Spionagegefahr: Verfassungsschutz warnt vor E-Autos aus China

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Das Handelsblatt berichtet(öffnet im neuen Fenster) über Warnungen des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) vor Sicherheitsrisiken bei chinesischen E-Autos.
Die Behörde erklärte: "Prinzipiell ist es möglich, dass Angreifer unerlaubten Zugriff auf die Internetschnittstelle von Fahrzeugen erlangen und so Informationen erbeuten." Betroffen sein könnten Fahrdaten, Telemetrie und "möglicherweise auch Aufzeichnungen aus dem Innenraum" . In der Folge "könnte somit sogar die Kontrolle über das Fahrzeug erlangt werden" .
Die Warnung ist nicht neu. Schon 2015 demonstrierten Sicherheitsforscher beim Jeep Cherokee Hack(öffnet im neuen Fenster) die vollständige Fernsteuerung eines Fahrzeugs über das Mobilfunknetz – einschließlich Motor, Getriebe und Bremsen. Das FBI warnte 2016 offiziell vor zunehmend verwundbaren vernetzten Fahrzeugen. Chrysler musste damals 1,4 Millionen Fahrzeuge zurückrufen.
Auch Tesla blieb nicht verschont. Bei der Hacker-Konferenz Pwn2Own 2023 wurde ein Model 3(öffnet im neuen Fenster) in unter zwei Minuten gehackt. Tencent-Forscher demonstrierten 2016 einen Remote-CAN-Bus-Hack. Ein Reuters-Bericht enthüllte 2023, dass Tesla-Mitarbeiter intern Videoaufnahmen aus Fahrzeugkameras geteilt hatten – Aufnahmen von Unfällen, aber auch von privaten Garagen und nackten Personen.
Was sagt das chinesische Gesetz? – Kooperationspflicht ist real
Die Aussage, dass chinesische Unternehmen zur Kooperation mit dem Staat verpflichtet sind, ist rechtlich korrekt. Artikel 7 des chinesischen Nationalen Geheimdienstgesetzes(öffnet im neuen Fenster) (2017) lautet: "Alle Organisationen und Bürger sollen die nationalen Geheimdienstaktivitäten im Einklang mit dem Gesetz unterstützen, fördern und mit ihnen kooperieren."
Der US Supreme Court bestätigte im Januar 2025 im Tiktok-Urteil, dass chinesische Gesetze "China in die Lage versetzen, von Unternehmen die Herausgabe von Daten zu verlangen" . Praktisch sei es für chinesische Unternehmen nahezu unmöglich, einer ernsthaften Anfrage der Sicherheitsbehörden zu widerstehen – mangels unabhängiger Justiz, so Rechtsexperten wie Jeremy Daum(öffnet im neuen Fenster) von der Yale Law School.
Das BfV weist auf die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und staatlichen Strukturen in China hin. Tatsächlich stehen chinesische Unternehmen unter massivem Einfluss der Kommunistischen Partei. Sie sind per Gesetz angehalten, mit dem Staat zusammenzuarbeiten, wenn es erforderlich ist.
Doch hier kommt die entscheidende Einschränkung: Das BfV betont gleichzeitig, dass "keine konkreten Erkenntnisse zu chinesischer Spionage durch Technik" vorliegen, die in chinesischen E-Autos verbaut ist. Die Warnungen beziehen sich auf theoretische Möglichkeiten, nicht auf dokumentierte Fälle.
Busse können ferngestoppt werden
Der im Handelsblatt-Artikel erwähnte Fall mit chinesischen Elektrobussen in Skandinavien ist dokumentiert. Im November 2025 testete der Osloer Transportbetreiber Ruter Yutong-Busse in einer Mine(öffnet im neuen Fenster) . Das Ergebnis: Der chinesische Hersteller hat über Mobilfunknetze direkten digitalen Zugriff auf das Steuerungssystem für Akkus und Stromversorgung jedes einzelnen Busses.
Die Busse können theoretisch vom Hersteller aus der Ferne gestoppt werden. Als Reaktion entfernte Ruter die SIM-Karten und entwickelt Firewalls. In Dänemark betreibt Movia 469 chinesische Elektrobusse, 262 davon von Yutong. Eine Untersuchung zu Cybersicherheitsrisiken wurde eingeleitet. 68 Prozent der Kopenhagener Stadtbusse stammen aus chinesischer Produktion.
Yutong erklärte, Daten würden verschlüsselt auf Amazon Web Services in Frankfurt gespeichert und der Zugriff erfolge "nur mit Kundenautorisation" . Die norwegischen Behörden bleiben skeptisch. Der Fall zeigt: Die theoretischen Risiken sind technisch real – unabhängig davon, ob sie missbraucht werden.