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Spielejahr 2014: Gronkh, GTA 5 und #Gamergate

Eigentlich sollte es das Jahr der Xbox One und der Playstation 4 werden. Aber dann hat sich in der Spielebranche und in der Community alles mehr als ein bisschen anders entwickelt als erwartet.
/ Peter Steinlechner
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GTA 5 (Bild: Rockstar Games)
GTA 5 Bild: Rockstar Games

Wir haben mal nachgezählt. 43-mal taucht der Begriff "Remastered" 2014 im Eingang unseres Postfachs auf – rund dreimal so oft wie in den vorhergehenden vier Jahren zusammengenommen. Das Wort steht für eine der wichtigsten Entwicklungen im Spielejahr: Wohl noch nie zuvor sind innerhalb kurzer Zeit so viele technisch überarbeitete Neuauflagen von gar nicht mal so alten Spielen erschienen.

GTA 5 für PS4 und Xbox One – Fazit mit Grafikvergleich
GTA 5 für PS4 und Xbox One – Fazit mit Grafikvergleich (02:00)

Der Vorzeigetitel schlechthin für dieses Phänomen ist natürlich die grafisch imposante Umsetzung von GTA 5 für die Xbox One und die Playstation 4 – die Unterschiede zum rund ein Jahr alten "Original" auf der Xbox 360 und der PS3 sind gewaltig. Die Spielestadt Los Santos sieht aus, als wäre sie mit dem Sandstrahler abgebürstet und dann mit neuen Texturen beklebt worden.

Remastered wurde aber nicht nur GTA 5, sondern auch The Last of Us für die Playstation 4 und die Halo-Serie für die Xbox One. Beide Neuauflagen haben sich blendend verkauft und offenbar viele Publisher zu ähnlichen Aktionen inspiriert: Capcom setzt ältere Spiele der Resident-Evil-Serie neu auf, Square Enix einige der besseren Teile von Final Fantasy. Und sogar Adventure-Klassiker wie Day of the Tentacle und Grim Fandango sollen demnächst grafisch generalüberholt zu neuem Leben erwachen.

The Last of Us Remastered – Grafikvergleich (PS3 vs. PS4)
The Last of Us Remastered – Grafikvergleich (PS3 vs. PS4) (02:46)

Für die Publisher und Entwickler ist das ein attraktives Geschäft. Warum neue Spiele entwickeln, wenn sich die Klassiker ohne allzu großes Risiko und mit überschaubarem Aufwand neu auflegen lassen? Außerdem gibt es inzwischen einen großen Katalog an älteren, inhaltlich attraktiven Games, bei denen "nur" die Grafik und Details an der Steuerung überarbeitet werden müssen. Es ist also damit zu rechnen, dass uns die "Remastered"-Mode durch die nächsten Jahre begleiten wird.

Medienmacht Let's Player

Gekommen, um zu bleiben: Das sind vermutlich auch die Let's Player. Das Phänomen gibt es schon ein paar Jahre, aber inzwischen haben Stars wie Gronkh und Sarazar in Deutschland sowie der international operierende PewDiePie eine Masse an Zuschauern, auf die selbst jahrelang laufende Telenovelas neidisch sein dürften. PewDiePie etwa hat mittlerweile knapp 33 Millionen Abonnenten auf Youtube.

The Evil Within – Fazit
The Evil Within – Fazit (01:50)

Das hat Folgen für den Spielemarkt: Wo früher für die Publisher kaum ein Weg an den einschlägigen Fachmagazinen vorbei führte, sind heute die Let's Player entscheidend. Entsprechend bemüht sich die Branche um die Stars: Gronkh und Sarazar machen Werbung für The Evil Within und erkunden auf Einladung von Ubisoft den Himalaya – um so nebenbei auch Far Cry 4 vorzustellen.

Böse Werbung auf Youtube

In den USA haben Recherchen von Fachmagazinen ergeben, dass sich rund 21 Prozent der Let's Player mit mehr als 5.000 Abonnenten für die Auswahl bestimmter Spiele bezahlen lassen. Viele machen das in ihren Videos nicht kenntlich, was rechtlich aber auch in den USA nötig ist. Kritische Köpfe, die auch mal andere Meinungen vertreten oder mehr Qualität oder Innovation einfordern, werden so eher nicht gefördert. Ob das der Spielebranche langfristig gut tut?

Aufregung um #Gamergate

Ganz sicher nicht gut getan hat der Branche, vor allem aber der Community, das Phänomen #Gamergate. Damit ist ein vor allem in den USA erbittert geführter Streit innerhalb der Spielerszene gemeint, bei dem sehr viele unterschiedliche Themen zusammen- und vor allem aufeinanderstießen: Feminismus und die Darstellung von Frauen in Games, Spielejournalismus und unabhängige Medien, Massenmarkt und Nerdkultur.

ESL One in Frankfurt 2014 – Bericht
ESL One in Frankfurt 2014 – Bericht (02:50)

Das wäre alles wert, diskutiert zu werden – wenn nur die Begleitumstände nicht hässlich und traurig gewesen wären. Da gab es echte oder gefälschte Bomben- und Morddrohungen gegen Aktivistinnen und gegen Branchenvertreter , wüste Beschimpfungen in Foren. Ein Teil der Community hat sich auch gar nicht für solche Themen interessiert, sondern etwa nach einer verlorenen Multiplayerpartie zuviel lieber gleich das echte Antiterror-Spezialkommando ins "feindliche" Wohnzimmer bestellt – "Swatting" heißt dieser Vorgang inzwischen. Dem mühsam im Verlauf der letzten Jahre aufgebauten Ruf der Community haben derlei Vorgänge vermutlich langfristig geschadet.

Immerhin: Beim vermutlich wichtigsten Spiele-Großereignis des Jahres ging es friedlich zu. Gemeint ist hier nicht die Gamescom, sondern das E-Sport-Turnier The International . In dessen Rahmen kämpften im Juli 2014 mehrere Teams in Seattle um einen Jackpot von 10 Millionen US-Dollar. 17.000 Zuschauer haben das Dota-2-Finale dann live vor Ort in einer Arena angeschaut, dazu kamen per Internet und TV noch rund 20 Millionen weitere, wie Veranstalter Valve mitteilte. Sieger und damit frischgebackene Millionäre waren die Mitglieder von Team Newbee aus China.

Offene Blockbusterwelten

Bei den großen Blockbustern gab es 2014 ein entscheidendes Merkmal: Sandbox. Mal von Ausreißern wie Wolfenstein: The New Order und jährlich wiederkehrenden Bestsellern wie Call of Duty oder Fifa 14 mit feststehender Formel abgesehen, haben die im letzten Viertel des Jahres veröffentlichten Titel allesamt auf große und weitgehend offene Spielewelten gesetzt. Den Anfang machte das im Vorfeld unterschätzte, dann aber erstklassige Mittelerde: Mordor's Schatten von Monolith, das Spieler in die Fantasywelt von Tolkien versetzt – und spielerisch unter anderem mit hierarchisch aufgebauten Ork-Clans durchaus Neuland betritt.

Far Cry 4 – Fazit
Far Cry 4 – Fazit (02:16)

Etwas später ist dann eine ganze Reihe weiterer Sandbox-Titel auf den Markt gekommen. Assassin's Creed Unity hat Spieler in die Zeit der Französischen Revolution nach Paris entführt. Fast gleichzeitig ging es mit Far Cry 4 in die (erfundene) Republik Kyrat. Das ebenfalls von Ubisoft stammende Action-Rennspiel The Crew hat nahezu die ganzen USA als Schauplatz, Dragon Age Inquisition eine riesige Fantasywelt und das kunterbunt-schräge Sunset Overdrive eine Stadt voller fieser Zombies mit Lust auf Energiedrinks. Und klar: Wer dann noch Zeit hat, hängt wieder mit GTA 5 in Los Santos ab.

Assassin's Creed Unity – Grafiktest
Assassin's Creed Unity – Grafiktest (01:50)

Die inhaltliche und dramaturgische Qualität dieser Spiele war durchweg hoch – wenn sie denn nicht durch kleine oder große Bugs ausgebremst wurden. Besonders in die Kritik geriet Ubisoft mit seinem Unity, das bei einigen Spielern nicht so flüssig und rund laufen sollte, wie es sich für eine Französische Revolution einfach gehört. Inzwischen haben allerdings eine Reihe von Updates die ärgsten Mängel ausgebügelt.

Zweieinhalb Milliarden Klötzchen

Ein etwas durchwachsenes Jahr haben die Entwickler von Indiegames hinter sich. Das liegt zum einen daran, dass viele Hoffnungsträger nicht ganz so gut geworden sind wie erhofft. Das Mitte des Jahres von Supergiant Games veröffentlichte Transistor etwa kam beim Publikum wegen einiger vielleicht dann doch zu verschrobener Gameplay-Elemente nicht ganz so gut an wie zuvor Bastion. Zum anderen standen Indiegames aber auch schlicht auf schwierigerem Posten, weil viele Entwickler ihre Titel erst nächstes Jahr veröffentlichen. Immerhin: Das Anti-Kriegsspiel This War of Mine war ein Erfolg.

Transistor – Trailer (Launch)
Transistor – Trailer (Launch) (01:50)

Allerdings kämpft die Szene an weiteren Fronten: Da ist etwa der anhaltende Erfolg von Minecraft, das sich auch Jahre nach seiner Erstveröffentlichung immer noch blendend verkauft. Und wer einmal mit dem Bauen von Welten aus Klötzchen beschäftigt ist, dürfte in seinem Terminkalender kaum noch Platz für andere Zeitvertreibe übrig haben. Wobei Minecraft streng genommen inzwischen auch kein Indiegame mehr ist – schließlich hat Microsoft sich alle Rechte an dem Programm und der Marke im September 2014 innerhalb der wichtigsten Übernahme des Jahres für rund 2,5 Milliarden US-Dollar gekauft .

Game of Thrones – Trailer (Launch)
Game of Thrones – Trailer (Launch) (01:32)

Wer unter Indiegames nicht zwingend innovativ-ungewöhnliche, sondern schlicht ohne Beteiligung großer Firmen entwickelte und dann erfolgreiche Spiele versteht, hatte 2014 durchaus eine große Auswahl an ordentlichen bis guten, aber nicht aufregenden Titeln. So setzt Telltale Games seine interaktiven Adventures mit Tales from the Borderlands und Game of Thrones fort, die Schweizer von Giants Software fahren mit dem Landwirtschafts-Simulator 2014 natürlich erneut hohe Umsätze ein, und der vietnamesische Entwickler Nguyen Ha Dong hat mit seinem Flappy Bird vermutlich jetzt schon seine Rente gesichert.

Und die neuen Konsolen ...?

Trotz der Vielfalt an Themen, die Spieler und Spielemacher im Jahr 2014 bewegt haben: Natürlich haben auch die Xbox One und die Playstation 4 sowohl die Community als auch die Branche umgetrieben – das haben allzu oft auch die teils aus Expertensicht übertriebenen Diskussionen um Auflösungen, Bildraten und vermeintliche oder tatsächliche Downgrades von Games gezeigt.

Microsoft erklärt Xbox One ohne Kinect für 399 Euro
Microsoft erklärt Xbox One ohne Kinect für 399 Euro (01:28)

Die Microsoft-Konsole hat das etwas bewegtere Jahr hinter sich: erst der Wegfall der Kinect-Zwangsbundles, dann die vor allem durch Preissenkungen ausgelöste Aufholjagd in den USA und in Großbritannien. Bei Sony ging es in den ersten Monaten schlicht darum, genug Exemplare auszuliefern. Inzwischen ist dieses Problem gelöst. Nun wird es spannend zu sehen, wie gut es Microsoft und Sony gelingt, im kommenden Jahr neue Käuferschichten zu erschließen.


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