Spielemesse: Indies, die AAA die Show stehlen
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Neben den Großen der Branche hat auch eine Rekordzahl an unabhängigen Entwicklerstudios auf der Kölner Games-Messe das Publikum erfreut. In der Indie Arena Booth haben 2026 über 200 Indie-Titel (!) von Teams aus 41 Ländern auf über 2.000 Quadratmetern Standfläche ihr Publikum empfangen.
Und dieses Publikum weiß das Angebot zu schätzen: In Zeiten explodierender Mega-Budgets und jahrelanger Wartezeiten bei diversen Hochglanzprojekten stehen die frischen, kleinen Spiele für unkomplizierte und abwechslungsreiche Unterhaltung.
Das zeigt sich besonders deutlich in der Kategorie "Most Entertaining" der Gamescom Awards 2026: Dort schafften es mit Wanderburg, Bad Magpie und There Are No Ghosts at the Grand ausschließlich Indie-Spiele in die von Jury und Publikum gemeinsam bestimmte Nominiertenauswahl.
Wanderburg setzte sich am Ende sogar durch. Ausgerechnet beim Preis für den größten Unterhaltungswert ließen die kleinen Produktionen damit sämtliche AAA-Titel hinter sich – passender könnte das Fazit dieser Gamescom kaum ausfallen. Wir lassen die aus unserer Sicht spannendsten Indies der Gamescom 2026 im Folgenden noch einmal Revue passieren.
Wanderburg: Kampf mit der beweglichen Burg
Dieses Spiel des Berliner Drei-Mann-Entwicklerstudios Randwerk hat die Gamescom 2026 im Sturm erobert: Das überdrehte Roguelike, in dem man mit einer waffenstarrenden, immer weiter wachsenden rollenden Burg über endlose Schlachtfelder rattert, war für viele das unterhaltsamste Game des ganzen Messe-Events überhaupt.
Randwerk setzt auf eine herrlich direkte Mischung aus Aufbau und Zerstörung: Die eigene Wanderburg(öffnet im neuen Fenster) wird während der Runs immer größer und mit neuen Waffen und Bauteilen bestückt, während ringsum Gegner, Gebäude und Landschaft unter die Räder kommen. Gerade dieses ständig eskalierende Chaos macht einen großen Teil des Reizes aus.
Der Gamescom-Award für das "Most Entertaining Game" kommt zur idealen Zeit, denn lange muss man auf den schrägen Spaß nicht warten: Am 8. September 2026 startet das Spiel dank Gamescom-Schwung mit großen Erwartungen in den Early Access.
Bad Magpie: fieses Federvieh
Auch die böse Elster (eben Bad Magpie(öffnet im neuen Fenster)) war auf der Nominiertenliste der Gamescom-Awards. Kein Wunder: Das Slapstick-Abenteuer mit dem einflügeligen Vogel, der hüpfend für Chaos und Unterhaltung sorgt, ist überragend charmant und kommt völlig ohne Worte aus.
Stattdessen lebt das Spiel von Situationskomik, kleinen Missgeschicken und dem Talent des frechen Vogels, seine Umgebung ins Chaos zu stürzen.
Bad Magpie wird von einem neu gegründeten britischen Indie-Studio entwickelt, dessen Mitglieder zuvor schon an diversen anderen Fan-Lieblingen beteiligt waren. Entsprechend professionell wirken Animationen, Inszenierung und vor allem das Timing der zahlreichen kleinen Gags.
Wer schon mit dem Indie-Hit Untitled Goose Game seinen Spaß hatte, wird mit diesem diebischen Federvieh auch bestens unterhalten werden – allerdings erst 2027.
There are No Ghosts at the Grand: gruselige Gespensterjagd
Was für eine coole Mischung: Dieses Spiel eines verheirateten Entwicklerpärchens aus Bristol verbindet das beliebte Renovierungs-Genre mit einem Musical-Mystery-Adventure.
Untertags renovieren wir das soeben geerbte altehrwürdige englische Hotel, streichen Wände, richten Zimmer her und bringen das heruntergekommene Gebäude wieder auf Vordermann.
Nachts ändert sich die Stimmung komplett: Dann geht's mit ungewöhnlichen Werkzeugen auf Gespensterjagd und der vermeintlich gemütliche Renovierungsjob wird zunehmend mysteriös.
Besonders ungewöhnlich ist die musikalische Inszenierung. Für Gesangseinlagen und Audiodesign gab es eine Nominierung zum Gamescom-Award für "Best Audio" sowie eine in der Kategorie "Most Entertaining". Mit einer Demo(öffnet im neuen Fenster) kann man sich auch zu Hause auf den – angeblich noch diesjährigen – Release einstimmen.


