Schwachstellen-Meldungen beim BSI
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) registrierte zwischen Februar 2024 und März 2025 107 Schwachstellen-Meldungen im Automobilbereich(öffnet im neuen Fenster) , von denen 18 über das Internet ausnutzbar waren. BSI-Vizepräsident Thomas Caspers warnt: "Die digitalen Angriffsflächen im Automobilsektor wachsen rasant."
Sind nur chinesische Autos betroffen? – Alle sammeln Daten
Die Sicherheitsrisiken sind nicht China-spezifisch. Alle modernen vernetzten Fahrzeuge sammeln umfangreiche Daten. Der Upstream Automotive Cybersecurity Report 2025(öffnet im neuen Fenster) identifizierte über 100 Ransomware-Angriffe auf die Automobilindustrie im Jahr 2024. 92 Prozent der Angriffe erfolgten aus der Ferne. Telematik-Server waren mit 66 Prozent der häufigste Angriffsvektor.
Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, betont: "Die Spionagegefahr durch chinesische Elektroautos ist real." Seine Risikoeinschätzung: "hoch" für Bundeswehr, Polizei und kritische Infrastrukturen, "mittel bis hoch" für Unternehmen mit sensibler Forschung und Entwicklung. Doch Kramer weist auch darauf hin, dass alle Elektroautos – auch US-amerikanische wie Tesla – grundsätzlich Spionagerisiken bergen. Tesla ist in China auf Militärgeländen verboten.
Nutzungseinschränkungen für sensible Bereiche?
Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Schätzl, sagte dem Handelsblatt, der steigende Marktanteil chinesischer Hersteller werfe "neue sicherheitsrelevante Fragen" auf. Besonders sensibel seien nicht nur persönliche Daten der Autofahrer, sondern auch Sensor- und Umfelddaten der Fahrzeuge.
Schätzl fordert, sicherheitsrelevante Bereiche wie Polizei und Bundeswehr besonders zu schützen. Denkbar seien Nutzungseinschränkungen für einzelne Standorte oder Personengruppen. Bei "gravierenden, bestätigten Vorfällen" könne am Ende sogar ein Zulassungsstopp für bestimmte Hersteller oder Modelle nötig werden.
Die SPD-Verkehrsexpertin Isabel Cademartori sagte dem Handelsblatt, Europa müsse stärker in technologische Souveränität investieren und bei der Fahrzeugbeschaffung verstärkt auf heimische Anbieter setzen – aus Sicherheitsgründen und zur Stärkung des Industriestandorts Deutschland.
Die Marktdaten geben Anlass zur Sorge – zumindest aus protektionistischer Sicht. BYD steigerte die Verkäufe in Deutschland 2025 um 700 Prozent auf über 23.000 Fahrzeuge. Der Marktanteil chinesischer Marken in Europa liegt bei rund sieben Prozent (Gesamtmarkt) und 11 bis 13 Prozent bei reinen Elektroautos.