei eine Wasserblase mit Flüssigkeit. Allerdings pumpen wir diese händisch voll, indem wir die Schulterstütze ein- und ausziehen. Nach etwa 10 bis 15 Sekunden Pumpen ist das Wasserreservoir voll und es kann direkt losgehen. Wie bei der elektronischen Version verschießen wir hier ebenfalls mit einem Druck auf den Auslöser konzentrierte Wasserstöße.
Wir merken hier bereits: Der Auslöser lässt sich nicht ganz so einfach durchdrücken, da wir dadurch auch die Feder des Luftdruckzylinders spannen. Die Spyra LX eignet sich wegen des Kraftaufwands deshalb eher weniger für kleinere Kinder.
Weniger kraftvoll, ähnlicher Spaß
Wie bei der Spyra Three können wir etwa 20 bis 25 Schuss abgeben, bevor wir den Tank erneut manuell auffüllen müssen. Die Wasserprojektile sind dabei nicht ganz so stark und teilen sich nach etwa fünf Metern in kleinere Projektile und schließlich Wassernebel auf.
















Bei guten Windbedingungen schießt die Spyra Three deshalb auch etwas weiter. Wir konnten Zielscheiben und andere Mitstreiter auf etwa acht bis neun Meter Entfernung treffen. Die Spyra LX schafft knapp sechs bis acht Meter. Das reicht aus, um mit anderen Wasserpistolen auf dem Markt mithalten zu können und trotzdem noch einen Vorteil durch präzise Wasserstöße zu haben.
Der wichtigste Faktor für uns ist aber, dass die Spyra LX auf Elektronik verzichtet und so auch besonders grob behandelt werden kann. Sie muss nicht geladen werden und kann auch auf einen sicheren Tauchgang gehen. Sie eignet sich deshalb besser für den Urlaub am Strand und auf dem See. Die Spyra Three spielt ihre Stärken dafür auf der Wiese und im Park aus.
Partikelfilter gegen Fremdkörper im Wasser
Beide Wasserpistolen sollten laut Hersteller nicht mit schmutzigem Wasser gefüllt werden. Die integrierten Partikelfilter funktionieren allerdings gut. Das konnten wir etwa mit Wasser aus einem Binnensee ausprobieren. Leitungswasser aus dem Hahn funktioniert sowieso gut, solange noch genug Flüssigkeit im Eimer vorhanden ist.
















Uns ist es das ein oder andere Mal passiert, dass die Spyra LX nach dem Befüllen stark auslief. Das ist wohl ein bekanntes Problem bei einigen Exemplaren der Serie. Spyra-Kunden konnten ihr Produkt in diesem Fall aber beim Kundenservice gegen ein anderes eintauschen. Zudem hatte unser Testmuster der Spyra Three das Problem nicht.
Aber genug der Worte. Wo können wir die beiden Geräte überhaupt bestellen?
Spyra Three und Spyra LX - Verfügbarkeit und Fazit
Der Hersteller bietet die Spyra Three, die Spyra LX und die ältere Spyra Two im eigenen Onlineshop an. Interessant: Auch bei Amazon und anderen Onlinehändlern sind die Wasserpistolen erhältlich. Der Preis bleibt dabei annähernd gleich: Die Spyra Three kostet 170 Euro. Im Doppelpack sind es 320 Euro. Kunden sparen also 20 Euro ein.
Die Spyra LX liegt derweil bei 80 Euro. Auch hier gibt es ein Zweierpack für 150 Euro, also mit einem Rabatt von 10 Euro. Spyra bietet zudem noch immer den Vorgänger Spyra Two für 140 Euro an. Im Doppelpack für 260 Euro werden wieder 20 Euro gespart.
Fazit
Die Spyra-Wasserpistolen sind ein interessantes Beispiel für typisch deutsches Overengineering. Ist eine Wasserpistole mit Controller und digitalem Munitionszähler übertrieben? Definitiv. Macht sie dafür umso mehr Spaß? Mit Sicherheit!
Da die Spyra Three und Spyra LX Wasser in kompakten Stößen versprühen, spielen sie sich zudem taktischer und genauer. Wir können präzise zielen und unsere Kontrahenten auch auf etwa acht Meter noch direkt treffen. Mit einer Tankfüllung für mindestens 20 Schuss müssen wir zudem nicht so oft zum Wassereimer laufen.
















Der integrierte Mikrocontroller der Spyra Three gibt der Wasserpistole zudem den Coolnessfaktor, der Nerds wie uns direkt anspricht. Noch dazu werden drei Feuermodi unterstützt: League, Burst und Open. Wir haben also die Wahl zwischen Drei-Schuss-Salven, semiautomatischem Feuer und aufgeladenen Powershots. Meist haben wir aber nur den Open-Modus für eine möglichst schnelle Feuerrate verwendet.
Die Spyra Three registriert zudem unsere verbliebene Tankfüllung und gibt diese in Prozent an. Nicht einmal selbst pumpen müssen wir. Das übernimmt eine elektrische Pumpe in der Nase des Gadgets. Der Akku der Wasserpistole wird mittels USB-C-Ladekabel an der unteren Seite des Griffstücks geladen.
















Die Spyra LX stellt die manuelle Version ohne Elektronik dar. Sie ist also nicht ganz so cool und etwas weniger leistungsstark, aber in einigen Situationen die bessere Wahl. Denn zwar verträgt die Spyra Three auch mal intensiveren Kontakt mit Wasser. Allerdings empfiehlt auch der Hersteller, sie nicht vollständig eintauchen zu lassen. Der mechanischen Spyra LX ist das egal. Bei Wasserschlachten im Schlauchboot würden wir also eher zum günstigeren Modell greifen.
Unabhängig vom Modell: Das Konzept der Spyra-Pistolen als übertriebene Wasserpistolen für Erwachsene ist für uns einfach faszinierend. Ob der Wasserspaß wirklich 80 bis 170 Euro wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Allerdings gibt es derzeit kaum eine bessere Wasserpistole. Dafür bezahlen wir gern etwas mehr.



