Abo
  • Services:

Spionage oder Imageaufwertung?: Deutsche Behörden nennen es Social Media Intelligence

Nutzerdaten bei Facebook und Twitter auszuwerten, wird als Social Media Intelligence bezeichnet. Deutsche Behörden kennen den Begriff - legen ihn aber unterschiedlich aus.

Artikel von Stephan Humer veröffentlicht am
Geheimdienste wollen auch die Nutzerdaten von Facebook auswerten.
Geheimdienste wollen auch die Nutzerdaten von Facebook auswerten. (Bild: Dan Kitwood/Getty Images)

Du bist nicht der Kunde, du bist das Produkt: Nutzer von sozialen Netzwerken wie Facebook geben ihre Daten an den Netzwerkanbieter weiter. Der wertet die Informationen aus und verdient damit sein Geld - indem er gezielt Werbung verkauft. Doch nicht nur die Betreiber der sozialen Netzwerke wollen die Informationen der Nutzer auswerten, sondern - spätestens seit der NSA-Affäre wurde das deutlich - auch Geheimdienste und Polizeibehörden. Das nennt sich Social Media Intelligence (SOCMINT) und ist auch bei deutschen Behörden bekannt. Die nutzen den Begriff aber auf unterschiedliche Weise.

Aber doch nicht zum Spionieren!

Inhalt:
  1. Spionage oder Imageaufwertung?: Deutsche Behörden nennen es Social Media Intelligence
  2. Vom guten Ruf bis zum Antiterrorkampf
  3. Was noch kommen könnte

Hinter Social Media Intelligence steht die zielgerichtete Analyse von Daten und Strukturen sozialer Netzwerke mit bestimmten inhaltlichen Absichten. Einer breiten Öffentlichkeit dürfte der Begriff durch Aussagen des ehemaligen Chefs des britischen Nachrichtendiensts GCHQ Sir David Omand bekanntgeworden sein: Omand forderte im April 2012 Spionagemöglichkeiten unter anderem für die Analyse von Twitter sowie Facebook und nannte dies Social Media Intelligence.

In Deutschland ist die Bedeutung des Wortes nicht eindeutig geklärt. Social Media Intelligence beschreibt hierzulande meist eine wirtschaftsorientierte Strategie- oder Reputationsanalyse statt Geheimdiensttätigkeiten. Man betreibe beileibe keine Spionage, betonen hochrangige Vertreter der Szene im deutschsprachigen Raum. Nachrichtendienstliche Bezüge sind ganz klar verpönt, es geht um wirtschaftliches Handeln - und das, so der Sinn der Abgrenzung vom Staat und von Geheimdiensten, auf transparente, rechtlich klare und kaufmännisch faire Art, ohne Gesetzes- und Moralverstoß.

Dieselben Tools, andere Ziele?

Doch ganz so einfach ist die Abgrenzung von anrüchiger Spitzelei und sauberem Wettbewerb in der Praxis natürlich nicht. Denn erstens nutzen Wirtschaft und Behörden oftmals dieselben SOCMINT-Tools: Es macht technisch schließlich keinen Unterschied, ob man herausfinden will, wer ein Produkt gut findet oder wem eine demokratiefeindliche Demonstration gefällt. Die Grenzen sind hier dank der zahllosen digitalen Analysemöglichkeiten fließend.

Stellenmarkt
  1. Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG, Neckarsulm
  2. Lidl Digital, Leingarten

Zweitens hat der Begriff eine bestimmte Tradition. Der wohl bedeutendste Verband im Bereich Competitive Intelligence, die Non-Profit-Organisation Strategic and Competitive Intelligence Professionals (SCIP), wurde im Jahre 1986 im Großraum Washington von etlichen US-Geheimdienstlern mitgegründet. Man mag den Verantwortlichen der SCIP sowie anderen Praktikern im Bereich der Competitive Intelligence glauben können, dass sie ethisch faire und rechtlich saubere Methoden propagieren. Doch dass eine traditionelle Nähe zu geheimdienstlicher Tätigkeit besteht, lässt sich nicht leugnen.

Diese Gemengelage, so ist sich CI-Profi Rainer Michaeli sicher, schafft entsprechende Probleme in der öffentlichen Wahrnehmung. Denn Wirtschaftsspionage und -kriminalität lassen sich besonders im Zusammenhang mit Geheimdiensten "gut journalistisch aufbereiten". Das wissen neben CI-Experten freilich auch die nicht nachrichtendienstlich tätigen Behörden, sprich: die Polizeien des Bundes und der Länder. Deshalb versuchen sie oft sehr deutlich, einen Bezug zu nachrichtendienstlichen Tätigkeiten zu vermeiden.

In der Praxis bedeutet das: Auch die Polizei möchte natürlich wissen, was um sie herum im Netz passiert - doch das geht nur im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrages und ihrer sozialen Stellung innerhalb der Gesellschaft. Dazu passen allzu geheimes Verhalten oder gar offen zugegebene Spionage naturgemäß nicht. Doch wie gehen die deutschen Behörden mit Social Media Intelligence um?

Vom guten Ruf bis zum Antiterrorkampf 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. mit Gutschein: SUPERDEALS (u. a. HP Windows Mixed Reality Headset VR1000-100nn für 295,20€ statt...
  2. mit den Gutscheinen: DELL10 (für XPS13/XPS15) und DELL100 (für G3/G5)
  3. mit Gutschein: ASUSZONE (u. a. VivoBook 15.6" FHD mit i3-5005U/8 GB/128 GB für 270,74€ statt...
  4. (u. a. Canon EOS 200D mit Objektiv 18-55 mm für 477€)

HKeiner 27. Jan 2015

Das Problem ist doch gar nicht was die Behörden jemanden persönlich getan haben. Das...

Lemo 26. Jan 2015

So geschieht es aber nicht, dafür hocken dann Analysten bei der NSA. Oder glaubst du die...

Onsdag 26. Jan 2015

Aber klingt ja vermeintlich besser wenn man Begriffe verwendet welche nur von einem...

Applelobbyist 26. Jan 2015

Die Ermittlungsbehörden sollten wissen, dass wirklich dicke Fische kein Facebook Konto...


Folgen Sie uns
       


Windows 10 on Snapdragon - Test

Wir schauen uns Windows 10 on ARM auf zwei Snapdragon-Notebooks an.

Windows 10 on Snapdragon - Test Video aufrufen
Automatisiertes Fahren: Der schwierige Weg in den selbstfahrenden Stau
Automatisiertes Fahren
Der schwierige Weg in den selbstfahrenden Stau

Der Staupilot im neuen Audi A8 soll der erste Schritt auf dem Weg zum hochautomatisierten Fahren sein. Doch die Verhandlungen darüber, was solche Autos können müssen, sind sehr kompliziert. Und die Tests stellen Audi vor große Herausforderungen.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Nach tödlichem Unfall Uber entlässt 100 Testfahrer für autonome Autos
  2. Autonomes Fahren Daimler und Bosch testen fahrerlose Flotte im Silicon Valley
  3. Kooperationen vereinbart Deutschland setzt beim Auto der Zukunft auf China

Razer Huntsman im Test: Rattern mit Infrarot
Razer Huntsman im Test
Rattern mit Infrarot

Razers neue Gaming-Tastatur heißt Huntsman, eine klare Andeutung, für welchen Einsatzzweck sie sich eignen soll. Die neuen optomechanischen Switches reagieren schnell und leichtgängig - der Geräuschpegel dürfte für viele Nutzer aber gewöhnungsbedürftig sein.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Huntsman Razer präsentiert Tastatur mit opto-mechanischen Switches
  2. Razer Abyssus Essential Symmetrische Gaming-Maus für Einsteiger
  3. Razer Nommo Chroma im Test Blinkt viel, klingt weniger

Indiegames-Rundschau: Schiffbruch, Anime und viel Brummbrumm
Indiegames-Rundschau
Schiffbruch, Anime und viel Brummbrumm

Gas geben, den weißen Hai besiegen und endlich die eine verlorene Socke wiederfinden: Die sommerlichen Indiegames bieten für jeden etwas - besonders fürs Spielen zu zweit.
Von Rainer Sigl

  1. Indiegames-Rundschau Schwerelose Action statt höllischer Qualen
  2. Indiegames-Rundschau Kampfkrieger und Abenteuer in 1001 Nacht
  3. Indiegames-Rundschau Mutige Mäuse und tapfere Trabbis

    •  /