Spionagevorwurf: Huawei wollte Kundenproblem mit Reverse Engineering lösen
Bei dem Vorwurf der Industriespionage gegen Huawei in München ist die Sachlage offenbar anders als der Bericht in Welt am Sonntag nahelegt . Das erfuhr Golem.de aus Branchenkreisen, denen interne Kommunikation zu dem Fall vorliegt. Hintergrund für das geplante Reverse Engineering von einer Cisco-Technologie war demnach ein Interoperabilitätsproblem bei einem Netzbetreiberkunden des Ausrüsters Huawei.
Der Vorfall soll sich im März 2019 im Münchner Forschungszentrum von Huawei ereignet haben. Laut den Informationen von Welt am Sonntag geht aus einem Schriftverkehr hervor, dass ein Ingenieursteam von Huawei von einem Vorgesetzten beauftragt wurde, eine wichtige Software des Konkurrenten Cisco auszuforschen. Huawei habe die Cisco-Software auf diesem Wege nachbauen wollen, berichtete die Zeitung.
Laut den Informationen, die Golem.de vorliegen, wurde im Sinne des Kunden eine schnelle Lösung mit Reverse Engineering angedacht. Das ist in der Branche üblich und nicht automatisch mit strafbarer Industriespionage gleichzusetzen. In der EU-Direktive 2009/24/EC(öffnet im neuen Fenster) ist geregelt, unter welchen Umständen Reverse Engineering legal ist. Dabei wird Interoperabilität als ein Grund genannt. Wie solches Vorgehen dann im Einzelfall legal erfolgen kann, muss jedoch jeweils sehr genau geklärt werden.
Nachdem einer der Huawei-Entwickler eine Klärung durch die Rechtsabteilung des Unternehmens forderte, wurde entschieden, dass die Aufgabe nicht durchgeführt wird, solange keine Freigabe der Rechtsabteilung vorliegt. Tatsächlich kam es dann weder zu einer Prüfung durch die Rechtsabteilung noch zu einem Reverse Engineering, belegen die internen Dokumente.
Es gibt weder von dem Huawei-Entwickler noch von Cicso bisher eine Klage gegen den chinesischen Konzern. Bei einer Auseinandersetzung mit Cisco im Jahr 2003(öffnet im neuen Fenster) wurde Huawei vorgeworfen, Teile einer Router-Software von Cisco kopiert zu haben. Huawei und Cisco hatten die Klage im Juli 2004 mit einem Vergleich beigelegt, dessen Inhalt jedoch bis heute geheim ist.
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