Spielebranche: Stop Killing Games gründet zwei NGOs
Die Kampagne Stop Killing Games stellt sich organisatorisch neu auf. Aus einer vor allem online geführten Bewegung werden zwei formelle Nichtregierungsorganisationen: eine in der Europäischen Union, eine weitere in den USA. Auslöser und Symbolfall war unter anderem die Abschaltung von The Crew durch Ubisoft, bei der Käufer ihre bereits bezahlte Version nicht weiter nutzen konnten.
Initiator Ross Scott (Accursed Farms) spricht in einem Video auf Youtube(öffnet im neuen Fenster) von einem Schritt hin zu "langfristigem Gegen-Lobbying" .
Die Bewegung will nicht nur bei einzelnen Abschaltungen laut werden, sondern dauerhaft politisch präsent sein. "Wir werden nicht einfach verschwinden" , sagt Scott.
Die neuen NGOs sollen mehrere Aufgaben bündeln. Geplant sind kontinuierliche Gespräche mit Abgeordneten und Behörden, die Begleitung laufender Gesetzgebungsverfahren sowie eine stärkere Wachhund-Funktion gegenüber Publishern.
Zudem sollen Verbraucher unterstützt werden, wenn Spiele nachträglich unbrauchbar gemacht werden – etwa durch koordinierte Beschwerden bei Aufsichtsstellen. Der inhaltliche Fokus bleibt: Publisher dürfen den Support beenden, aber sie sollen nicht auch die bereits verkaufte Kopie unbrauchbar machen.
Es gehe nicht um "endlose Unterstützung" , sondern darum, dass Kunden ihr Produkt weiter in einem "angemessen spielbaren" Zustand nutzen können.
Gespräche in Brüssel mit der EU-Kommission
Für die EU-Organisation wird der deutsche Politikberater Moritz Katzner als treibende Kraft genannt. Er soll auch beim Aufbau der US-Struktur helfen. Scott selbst deutet an, dass er die operative Führung perspektivisch abgeben möchte. Die Bewegung solle institutionell verankert werden und nicht von einer einzelnen Person abhängen.
Die Ankündigung erfolgt parallel zu einem wichtigen Termin in Brüssel: Am 23. Februar 2026 trifft sich das Organisationsteam der europäischen Bürgerinitiative Stop Destroying Videogames mit Vertretern der EU-Kommission.
Unabhängig vom Ausgang dieses Gesprächs läuft das formale Verfahren nach dem erfolgreichen Abschluss einer Onlinepetition weiter. Die Kommission muss bis spätestens 27. Juli 2026 offiziell Stellung nehmen; anschließend ist eine Anhörung im Europäischen Parlament vorgesehen.
Dass Stop Killing Games nun zwei NGOs gründet, ist damit auch eine Absicherung: Selbst wenn kurzfristig keine neuen Regeln beschlossen werden, will die Bewegung strukturell handlungsfähig bleiben – über Jahre hinweg und auf beiden Seiten des Atlantiks.



