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Spionagesoftware Pegasus: Macrons Telefon als mögliches Spähziel von NSO-Kunden

Auch Frankreichs Staatspräsident Macron könnte ein Ziel der Spionagesoftware Pegasus gewesen sein. NSO rätselt weiter über die Herkunft der Liste.
/ Friedhelm Greis , dpa
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Frankreichs Präsident Macron könnte ebenfalls ausspioniert worden sein. (Bild: Ludovic/Pool/Abacapress.com/Reuters)
Frankreichs Präsident Macron könnte ebenfalls ausspioniert worden sein. Bild: Ludovic/Pool/Abacapress.com/Reuters

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, sein früherer Premierminister und 14 Minister sind nach Medieninformationen 2019 mögliche Ziele der Überwachungssoftware Pegasus gewesen. So stehe eine von Macrons Mobilfunknummern auf einer Liste eines marokkanischen Sicherheitsdienstes für eine mögliche Ausspähung. Das berichtete die Tageszeitung Le Monde (Paywall)(öffnet im neuen Fenster) am Dienstagabend auf ihrer Internetseite.

Aus Kreisen von Macrons Amtssitz hieß es, die Medieninformationen bedeuteten nicht, dass Macrons Handy tatsächlich ausgespäht worden sei. Falls sich allerdings die berichteten Sachverhalte bewahrheiten sollten, seien "sie natürlich sehr schwerwiegend" . Nach den Enthüllungen sei eine Aufklärung nötig.

Macron nutze die betroffene Nummer seit 2017, schrieb Le Monde. Er sei auch in den vergangenen Tagen darüber erreichbar gewesen. Französischer Premierminister war damals Édouard Philippe.

50.000 Telefonnummern als mögliche Spähziele

Die Nummern der französischen Staatsspitze gehören zu einem Datensatz mit mehr als 50.000 Telefonnummern , die ein internationales Journalistenkonsortium gemeinsam mit den Organisationen Forbidden Stories und Amnesty International auswertete. Die Nummern sollen den Berichten zufolge offenbar von Kunden des israelischen Softwareanbieters NSO als potenzielle Ausspähziele ausgewählt worden sein. NSO hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und einzelne Details aus den Berichten bestritten. An dem Journalistenkonsortium sind auch die Süddeutsche Zeitung, NDR, WDR und die Zeit beteiligt.

Frankreichs Regierungssprecher Gabriel Attal hatte am Montag nach ersten Enthüllungen von einem "äußerst schockierenden Sachverhalt" gesprochen. "Wir hängen sehr an der Pressefreiheit" , sagte er im Sender Franceinfo. Nach einem früheren Bericht von Le Monde fanden sich auf der Liste auch rund 30 Journalisten und Chefs von Medienunternehmen in Frankreich. Nach einer Anzeige von zwei Journalisten und der Verlagsgesellschaft der Online-Plattform Mediapart nahm die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf.

Mediapart berichtete, die Mobiltelefone von zwei Journalisten seien im Zeitraum 2019 bis 2020 von der Pegasus-Software ins Visier genommen worden – dahinter stünden marokkanische Geheimdienste, lautete der Vorwurf.

NSO-Gründer weist Vorwürfe zurück

NSO-Gründer Shalev Hulio wies in einem ausführlichen Interview mit dem israelischen Medium Calcalist(öffnet im neuen Fenster) die Vorwürfe erneut zurück. Nach seiner Darstellung ist es weiter völlig unklar, woher die Liste mit den Telefonnummern stammt. Zudem korrespondiere die Zahl von 50.000 Nummern nicht mit der Zahl der NSO-Kunden und deren Spähzielen.

"Pegasus hat 45 Kunden, mit rund 100 Zielen pro Kunden jährlich" , sagte Hulio. Zudem enthalte die Liste Telefonnummern aus Ländern, die nicht zu den Kunden von NSO zählten. NSO verfüge über keine Liste aller Pegasus-Ziele, weil das Unternehmen nicht in Echtzeit wisse, wie die Kunden Pegasus einsetzten.

Hulio wies Behauptungen zurück, wonach beispielsweise die Frau des ermordeten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi mit Pegasus ausgespäht worden sei: "Wir haben das überprüft, und sie gehörte nicht zu den Zielen." Die Überprüfungen liefen schon seit längerem, da NSO schon vor einem Monat darüber informiert worden sei, dass eine Liste mit Telefonnummern kursiere.

Der NSO-Chef schließt jedoch nicht aus, dass frühere Kunden beispielsweise Journalisten ausgespäht hätten. Die Firmenpolitik untersage das erst seit 2020, die Daten stammten jedoch aus den Jahren 2017 und 2018. Seitdem seien fünf Systeme abgeschaltet worden. Derzeit schließe NSO die Zusammenarbeit mit 90 Staaten weltweit prinzipiell aus.


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