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Sportsensoren: Heiße Sohlen und bessere Boxer

Schritte zählen kann inzwischen fast jede Fitnessuhr und jedes Smartphone – aber die nächste Generation der Sportsensoren steht schon in den Startlöchern. Golem.de hat sich angeschaut, was das unter anderem Boxern und Skifahrern künftig bringen könnte.
/ Peter Steinlechner
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Zum Kite-Surfen kommt Piq Robot in eine wasserdichte Hülle. (Bild: Piq)
Zum Kite-Surfen kommt Piq Robot in eine wasserdichte Hülle. Bild: Piq

Sohlen für Sportschuhe: Es gibt vermutlich nicht wenige Produkte auf der Welt, die noch weniger sexy sind. Trotzdem gibt es auf der Sportmesse Ispo in München in Halle B4 mehrere Aussteller, die genau das als neue Innovation präsentieren. Allerdings geht es dabei um die Hightech-Variante der guten, alten Müffelfläche. Zu sehen sind Neuheiten wie Laufschuhe mit integrierten Sensoren, die etwa der US-Hersteller Altra ab Frühsommer 2017 anbieten möchte.

Piq Robot – Teaser (Everlast)
Piq Robot – Teaser (Everlast) (00:36)

Startups wie Kinematix(öffnet im neuen Fenster) wiederum bieten sensorbestückte Innensohlen zum Einlegen an, die in alle Schuhe unter die schon vorhandene Sohle gelegt werden können. Besonders praktisch im Winter könnte übrigens die Warm-Series-Sohle des Herstellers Digitsole(öffnet im neuen Fenster) sein, die neben Sensoren auch eine "Fußbodenheizung" integriert hat.

Allen Hightech-Sohlen gemein: Sie sollen Joggern wesentlich genauere Informationen zum Bewegungsablauf oder zur Auftrittsfläche bieten, als es etwa Sportuhren können. Die Daten werden bei den meisten Modellen per Bluetooth LE an eine App zur Auswertung geschickt.

Neben solchen hochspezialisierten, im Grunde fast nur für ambitionierte Läufer geeigneten Sensoren gab es auf der Ispo aber noch einen anderen Trend zu beobachten. Unternehmen wie das aus Frankreich stammende Startup Piq(öffnet im neuen Fenster) entwickeln neuartige Sensormodule, die für den Einsatz bei vielen Sportarten gedacht sind.

Piq hat auf der Messe seine Piq Robot genannten Sensoren vorgestellt. Die haben ungefähr die Größe einer sehr großen Geldmünze. Das Hightech-Innenleben ist in der Lage, Bewegungen auf 13 Achsen zu messen und so knapp 200.000 Datenpunkte pro Minute zu erfassen, wie ein Firmenvertreter im Gespräch mit Golem.de sagte. Das ist rund doppelt so viel wie das, was die meist vom deutschen Unternehmen Bosch zugelieferten Sensoren etwa in einer aktuellen Smartwatch oder in Smartphones schaffen.

Piq vermarktet seine Sensoren zusammen mit bekannten spezialisierten Sportartikelherstellern. Im Tennisbereich ist es Babolat, bei Golf Mobitee, beim Kite-Surfing North, beim Skifahren Rossignol und beim Boxen das Unternehmen Everlast; weitere Kooperationen sollen folgen. Im Grunde kommt dabei immer der gleiche Sensor zum Einsatz; allerdings könnte es künftig wohl gewisse Anpassungen geben, etwa mit einem derzeit noch nicht verbauten GPS-Modul.

Große Sprünge und lange Läufe

Die Sensoren von Piq werden je nach Sportart unterschiedlich angebracht. Skifahrer können sie mit einer Schnalle an ihrem Skischuh befestigen, ab 2018 soll es aber auch Skier mit integriertem Piq Robot und einem Display von Rossignol geben – auf der Ispo war bereits ein Prototyp ausgestellt. Mit den Datenerfassungssystemen soll es sehr viel mehr und präzisere Daten zu den Geschwindigkeiten, zu Sprüngen und Flugphasen geben als bislang.

Garmin Fenix 5 – Hands-on (CES 2017)
Garmin Fenix 5 – Hands-on (CES 2017) (01:36)

Wer sich für die fünfte momentan unterstützte Sportart Boxen interessiert, befestigt die Sensoren mit einer Schnalle an seinen Boxhandschuhen. Um viel mehr muss sich der Sportler dann erst einmal nicht kümmern: Die Sensoren erkennen selbstständig, an welcher Hand sie jeweils befestigt sind – allein das überfordert übrigens die meisten aktuell eingesetzten Sensoren.

Nach dem Training kann der Sportler dann per App umfangreiche Daten über die Schlagkraft und -frequenz abrufen und sich von dem System eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen machen lassen. Außerdem errechnet die App von Piq eine Punktzahl, über die man sich wie bei Onlinespielen in Ranglisten eintragen und gegen Kumpels in aller Welt antreten kann.

Für die anderen Sportarten funktioniert das ähnlich. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich das Ökosystem von Piq – das derzeit noch ganz am Anfang steht – im Laufe der Zeit entwickelt und welche weiteren Partner und somit Sportarten dazukommen.

Ein anderes, wegen des modularen Ansatzes vergleichbares System – das allerdings nicht auf der Ispo zu sehen war – stammt aus dem Dunstkreis des Sport- und Taucheruhrenherstellers Suunto. Dessen Projekt Movesense(öffnet im neuen Fenster) setzt auf ähnlich große Sensoren wie Piq Robot, die ebenfalls mehr oder weniger überall befestigt werden können sollen. Movesense soll eine offene Universallösung werden, die Softwareentwickler aller Art zur Erfassung der Daten verwenden können.

Bei den großen Herstellern kommt der Trend zu mehr und präziseren Sensoren nur langsam an. Immerhin: Garmin hat angekündigt, dass in seiner für April 2017 geplanten Fenix 5 anders als in den Vorgängern ein Gyroskop verbaut ist. Das ermöglicht generell eine genauere Datenerfassung, mit der sich unter anderem Akku sparen lässt: Im sogenannten Ultra-Trek-Modus wird etwa die Anzahl der energiehungrigen GPS-Messungen reduziert; der Sportler bekommt nach Abschluss seiner Tour trotzdem relativ präzise Routendaten angezeigt.


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