Spielebranche: "Die Studios setzen KI zunehmend zum Kostensparen ein"
Die Vorträge auf der Game Developers Conference (GDC) 2025 in San Francisco sind sehr gut besucht – vor allem dann, wenn generative KI auf der Agenda steht. Trotzdem geht es der Spielebrache nicht gut, immer wieder gibt es Entlassungen und Studioschließungen.
Golem.de hat darüber mit Jakin Vela gesprochen, dem Executive Director der International Game Developers Association(öffnet im neuen Fenster) (IDGA). Der Berufs- und Interessensverband vertritt über 10.000 Computerspieleentwickler weltweit.
Golem.de: Was sind Ihrer Meinung nach die Ursachen für die vielen Entlassungen in der Spielebranche?
Jakin Vela: Was wir vor allem bei den größeren Firmen sehen, sind die Folgen einer zu schnellen Expansion während des Höhepunkts des Coronapandemie und dann der Notwendigkeit, Kosten zu senken.
Häufig sind Entlassungen die erste Maßnahme, um wirtschaftlichen Druck abzufedern. Das ist problematisch, weil es die Lebensgrundlage der Entwickler betrifft.
Aber es führt auch zu einem Problem der Nachhaltigkeit für Unternehmen und die Spielebranche insgesamt. Es gibt enorm hohe Budgets für Spiele, oft bedingt durch das Streben nach besten Grafiken, bester Technologie und schnellen Produktionszyklen. Und das erfordert viele Leute in den Projekten.
Trotzdem können Spiele floppen. Und das führt wieder dazu, dass Studios Kosten senken müssen – oft ist dann der erste Schritt, Entlassungen vorzunehmen.
Golem.de: Haben die großen Spielepublisher und -entwickler auch andere Lösungsansätze?
Vela: Ja, aber die bringen auch Probleme mit sich. Viele Studios erforschen die Integration von künstlicher Intelligenz (KI) auf einer tiefen strukturellen Ebene. Leider geht es aber nicht nur darum, KI wie ChatGPT zu nutzen, um schnell ein paar E-Mails zu schreiben.
Stattdessen sehen wir, dass die Studios KI zunehmend als Kostensparmaßnahme einsetzen, während sie eigentlich eine Ergänzung zur Unterstützung der Entwickler sein sollte. Sie könnte helfen, niedrigere Prioritäten und Aufgaben zu automatisieren, so dass sich die Entwickler auf die wichtige, kreative Arbeit konzentrieren können.
Golem.de: Welche Berufe sind am stärksten von dieser Entwicklung betroffen? Man hört hier auf der GDC oft, dass besonders Animationsexperten gefährdet sind.
Vela: Tatsächlich betrifft es alle Berufe. Wenn deine Arbeit ein systematisches Vorgehen erfordert, bist du gefährdet. Wir sehen das auch in der Lokalisierung. Übersetzungen, die KI erledigen kann, sind ein großes Thema, besonders in Deutschland und West-Europa. Viele Lokalisierungsprofis haben Angst, dass ihre Fähigkeit zur nuancierten Übersetzung durch KI ersetzt wird.
Das ist ein echtes Problem. Auch in Bereichen wie Musik und Testing sehen wir KI-Einsatz, der den menschlichen Aspekt der Arbeit nicht ersetzen kann. KI wird niemals die emotionale, authentische Tiefe des Menschen einfangen können, die in Kunst, Musik und sogar in der Programmierung steckt.
Neue Karrierechancen
Golem.de: Haben Sie Vorschläge, was jemand, der 15 Jahre alt ist und Game Developer werden möchte, tun sollte? Sollte er sich auf KI spezialisieren?
Vela: Junge Menschen sollten verstehen, dass KI eine Rolle in der Zukunft spielen wird. Aber ich würde nicht sagen, dass sie ihren gesamten Fokus darauf legen sollten. Game Development bleibt eine Kunst und ein Handwerk, wie jedes andere Handwerk auch. Du musst üben, du musst durch den Prozess gehen, ob du nun Spiele programmierst, Kunst erstellst oder Musik machst.
Durch den Fokus auf KI besteht auch die Gefahr, dass man wichtige Aspekte wie Kommunikation, Teamarbeit und Führung verpasst. Entwickler müssen lernen, wie man in einem Team arbeitet, wie man Entscheidungen beeinflusst und wie man sich in einer politischen Unternehmenskultur bewegt. Das sind Fähigkeiten, die KI nicht ersetzen kann und die für die Entwicklung eines Spiels genauso wichtig sind wie technische Skills.
Golem.de: Was hören Sie von den Studios in Bezug auf Urheberrechte und KI?
Vela: Das ist immer noch eine große Sorge. Wenn ein Studio KI nutzt, die auf urheberrechtlich geschützten Inhalten basiert, sollte es transparent darüber informieren, woher diese Daten stammen. Es gibt sowohl rechtliche als auch ethische Aspekte, die berücksichtigt werden müssen.
Wenn KI zum Beispiel Grafiken oder Musik generiert, die möglicherweise ohne Genehmigung verwendet werden, könnte das rechtliche Probleme verursachen und das Vertrauen der Spieler in die Fairness und Transparenz des Unternehmens beeinträchtigen.
Golem.de: Man liest derzeit oft, dass sich immer mehr Spieler ausschließlich mit Fortnite, Minecraft oder Roblox beschäftigen. Neue Spiele müssen gegen diese etablierten Titel konkurrieren.
Vela: Das ist ein interessantes Thema. Gerade erst hat eine Studie gezeigt, dass 88 Prozent der gesamten Spielzeit auf eine Handvoll von Spielen entfällt – eben Fortnite, Minecraft und ein paar andere.
Offensichtlich legen die Spieler Wert auf so etwas Vertrautheit. Ein Lösungsansatz könnte mehr User-Generated-Content sein, also die Möglichkeit, dass Spieler selbst kreativ werden können. Das ist ein starkes Element von Fortnite und Minecraft. Entwickler sollten sich darauf konzentrieren, den Spielern diese Art der Kreativität zu ermöglichen, auch in ihren eigenen Spielen.



