Das Seitenlimit als härtester Gegner

So viele Menschen dürfte Lucas Cimon mit seinem Spiel Undying Dusk nicht erreichen - alleine deshalb, weil der 200.000 PDF-Seiten umfassende Dungeon-Crawler dem Standard-PDF-Reader von Adobe zu viel abverlangt. Um den Titel spielen zu können, muss man sich erst das Open-Source-PDF-Programm Sumatra herunterladen. Dem Softwareentwickler aus Frankreich passt das aber ohnehin gut ins Konzept. "Wenn du in der Privatwirtschaft arbeitest, veröffentlichst du Programme, die irgendwann im Mülleimer landen", erklärt er. "Im Open-Source-Bereich kannst du damit Menschen nachhaltiger helfen."

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Obwohl Cimon schon immer im Videospielsektor arbeiten wollte, bringt ihn die Erfahrung mit einem Praktikum, das er 2012 nach seinem Studium bei den Trackmania-Entwickler von Nadeo in Paris absolviert, auf andere Ideen. "Es war mir persönlich etwas zu intensiv", erklärt er. "Ich bin ein großer Fan von Games, aber ich wollte sie nicht auf diese Art machen."

Die Inspiration für sein PDF-Spiel holt er sich auf einer Konferenz über Tabletop-Spiele, in der auch das Thema Interaktivität von PDFs angesprochen wird. Da viele Quellenbücher für Rollenspiele, gerade von kleineren Projekten, nur noch digital erscheinen würden, brauche es mehr Innovation und neue Ideen, wie man das Format ansprechender gestalten könne.

Cimon, der auf seinem Blog Ludochaordic schon seit 2015 Gratis-Szenarios für Brett- und Tabletop-Rollenspiele veröffentlicht, nutzt seine Erfahrung als Python-Programmierer, um einen Prototypen auf Basis des Open-Source-Spiels Heroine Dusk zu bauen. Obwohl der Sumatra-PDF-Reader mächtiger ist als das weiter verbreitete Tool von Adobe, stößt der Entwickler auch damit schnell an seine Grenzen. "Das Spiel muss sehr linear sein, da jeder Zustand im Spiel einer Seite entspricht. Ich habe Sumatra ziemlich ausgereizt und hatte sehr mit dem Seitenlimit zu kämpfen", sagt er.

"Mechanik und Storytelling sind alles andere als exzellent"

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Trotz dieser Probleme schafft es Cimon, sein Spiel innerhalb eines Jahres fertigzustellen und im April 2021 zu veröffentlichen. Ganz so viel Zeit wie Baker hat er laut eigener Aussage nicht darauf verwendet. "Ich arbeite nicht regelmäßig an meinen Hobbyprojekten, ich habe manchmal Motivationsschübe und manchmal war es hart, mich zum Arbeiten zu bringen, auch weil ich alleine arbeite", sagt der Programmierer.

"Manchmal habe ich ein Wochenende pro Monat an Undying Dusk gearbeitet, manchmal mehr." Mehr als einen Tag pro Woche habe er nicht in die Arbeit an seinem Spiel gesteckt, dafür aber eine eigene Python-Bibliothek gepflegt, die mittlerweile von zahlreichen weiteren Projekten genutzt wird - aber von keinem anderen Spiel.

Als Undying Dusk erscheint, springen nur wenige Menschen darauf an. Richtige Testberichte gibt es keine, PC Gamer ist es immerhin eine News wert. Für Cimon ist der Grund relativ klar: Das Spiel selbst ist nicht wirklich gut. "Vermutlich waren die meisten Leute eher vom technischen Aspekt begeistert, denn Mechanik und Storytelling sind alles andere als exzellent. Ich habe zwar eine Art Videospiel gemacht, aber der Prozess hat mich viel mehr fasziniert als das Ergebnis."

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Excel- und PDF-Spiele bleiben Nischenerscheinungen

Der lauwarmen Rezeption zum Trotz will Cimon weiter an PDF-Spielen arbeiten. Sein nächstes Projekt, das er zusammen mit einem befreundeten Grafiker entwickeln will, heißt Under Tower und soll ein klassisches Point-and-Click-Adventure werden. Ähnlich wie Baker hofft auch Cimon, dass seine Arbeit andere Entwickler inspiriert, und arbeitet deswegen nicht nur weiter an seiner Python-Bibliothek, sondern hat auch den Quellcode für Undying Dusk zur freien Verfügung veröffentlicht.

Eines steht fest: Bei darauf ausgelegten Tools und Engines wie Unity oder der Unreal Engine mag der Einstieg schwierig sein, aber dafür sind die möglichen Probleme bereits gut dokumentiert und die Community deutlich größer. Wer Spiele in Excel oder als PDF veröffentlicht, ist hingegen oft auf sich allein gestellt. An eine kommerzielle Verwertung ist ohnehin nicht zu denken und das ist auch gar nicht nötig.

Baker baut sein Spiel, um sich beschäftigt zu halten, für Cimon ist sein Projekt eine Fingerübung auf dem Weg zu besseren interaktiven PDFs. Was beide vereint: Mit ihren Titeln verpassen sie dröger Bürosoftware eine frische Politur - und zeigen, dass Spieleentwicklung kein Game-Design-Studium, sondern manchmal nur eine gute Idee und etwas Sitzfleisch benötigt.

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 Spieleentwicklung mit Office: Golfkurs in der Excel-Datei
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GwhE 05. Sep 2022 / Themenstart

Und ich sehe es genau anderer rum. Ein Handwerker nennt sich auch Handwerker wenn er...

Kakiss 04. Sep 2022 / Themenstart

Hab ich mich am Anfang auch gefragt, die Antwort: Es hat verdammt viele Audiodateien :)

masterx244 04. Sep 2022 / Themenstart

JS oder ähnliches in PDFs wird gerne von Schadcode genutzt und triggert womöglich den AV...

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