Spitzenglättung: Die Pläne zur Zwangsabschaltung von Wallboxen gehen zu weit

Die Netzbetreiber wollen in großem Umfang in die Anschlüsse der Verbraucher eingreifen. Das macht die Elektromobilität unnötig teuer und kompliziert.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Das Laden von Elektroautos soll stärker von der Netzbelastung abhängig gemacht werden.
Das Laden von Elektroautos soll stärker von der Netzbelastung abhängig gemacht werden. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Es kommt eher selten vor, dass ein Gesetzentwurf von einem Ministerium wieder komplett zurückgezogen und vom Minister persönlich als untauglich erklärt wird. Was in der vergangenen Woche mit dem Vorschlag für ein Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz (SteuVerG) passierte, war aber nicht unberechtigt. Zwar stellen die Energie- und Verkehrswende die Stromnetzbetreiber vor große Herausforderungen. Doch die Interessen anderer Akteure, wie Elektroautobesitzer oder Stromlieferanten, blieben in dem Gesetzentwurf praktisch unberücksichtigt. Wie sollte daher ein überarbeiteter Entwurf aussehen, denn eine solche "Zwangsabschaltung" von großen Verbrauchern kann durchaus sinnvoll sein.

Inhalt:
  1. Spitzenglättung: Die Pläne zur Zwangsabschaltung von Wallboxen gehen zu weit
  2. Stromlieferanten sind "schockiert"
  3. Energiewirtschaft ist sauer

Der Hintergrund: Vor gut dreieinhalb Jahren haben die Stromnetzbetreiber erklärt, wie sie mit Hilfe von "Digitalisierung" und "Flexibilisierung" einen zusätzlichen Ausbau der Verteilnetze möglichst vermeiden wollen. Anstatt dickere Stromleitungen zu verlegen und mehr regelbare Transformatoren zu installieren, wollen die Verteilnetzbetreiber Verbrauch, Erzeugung und Speicherung von elektrischer Energie digital erfassen und flexibel steuern. Es ist daher kein Zufall, dass die Bundesregierung nur solche Wallboxen finanziell fördert, die eine "netzdienliche Abschaltung" ermöglichen.

Das ganz große Lastmanagement

Das heißt: Was Elektroautobesitzer mit einem Lastmanagement im Kleinen in ihrer Tiefgarage machen, möchten die Netzbetreiber im Großen in ihren Verteilnetzen umsetzen. Wollen zu viele Elektroautos gleichzeitig laden, könnten die Netzbetreiber die Wallboxen zur "Spitzenglättung" teilweise oder komplett vom Netz trennen. So heißt es in dem Entwurf: "Der Netzbetreiber, an dessen Netz die steuerbare Verbrauchseinrichtung angeschlossen ist, ist berechtigt, zur Vermeidung von Netzüberlastungen bezüglich der vereinbarten bedingten Anschlussleistung vorübergehend eine maximale Entnahmeleistung vorzugeben (Spitzenglättung). Die Zeit der Spitzenglättung darf pro Kalendertag kumuliert höchstens 120 Minuten betragen."

Elektromobilität: Theorie und Praxis zur Ladeinfrastruktur (de-Fachwissen)

Volkswirtschaftlich gesehen erscheint das sinnvoll. Warum sollten die Stromnetze überall stark ausgebaut werden, wenn der maximale Bedarf nun in kurzen Spitzenzeiten abgerufen wird? Denn am Ende müssten die Verbraucher diesen Ausbau mit höheren Netzentgelten zahlen.

Kunden können selbst entscheiden

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Doch die Nachteile für die Energie- und Verkehrswende liegen auf der Hand: Wenn nachts viel Wind weht und die Stromlieferanten ihren Kunden günstige Energie liefern wollen, könnte dies an fehlenden Netzkapazitäten scheitern. Elektroautobesitzer wiederum könnten schlechter einschätzen, ob ihr Auto am nächsten Morgen tatsächlich mit vollem Akku zur Verfügung steht. Zudem müsste künftig jeder Ladepunkt mit mehr als 3,7 Kilowatt (kW) Leistung mit einem vernetzten Smart Meter Gateway angeschlossen werden.

Für den Entwurf der Regierung spricht, dass die Kunden selbst entscheiden können, wie groß der Anteil der abschaltbaren Last an ihrem Anschluss sein soll. Dabei unterscheidet das Gesetz zwischen "bedingter" und "unbedingter" Anschlussleistung. Demnach wird beim Anschluss der steuerbaren Einrichtung festgelegt, "welcher Teil der am Netzanschluss vorzuhaltenden Entnahmeleistung durch den Netzbetreiber [...] vorübergehend begrenzt werden darf (bedingte Anschlussleistung) und welcher Teil jederzeit ohne netzseitige Begrenzungen zur Verfügung stehen soll (unbedingte Anschlussleistung)".

Der Vorteil: Die "bedingte" Leistung soll für die Verbraucher deutlich günstiger werden. Wer keine Einschränkungen hinnehmen möchte, muss sich aber "im Gegenzug an hierdurch verursachten Mehrkosten beteiligen", heißt es in dem Entwurf.

Doch den Stromlieferanten gefallen die Pläne überhaupt nicht.

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Stromlieferanten sind "schockiert" 
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wernerderchamp1 27. Jan 2021

Man kann sich damit ja einfach ja richtig schön vom Netzausbau drücken. Wenn dann mal 10...

JanKal 25. Jan 2021

Ich finde das alle Bestrebungen der Netzbetreiber an der Realität der Menschen vorbei...

Lingworm82 22. Jan 2021

Wenn alle gleichzeitig laden wollen, wird halt das Netz überlastet. Und dagegen muss man...



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