Spielestreaming: "Stationäre Hardware bietet vorerst das beste Spielerlebnis"

Google hat gerade Stadia vorgestellt, aber auch Microsoft arbeitet unter dem Namen Project Xcloud an Spielestreaming. Golem.de hat mit dem zuständigen Entwicklungsleiter Kareem Choudhry gesprochen.

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Kareem Choudhry ist Head of Gaming Cloud bei Microsoft.
Kareem Choudhry ist Head of Gaming Cloud bei Microsoft. (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)

Kareem Choudhry ist als Head of Gaming Cloud bei Microsoft für Cloudgaming, Xbox Live und Project Xcloud zuständig. Letzteres ist so etwas wie das Gegenstück zu Stadia von Google - allzu viele Details sind aber noch nicht öffentlich bekannt. Golem.de hat mit Choudhry am Rande der Spieleentwicklermesse GDC 2019 in San Francisco gesprochen.

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Golem.de: Wie haben Sie die Keynote von Google mit der Ankündigung von Stadia erlebt?

Kareem Choudhry: Wir hatten natürlich schon so eine Ahnung, was da gezeigt wird. Es war dennoch eine großartige Show! Leute wie Phil Harrison kenne ich, wir haben ja lange zusammen an der Xbox gearbeitet. Ich habe wieder mal gemerkt, dass die Spielebranche eine wunderbare Industrie ist, die den Leuten fantastische Inhalte bietet.

Golem.de: Was passiert denn gerade bei Ihrem aktuellen Projekt, also bei Xcloud?

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Choudhry: Öffentlich kann ich sagen, dass wir später im Jahr mit offen zugänglichen Tests anfangen. Einige unserer Azure-Rechenzentren sind bereits mit Hardware für Spielestreaming ausgestattet. Und Phil Spencer (Chef von Xbox; Anm. d. Redaktion) hat ein Xcloud-fähiges Smartphone, mit dem er spielt.

Golem.de: Macht sich Microsoft mit Spielestreaming nicht selbst Konkurrenz zur Xbox?

Choudhry: Project Xcloud ist nur eine Technologie. Mich interessiert das, aber die meisten Menschen wollen einfach nur spannende Inhalte und die dazugehörenden Communitys - und immerhin gibt es da draußen rund zwei Milliarden Spieler. Wir investieren massiv in Inhalte und haben gerade viele neue Studios gekauft. Wir vergrößern unsere Community, etwa mit Xbox Live auf iOS und Android.

Die Cloud macht es möglich, dass diese Inhalte und die Community immer besser zu den Kunden kommen. Project Xcloud ist für uns vor allem ein Mittel, das besser hinzubekommen. Wir freuen uns über jeden Spieler mit einer Konsole oder einem Gaming-PC, aber viele Leute erreichen wir mit diesen beiden Arten von Hardware nicht richtig. Deshalb arbeiten wir an Project Xcloud.

Golem.de: Werden wir in zehn Jahre nur noch Spielestreaming verwenden?

Choudhry: Ich tue mich schwer mit solchen Voraussagen. Auf absehbare Zeit dürfte das beste Spielerlebnis immer noch stationäre Hardware bieten, angeschlossen an einen möglichst guten und großen Monitor und ein tolles Audiosystem. Aber nicht jeder Spieleinteressierte wird sich so etwas zulegen.

Golem.de: Wie lösen Sie beim Streaming das Problem der Latenz?

Choudhry: Solange die Hardware weiter weg ist, werden wir immer eine gewisse Latenz haben. Natürlich arbeiten wir daran, und unsere hoch leistungsfähigen Azure-Rechenzentren in 54 Regionen der Welt helfen da enorm. Außerdem sammeln wir seit über 15 Jahren dank Xbox Live Erfahrungen damit, wir wir Latenzen möglichst effektiv verringern, und was man auch beim Gameplay machen kann, um Probleme zu verhindern.

Golem.de: 5G wird ein Gamechanger für Spielestreaming?

Choudhry: Ich bin überzeugt, dass Project Xcloud bei guten Onlineverbindungen richtig gut funktioniert. 5G-Netzwerke werden das nicht grundsätzlich ändern, bis auf einen Punkt: Es wird viel mehr Spieler gleichzeitig unterstützen. Aber ein Muss ist es aus meiner Sicht nicht.

Golem.de: Wie gehen Sie das Problem der Steuerung etwa von Shootern auf Smartphones an?

Choudhry: Da wird es viele Lösungen geben. Natürlich kann man einen Controller koppeln - aber das wird längst nicht jeder wollen. Die naheliegende Lösung sind Overlays auf dem Touchscreen, also virtuelle Tasten. Wir forschen da viel und versuchen herauszufinden, was das optimale Layout ist. Wir arbeiten auch daran, das sehr individuell auf die Spiele anzupassen, so dass etwa die wichtigen Tasten größer und besser erreichbar sind. Letztlich überlassen wir diese Entscheidungen aber den Entwicklern - die wissen am besten, was bei ihrem Spiel funktioniert.

Golem.de: Wird es auch mit Streaming in ein paar Jahren noch die großen, klassischen Blockbuster mit einer Einzelspielerkampagne geben - oder nur neue Varianten von Free-to-Play und Fortnite?

Choudhry: Was ich an der Spielebranche liebe ist, dass es so viele Geschäftsmodelle und damit Zugänge zum Markt und zum Kunden gibt. Neue Technologien erlauben neue Inhalte, und ich glaube schon, dass wir ganz neue Konzepte sehen werden - aber die bewährten Sachen wird es auch weiterhin geben.

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