Spionage: Aufrüstung im Cyberspace

Zur Abwehr von Internetangriffen arbeiten europäische und US-amerikanische Dienste eng zusammen. Dass der Schutz nicht immer ausreicht, zeigen erfolgreiche Attacken auf das Verteidigungsministerium.

Artikel veröffentlicht am , Christiane Schulzki-Haddouti
Ziel von Internetangriffen: das Bundesverteidigungsministerium
Ziel von Internetangriffen: das Bundesverteidigungsministerium (Bild: BMVg)

Chinesische Hacker haben im vergangenen Jahr das Computernetz des Bundesverteidigungsministeriums angegriffen. Dabei wurde die Schadsoftware sowohl über mobile Datenträger als auch über das Internet eingebracht, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion hervorgeht. Die Regierung ging den Angriffen nach und stellte fest, dass es sich um "nachrichtendienstlich gesteuerte, zielgerichtete Angriffe mit chinesischem Bezug" gehandelt habe.

Inhalt:
  1. Spionage: Aufrüstung im Cyberspace
  2. Umfassendes Konzept der kritischen Infrastrukturen

Während die Bundesregierung China als Angreifer auf staatliche Einrichtungen benennt, agiert sie bei Lauschaktivitäten von Partnerstaaten viel zurückhaltender. Bereits im Sommer hatten Medien darüber berichtet, dass in Wiesbaden-Erbenheim ein IT-Kontrollzentrum des amerikanischen Nachrichtendienstes NSA entstehen soll. Sogar der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Gerhard Schindler, hatte im Innenausschuss des Bundestags den Bau des neuen Abhörzentrums bestätigt. Doch offiziell will die Bundesregierung davon nichts wissen: In der aktuellen Antwort schreibt sie, dass die US-Streitkräfte keine Aussagen über die Nutzer von Bauprojekten treffen müssten. Der Verfassungsschutz werde die Frage im Kontakt mit den US-Nachrichtendiensten klären.

Enge Kooperation der Geheimdienste

Grund für die Zurückhaltung ist wohl die enge Zusammenarbeit deutscher und amerikanischer Behörden beim Abhören ausländischer Kommunikationsverbindungen, aber auch bei der gemeinsamen Abwehr von Cyberangriffen. Dabei werden für Übungen Szenarien entwickelt, bei denen es um terroristische Anschläge aus dem Cyberspace geht. Vor allem der mutmaßlich von US-Geheimdiensten entwickelte Stuxnet-Computerwurm dient dabei als Warnung. Der Wurm, der technische Prozesse in iranischen Urananreicherungsanlagen störte, zeigte erstmals, wie sensible industrielle Steuerungsprozesse manipuliert werden können.

Europäische und amerikanische Behörden und Einrichtungen trainieren regelmäßig, wie auf einen Anschlag zu regieren ist. Schon länger werden in informellen Zusammenkünften wie der "Arbeitsgruppe zum Thema Cybersicherheit und Cyberkriminalität" oder dem "EU-/US-Senior-Officials-Treffen" entsprechende Übungen geplant. An den Übungen beteiligen sich sowohl zivile als auch militärische Einrichtungen - und rüsten dabei die eigenen Fähigkeiten kontinuierlich auf. Stuxnet ist dabei immer wieder Thema: Auf der Planbesprechung "Cyber Atlantic 2011" befasste man sich mit Ausfällen bei Prozesssteuerungssystemen sowie "fortschrittlichen Bedrohungen".

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Umfassendes Konzept der kritischen Infrastrukturen 
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