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Spielestreaming: Stadia zeigt die Zukunft des Gamings

Bislang ist Streaming nur ein Experiment, mit Stadia könnte es das Computerspielen umwälzen. Doch bei aller Begeisterung für das Ende der Ladebalken und für überall verfügbare Spiele: Die Technologie hat auch systembedingte Nachteile.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Logo von Stadia auf der GDC 2019
Logo von Stadia auf der GDC 2019 (Bild: Golem.de/Peter Steinlechner)

Die Spielewelt hat sich gerade fundamental geändert, auch wenn wir es im Alltag noch ein paar Monate lang nicht merken werden. Mit Stadia hat Google auf der Spieleentwicklermesse GDC 2019 das erste aus technischer Sicht überzeugende Spielestreaming vorgestellt - zumindest lassen alle bislang verfügbaren Informationen, die Gespräche mit Entwicklern und das Ausprobieren diesen Schluss zu.

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Die Stärken sind klar: Ein verlustfrei arbeitender Codec und die Idee, Latenzen durch eine direkte Verbindung des Controllers mit den Servern zu verringern, sind fundamentale Unterschiede zu Angeboten wie Playstation Now oder Geforce Now. Dazu kommen die günstig gelegenen Rechenzentren von Google und fast weltweit verfügbaren Nodes. Das alles könnte den Dienst auf lange Sicht ähnlich populär wie Youtube werden lassen - mit dem es noch dazu eng verzahnt wird.

Stadia dürfte dazu führen, dass Highend-Gaming ohne teure Hardware möglich wird. Und das nebenbei sogar relativ energiesparend, weil Rechenzentren wesentlich effizienter arbeiten können als Millionen hochgezüchtete Konsolen und Highend-PCs. Zudem ist eine der Stärken von Stadia der Ansatz, PC- oder Konsolenversionen nicht auf irgendwelchen Standardservern laufen zu lassen, sondern Software und Hardware sorgfältig aufeinander abzustimmen und jederzeit upgraden zu können.

Echte Herausforderungen gibt es primär noch bei der Steuerung von Games, die für Controller-Eingaben optimiert sind, auf Smartphones und Tablets. Ein Lösungsmöglichkeit wären mobile Endgeräte mit speziellen Tasten, etwa Trigger. Actionspiele mit virtuellen Gamepads machen einfach wenig Spaß.

Zwar werden Stadia und ähnliche Angebote kaum in zwei oder drei Jahren die klassischen Gamingplattformen ersetzen. Nicht jeder hat die dafür nötigen schnellen Internetverbindungen. Aber sehr viele haben sie eben doch, und auch deshalb ist es gut denkbar, dass wir recht bald einstellige und dann rasch auch zweistellige Marktanteile sehen werden - das ist viel!

In ein paar Jahren dürfte der Hinweis "Jetzt als Stream" bei Games genauso dazu gehören wie der (technisch ja falsche, weil meist Videostreaming gemeint ist) Hinweis auf "Jetzt als Download" in der Werbung für Filme und Serien für Zuhause. Hat noch jemand eine Videothek in seiner Nähe?

Wenn wir raten müssten, was Playstation 5 und Xbox Two derzeit planen, dann scheint ein Hybridansatz denkbar: Die Geräte können zum einen mit sehr schneller lokaler Hardware klassische Games von Disc oder aus dem Downloadshop abspielen. Alternativ können sie Spiele streamen, wahrscheinlich optimiert durch ebenfalls lokal vorhandene Prozessoren mit Deep-Learning-Algorithmen zum Aufpolieren der Grafik - Nvidias DLSS-Technik führt das auf PC bereits vor - und zur Verringerung der Probleme der Latenz, etwa durch Vorhersagen über die wahrscheinlichen Eingaben des Spielers.

Vermutlich kann Maschine Learning solche Prognosen ganz ordentlich treffen. Hier könnte Google also ernsthafte Konkurrenz von etablierten Plattformbetreibern erhalten. Eigentlich wäre das sogar gut - allein schon, weil wir Vielfalt brauchen und nicht noch ein Quasi-Monopol des Unternehmens.

Inhaltlich gefällt uns nicht alles am Konzept von Stadia. So können wir uns derzeit kaum vorstellen, wie etwa Modifikationen mit Spielestreaming funktionieren sollen. Die Mod-Szene, die teils wunderbare Erweiterungen programmiert und immer wieder frische Ideen hatte, würde möglicherweise mit Spielestreaming vor dem Aus stehen. Nur zur Erinnerung: Playerunknown's Battlegrounds - und damit Battle Royale - stammt letztlich aus der Mod-Szene.

Ebenfalls vor Schwierigkeiten stehen Retrospieler. Emulation gibt's beim Streaming systembedingt nicht. Wenn Google oder die anderen Firmen ältere Games wegen neuer Hardwaretechnologie in ihren Rechenzentren aus dem Angebot nehmen, könnten diese Klassiker für immer verloren gehen. Dazu kommen weitere Probleme, etwa was eine mögliche Zensur für Erwachseneninhalte angeht.

Es wäre nicht gut, wenn Google festlegt, ob ein Resident Evil zu hart für bestimmte Altersgruppen ist oder nicht. Außerdem ist die Sorge vor zu viel Free-to-Play-Abzocke berechtigt. Dem könnten Google und andere Anbieter nur durch frühzeitiges Kuratieren und eine gewisse Kontrolle entgegenwirken, was unter Umständen dann aber auch das ein oder andere besonders kreative Indiegame vorzeitig abwürgt. Es gibt noch viele weitere Hürden und Herausforderungen für Streaming, etwa Datenschutz und Datenschnüffelei für gezielte Werbung beim stets online verbundenen Kunden oder die mangelnde Kontrolle über Grafikeinstellungen.

Kampagnen wird es hoffentlich noch lange geben!

Trotzdem dürfte sich die Technologie relativ schnell durchsetzen, ob uns das nun gefällt oder nicht. Eine Sorge haben wir übrigens ausdrücklich nicht: dass die klassische Einzelspielerkampagnen verschwinden. Dieses Konzept ist so stark, dass es auch im Massenmarkt funktionieren wird. Wir Gamer können ruhig davon ausgehen, dass das, was uns gefällt, auch anderen Spaß macht.

Auch könnte speziell beim Thema Multiplayer Streaming sogar Vorteile bringen. Google selbst hat etwa ausdrücklich Sofa-Koop erwähnt, das bei Stadia besser funktioniert als auf den aktuelle Konsolen - und zwar deshalb, weil die Begrenzungen bei der Rechenkapazität kaum noch eine Rolle spielen. Dazu kommt die generell ungleich höhere Sicherheit vor Hacks und Cheats. Nur E-Sportler werden wohl weiterhin auf klassische Systemarchitekturen setzen, weil bei ihnen selbst klitzekleine Latenzen über hohe Siegprämien mitentscheiden.

Klar, vieles beim Spielestreaming ist noch offen. Die nächsten Monate - insbesondere die E3 im Juni 2019 - werden spannend. Aber dass sich diese Technologie nun schneller als von vielen erwartet durchsetzen wird, halten wir seit der Präsentation von Stadia auf der GDC 2019 für ziemlich sicher.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).



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RedRose 02. Apr 2019

Nur weil nicht jede/r Oma und Opa ein Game zockt, heißt das doch nicht das Gaming eine...

Sharra 27. Mär 2019

Du übersiehst aber eine Kleinigkeit. An den Konsolen selbst verdienen sie kaum etwas. Die...

Sharra 27. Mär 2019

Celereons gibts noch. Dazu wieder diverse Singlecore, und low-performance Dualcores. Wenn...

exxo 26. Mär 2019

Du bist hast keinen Überblick, aber willst trotzdem mitreden. Schön. Erkläre us bitte...

simotroon 26. Mär 2019

Aus Entwicklersicht: Das ist ähnlich den ganzen App Stores. Da können die Diktatoren...


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