Abo
  • Services:

Spionage: China baut Abhörfunktion in den Sitz der Afrikanischen Union

Das Hauptquartier der Afrikanischen Union und dessen Computersysteme sind von China gebaut und bezahlt worden. Einem Pressebericht zufolge soll Peking den Zugang zur Technik genutzt haben, um den Afrikanern jahrelang interne Daten zu stehlen. China nennt den Vorwurf absurd.

Artikel veröffentlicht am ,
China spionierte angeblich Hauptsitz der Afrikanischen Union aus.
China spionierte angeblich Hauptsitz der Afrikanischen Union aus. (Bild: Wikipedia/Joshua Doubek/CC-BY-SA 3.0)

Als die Afrikanische Union (AU) im Jahr 2012 ihr neues Hauptquartier in Äthiopiens Hauptstadt Addis-Abeba eröffnete, wurde das als Pekings Erfolg in Afrika gefeiert. Das rund 200 Millionen US-Dollar teure Gebäude, inklusive schlüsselfertiger IT-Infrastruktur, war von der chinesischen Regierung bezahlt und der staatseigenen China State Construction Engineering Corporation gebaut worden - als "Chinas Geschenk an Afrika".

Stellenmarkt
  1. Eurowings Aviation GmbH, Köln
  2. mobilcom-debitel GmbH, Büdelsdorf

Einem Medienbericht zufolge handelte es sich bei diesem Geschenk aber um eine Art Trojanisches Pferd. Wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet, fanden IT-Experten der AU Anfang 2017 heraus, dass die von den Chinesen gelieferten Server seit 2012 jede Nacht große Mengen interner Daten auf unbekannte Server in Schanghai kopierten.

China dementiert

China weist die Vorwürfe zurück. Die Behauptungen seien "absurd" und "unverständlich", sagte der chinesische Botschafter bei der AU, Kuang Weilin, laut BBC. "Ich stelle wirklich die Ziele der Zeitung in Frage. Ich glaube, sie will Leuten eine sehr negative Botschaft senden." Das AU-Hauptquartier sei ein "Zeugnis" der guten Beziehungen Chinas zum afrikanischen Kontinent.

Le Monde beruft sich in ihrem Bericht auf mehrere anonyme Quellen innerhalb der AU, denen zufolge dem IT-Team der internationalen Organisation ungewöhnlich hohe Spitzen bei den Datentransfers aufgefallen waren. Diese seien immer nachts aufgetreten, wenn kaum Mitarbeiter im Gebäude seien.

Jahrelanger systematischer Datenklau

China hätte auf diese Weise über fünf Jahre hinweg sämtliche Daten der AU ausspionieren können. Zudem baute China die IT-Systeme offenbar nicht nur, sondern wartete sie auch. "Nachdem wir den Angriff entdeckt haben, haben wir uns bei den anwesenden chinesischen Technikern freundlich bedankt und sie verabschiedet, ohne einen Skandal daraus zu machen", zitiert Le Monde einen hochrangigen Mitarbeiter der AU, der anonym bleiben wollte. "Dann haben wir einige Maßnahmen ergriffen, um unsere Cybersicherheit zu verbessern. Wir sind aber noch immer sehr angreifbar."

Inzwischen seien die Server ausgetauscht und eigene Systeme installiert worden. Ein weiteres Angebot Chinas, die neuen Server in Betrieb zu nehmen, habe die AU abgelehnt. Stattdessen seien vier Spezialisten aus dem Mitgliedsland Algerien sowie aus Äthiopien beauftragt worden, das Gebäude nach Wanzen zu durchforsten. Dabei seien Mikrofone in den Wänden und unter Bürotischen entdeckt worden. Eine umfangreiche Säuberung des Komplexes mit einer Gesamtfläche von fast 51.000 Quadratmetern, Dutzenden Konferenzräumen und weiterer sensibler Elektronik wie Mikrofonen, Audioanlagen und Überwachungskameras ist jedoch aufwendig. Vor allem da das jährliche IT-Budget der Organisation offenbar lediglich zehn Millionen US-Dollar beträgt.

Wer soll lieber zuhören?

Die Chinesen sollen zudem nicht die Einzigen sein, die die AU und ihre Politiker ausspionieren. Wie aus Dokumenten des NSA-Whistleblowers Edward Snowden hervorgehe, hätten sowohl die NSA als auch der britische Geheimdienst GCHQ Telefone und E-Mails hochrangiger AU-Funktionäre angezapft, berichtet Le Monde weiter. Ein afrikanischer Diplomat ziehe dann doch China vor. "Dass die Chinesen uns abhören, ist kein Problem", wird er zitiert. "Die haben uns zumindest nie kolonisiert, haben die Unabhängigkeitskämpfe in Afrika unterstützt und helfen uns heute wirtschaftlich."



Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. 3 Blu-rays für 15€, 2 Neuheiten für 15€)
  2. (u. a. ES Blu-ray 10,83€, Die nackte Kanone Blu-ray-Box-Set 14,99€)
  3. 5€ inkl. FSK-18-Versand
  4. 5€ inkl. FSK-18-Versand

Neuro-Chef 03. Feb 2018

Ist das nicht Japan?

Der Held vom... 31. Jan 2018

Botschaften etc. wurden im Laufe der Geschichte elektronischer Überwachung immer wieder...

plutoniumsulfat 31. Jan 2018

Und im Gegensatz zur Urheberrechtsdiskussion ist es hier auch egal.

magnum 30. Jan 2018

Naja, dann gibts auch einen auf die Mütze. Siehe kurdische Selbstverwaltung oder einige...

cnMeier 30. Jan 2018

Es gibt immer einen Weg, auch mit angeblich guter Verschlüsselung. Gerade die letzten...


Folgen Sie uns
       


Bose Sleepbuds - Test

Stille Nacht? Die Bose Sleepbuds begegnen nächtlichen Störgeräuschen mit einem Klangteppich, wir haben sie ausprobiert.

Bose Sleepbuds - Test Video aufrufen
Padrone angesehen: Eine Mausalternative, die funktioniert
Padrone angesehen
Eine Mausalternative, die funktioniert

CES 2019 Ein Ring soll die Computermaus ersetzen: Am Zeigefinger getragen macht Padrone jede Oberfläche zum Touchpad. Der Prototyp fühlt sich bei der Bedienung überraschend gut an.
Von Tobias Költzsch

  1. Videostreaming Plex will Filme und Serien kostenlos und im Abo anbieten
  2. People Mover Rollende Kisten ohne Fahrer
  3. Solar Cow angesehen Elektrische Kuh gibt Strom statt Milch

WLAN-Tracking und Datenschutz: Ist das Tracken von Nutzern übers Smartphone legal?
WLAN-Tracking und Datenschutz
Ist das Tracken von Nutzern übers Smartphone legal?

Unternehmen tracken das Verhalten von Nutzern nicht nur beim Surfen im Internet, sondern per WLAN auch im echten Leben: im Supermarkt, im Hotel - und selbst auf der Straße. Ob sie das dürfen, ist juristisch mehr als fraglich.
Eine Analyse von Harald Büring

  1. Gefahr für Werbenetzwerke Wie legal ist das Tracking von Online-Nutzern?
  2. Landtagswahlen in Bayern und Hessen Tracker im Wahl-O-Mat der bpb-Medienpartner
  3. Tracking Facebook wechselt zu First-Party-Cookie

IT-Jobs: Ein Jahr als Freelancer
IT-Jobs
Ein Jahr als Freelancer

Sicher träumen nicht wenige festangestellte Entwickler, Programmierer und andere ITler davon, sich selbstständig zu machen. Unser Autor hat vor einem Jahr den Schritt ins Vollzeit-Freelancertum gewagt und bilanziert: Vieles an der Selbstständigkeit ist gut, aber nicht alles. Und: Die Freiheit des Freelancers ist relativ.
Ein Erfahrungsbericht von Marvin Engel

  1. Job-Porträt Die Cobol Cowboys auf wichtiger Mission
  2. IT Frauen, die programmieren und Bier trinken
  3. Software-Entwickler CDU will Online-Weiterbildung à la Netflix

    •  /