Spionage: China baut Abhörfunktion in den Sitz der Afrikanischen Union

Als die Afrikanische Union (AU) im Jahr 2012 ihr neues Hauptquartier in Äthiopiens Hauptstadt Addis-Abeba eröffnete, wurde das als Pekings Erfolg in Afrika gefeiert. Das rund 200 Millionen US-Dollar teure Gebäude, inklusive schlüsselfertiger IT-Infrastruktur, war von der chinesischen Regierung bezahlt und der staatseigenen China State Construction Engineering Corporation gebaut worden - als "Chinas Geschenk an Afrika" .
Einem Medienbericht zufolge handelte es sich bei diesem Geschenk aber um eine Art Trojanisches Pferd. Wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet(öffnet im neuen Fenster) , fanden IT-Experten der AU Anfang 2017 heraus, dass die von den Chinesen gelieferten Server seit 2012 jede Nacht große Mengen interner Daten auf unbekannte Server in Schanghai kopierten.
China dementiert
China weist die Vorwürfe zurück. Die Behauptungen seien "absurd" und "unverständlich" , sagte der chinesische Botschafter bei der AU, Kuang Weilin, laut BBC(öffnet im neuen Fenster) . "Ich stelle wirklich die Ziele der Zeitung in Frage. Ich glaube, sie will Leuten eine sehr negative Botschaft senden." Das AU-Hauptquartier sei ein "Zeugnis" der guten Beziehungen Chinas zum afrikanischen Kontinent.
Le Monde beruft sich in ihrem Bericht auf mehrere anonyme Quellen innerhalb der AU, denen zufolge dem IT-Team der internationalen Organisation ungewöhnlich hohe Spitzen bei den Datentransfers aufgefallen waren. Diese seien immer nachts aufgetreten, wenn kaum Mitarbeiter im Gebäude seien.
Jahrelanger systematischer Datenklau
China hätte auf diese Weise über fünf Jahre hinweg sämtliche Daten der AU ausspionieren können. Zudem baute China die IT-Systeme offenbar nicht nur, sondern wartete sie auch. "Nachdem wir den Angriff entdeckt haben, haben wir uns bei den anwesenden chinesischen Technikern freundlich bedankt und sie verabschiedet, ohne einen Skandal daraus zu machen" , zitiert Le Monde einen hochrangigen Mitarbeiter der AU, der anonym bleiben wollte. "Dann haben wir einige Maßnahmen ergriffen, um unsere Cybersicherheit zu verbessern. Wir sind aber noch immer sehr angreifbar."
Inzwischen seien die Server ausgetauscht und eigene Systeme installiert worden. Ein weiteres Angebot Chinas, die neuen Server in Betrieb zu nehmen, habe die AU abgelehnt. Stattdessen seien vier Spezialisten aus dem Mitgliedsland Algerien sowie aus Äthiopien beauftragt worden, das Gebäude nach Wanzen zu durchforsten. Dabei seien Mikrofone in den Wänden und unter Bürotischen entdeckt worden. Eine umfangreiche Säuberung des Komplexes mit einer Gesamtfläche von fast 51.000 Quadratmetern, Dutzenden Konferenzräumen und weiterer sensibler Elektronik wie Mikrofonen, Audioanlagen und Überwachungskameras ist jedoch aufwendig. Vor allem da das jährliche IT-Budget der Organisation offenbar lediglich zehn Millionen US-Dollar beträgt.
Wer soll lieber zuhören?
Die Chinesen sollen zudem nicht die Einzigen sein, die die AU und ihre Politiker ausspionieren. Wie aus Dokumenten des NSA-Whistleblowers Edward Snowden hervorgehe, hätten sowohl die NSA als auch der britische Geheimdienst GCHQ Telefone und E-Mails hochrangiger AU-Funktionäre angezapft, berichtet Le Monde weiter. Ein afrikanischer Diplomat ziehe dann doch China vor. "Dass die Chinesen uns abhören, ist kein Problem" , wird er zitiert. "Die haben uns zumindest nie kolonisiert, haben die Unabhängigkeitskämpfe in Afrika unterstützt und helfen uns heute wirtschaftlich."



