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Spielebranche: Ori-Macher rechnet mit Xbox ab

Bei Xbox sehen Ori-Entwickler Thomas Mahler und Duke-Nukem-Erfinder George Broussard tiefgreifende Probleme – und fordern einen Kurswechsel.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Ori and the Will of the Wisps (Bild: Moon Studios)
Artwork von Ori and the Will of the Wisps Bild: Moon Studios

Die jüngsten Turbulenzen bei Xbox sorgen weiterhin für Diskussionen in der Spielebranche. Nun hat sich der österreichische Entwickler Thomas Mahler zu Wort gemeldet. Mahler ist Mitgründer von Moon Studios und verantwortete mit Ori and the Blind Forest sowie Ori and the Will of the Wisps zwei der bestbewerteten Xbox-Spiele der vergangenen Jahre.

Der Entwickler äußert sich seit Jahren regelmäßig öffentlich zu Microsofts Gaming-Sparte, arbeitet inzwischen aber nicht mehr mit Xbox zusammen.

Mahler sieht die aktuellen Einschnitte bei Microsoft zwar als schmerzhaft für die Betroffenen, hält sie aber zugleich für den möglichen Beginn eines längst überfälligen Umbaus. Es sei tragisch, was derzeit bei Xbox geschehe, schreibt er auf der Plattform X(öffnet im neuen Fenster).

Die Probleme von Xbox sind aus seiner Sicht nicht neu. Schon während der Zusammenarbeit an den Ori-Spielen habe er den Eindruck gehabt, dass sich Microsoft vor allem auf Marken wie Halo, Gears of War und Forza konzentriere.

Dabei sei die Begeisterung vieler Spieler für Halo und Gears bereits deutlich zurückgegangen, nachdem die ursprünglichen Entwickler von Bungie beziehungsweise Epic Games die Reihen verlassen hatten. Die neueren Serienteile hätten nicht mehr dieselbe kulturelle Bedeutung erreicht wie ihre Vorgänger.

Die Ori-Spiele entwickelten sich dagegen zu den erfolgreichsten Xbox-Veröffentlichungen der Zeit nach der Xbox 360. Mahler habe gehofft, Microsoft würde die Marke stärker ausbauen. "Ori hätte für Xbox eine Art Micky Mouse oder Mario werden können", meint er rückblickend.

Nach eigener Aussage habe er dem ehemaligen Xbox-Chef Phil Spencer mehrfach vorgeschlagen, stärker auf familienfreundliche und generationsübergreifende Spiele zu setzen – ähnlich wie Nintendo oder Disney. Aus seiner Sicht habe sich Xbox jedoch zu stark auf bestehende Erfolgsmarken fokussiert.

Im Kern sieht Mahler ein grundlegendes Problem bei Microsofts Gaming-Sparte: Erfolgreiche Spiele würden nicht durch bekannte Marken entstehen:"Großartige Spiele werden nicht von IPs gemacht. Sie werden von Menschen gemacht", schreibt er.

Menschen statt Marken

Xbox solle deshalb stärker auf kreative Köpfe setzen und diese fördern, schützen und langfristig halten. Entscheidend seien Entwickler, die wirklich verstünden, was Spieler begeistere, und die daraus Produkte erschaffen könnten, die sich klar von der Konkurrenz abheben.

Unterstützung erhält Mahler vom Branchenveteranen George Broussard. Der Mitgründer von 3D Realms und einer der Schöpfer von Duke Nukem sieht Xbox bereits seit dem Ende der Xbox-360-Ära auf einem Abwärtstrend.

Broussard bezweifelt, dass Microsoft als Konzern die nötige "DNA und den Geschmack" besitze, um die Probleme aus eigener Kraft zu lösen. Kostensenkungen und harte Einschnitte traue er dem Unternehmen zwar zu. Zweifel habe er jedoch, ob Microsoft noch exklusive Spiele entwickeln könne, die Spieler tatsächlich zum Kauf neuer Hardware bewegen würden.

Ori and the Will of the Wisps – Trailer
Ori and the Will of the Wisps – Trailer (02:10)

In weiteren Kommentaren äußerte sich Broussard zudem kritisch zum Game Pass. Das Abomodell habe zwar Reichweite geschaffen und den Zugang zu Spielen erleichtert, langfristig aber auch Fragen zur Wirtschaftlichkeit großer Eigenproduktionen aufgeworfen.

Ähnliche Diskussionen werden in der Branche bereits seit Jahren geführt, insbesondere seit Microsoft Milliardenbeträge in Studios und Inhalte investiert hat.

Durch die Übernahmen von Bethesda und Activision Blizzard verfügt Microsoft heute zwar über eines der größten Markenportfolios der Branche. Kritiker bemängeln jedoch seit Jahren, dass daraus vergleichsweise wenige neue Prestigeprojekte und Systemseller hervorgehen. Genau darin sieht Mahler die eigentliche Herausforderung: nicht weitere Marken einzukaufen, sondern die richtigen Entwickler in die Verantwortung zu bringen.


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