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Spieleabos: So profitieren Spielestudios vom Xbox Game Pass

Für viele Entwickler ist die Xbox inzwischen eine Game-Pass-Plattform. Hier dabei zu sein, hat für Spielestudios sehr spezielle Vorteile, stellt sie aber auch vor Herausforderungen. Wir haben bei den Entwicklern nachgefragt.
/ Jan Bojaryn
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Logo des Xbox Game Pass (Bild: Microsoft)
Logo des Xbox Game Pass Bild: Microsoft

Spieleentwickler stehen vor einem größeren Markt denn je. Global werden um die 200 Milliarden US-Dollar im Jahr umgesetzt, drei Milliarden Menschen spielen weltweit. Studios müssen sich fragen, ob sie Spiele für VR-Brillen entwickeln, In-Game-Käufe anbieten und mit Cloud-Gaming-Diensten zusammenarbeiten wollen. Besonders im Fokus war hier in den letzten Jahren der Game Pass für PC und Xbox: Microsofts Spieleabo auf den Spuren von Netflix wurde als Erfolgsstory wahrgenommen. Zuletzt ist er langsamer gewachsen als vorhergesagt, Anfang 2022 waren aber immerhin schon 25 Millionen Abonnenten im Programm. Wir wollten wissen: Ist es für deutsche Studios schwer, in Aboprogramme wie den Game Pass aufgenommen zu werden? Und wie bewerten Studios ihre Erfahrung nach einer Teilnahme?

Von über 20 angefragten Studios und Publishern, die entweder auf der Xbox publishen oder bereits im Game Pass oder anderen Aboprogrammen waren, haben nur wenige geantwortet. Einige sagten direkt ab, andere wollten nur anonym teilnehmen. Offenbar redet die deutsche Games-Branche nicht gern übers Geschäft. Zu denen, die geantwortet haben, zählt Moi Rai Games(öffnet im neuen Fenster) aus Hamburg. Deren Chef und Co-Gründer Dennis Sinner nennt seinen Deal mit Microsoft "mehr als fair" .

Sinner hat sein Herzensprojekt Monster Sanctuary auch ohne Microsoft zum Erfolg gemacht. Sein Monster-Metroidvania war bereits finanziert, als der Deal über den Xbox Game Pass zustande kam. Eine Community war also bereits aufgebaut, aber zur Sichtbarkeit des Titels habe der Xbox Game Pass durchaus "beigetragen" , sagt er.

Auch international redet die Spielebranche nicht gern über Geld und Vertragsdetails. Einzelne Antworten geben uns einen Anhaltspunkt, warum kaum jemand sich in die Karten schauen lässt: Die Konkurrenz sei groß, die Programme seien "voll mit wahnsinnig guten Titeln" . Außerdem sei es "extrem schwierig" , überhaupt einen Termin mit den Verantwortlichen bei Microsoft zu bekommen, berichtet ein Entwickler anonym.

Gute Deals

Johannes Roth, Gründer und Managing Director des Münchner Entwicklerstudios Mimimi Games(öffnet im neuen Fenster) , hat ebenfalls handfeste Erfahrungen mit dem Game Pass gemacht. Nach dem von der Kritik hochgelobten Shadow Tactics veröffentlichte sein Studio Desperados 3. Publisher THQ Nordic kümmerte sich um den Game-Pass-Deal, den auch Roth positiv bewertet. Es habe sich so angefühlt, als sei sein Spiel durch den Deal sichtbarer geworden, sagt er. Außerdem bekam er prominente Unterstützung: "Phil Spencers Tweet zum Spiel hat uns sehr viel Freude bereitet." Auf Twitter hatte der Xbox-Chef(öffnet im neuen Fenster) (1 Million Follower) das Taktikspiel Desperados 3 als "wirklich toll" bezeichnet.

Die Erfahrung war also gut. Doch eine "pauschale Antwort" , ob sich der Game Pass lohne, wäre für Roth "unsinnig" : Seiner Ansicht nach ändert sich der "jedes Jahr rasant." Deshalb müsse jeder Deal neu bewertet werden. Gleichzeitig sei er aber auch als Spieler schon "begeisterter Kunde" des Game Pass gewesen und: "Ich kenne viele Studios, die sehr glücklich über ihre Zusammenarbeit mit Microsoft waren."

Wenn Xbox, dann Game Pass

Dennis Sinners Deal mit dem Game Pass ist ebenfalls über den Publisher entstanden – in seinem Fall war das Team 17. Aber "wenn wir selber auch so einen guten Deal aushandeln können" , dann sei man gerne auch in Zukunft dabei.

Wenn Sinner sein nächstes Projekt nicht im Game Pass platzieren könne, dann erscheine es auch höchstwahrscheinlich nicht für die Xbox. Nach den Verkäufen seines Titels kommt er zu einem klaren Urteil: "Xbox ist zum größten Teil eine Game-Pass-Plattform."

Desperados 3 – Trailer (John Cooper)
Desperados 3 – Trailer (John Cooper) (01:52)

Mit dieser Einschätzung ist Sinner zumindest in der Indie-Szene nicht allein. Modern Warfare 2 und Fifa 23 mögen die Xbox-Charts auch ohne Game Pass anführen. Doch vor einigen Monaten demonstrierte das französische Studio The Game Bakers(öffnet im neuen Fenster) , wie sich die Lage für Indies auch darstellen kann. Schlagzeilen(öffnet im neuen Fenster) machte die Entscheidung der Entwickler, DLC zum Spiel Furi für andere Plattformen zu entwickeln, aber nicht mehr für die Xbox.

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Damals nannte Co-Gründerin und Chefin Audrey Leprince Zahlen und zeigte Diagramme: Furi verkaufte sich auf der Xbox weniger als ein Drittel so oft wie etwa auf der Nintendo Switch. Eine Hilfe zur Einordnung lieferte zudem das Game-Bakers-Spiel Haven, weil es im Xbox Game Pass erschienen war.

73 Prozent aller Haven-Downloads über alle Plattformen hinweg erfolgten hier über das Game-Pass-Abo. Steam lag abgeschlagen bei 16 Prozent, Xbox-Käufe waren eine dünne Scheibe im Tortendiagramm. Es habe sich "gar nicht verkauft" , urteilte Leprince.

Es geht auch ohne

Für viele Indies scheint zumindest die Xbox-Erfahrung deutlich: Wer das Publikum nicht von anderswo anlockt, der wird es auf dieser Konsole nicht erreichen.

Das Glück liegt auch auf anderen Plattformen. Moi Rai Games' Monster Sanctuary war auf Kickstarter und im Steam Early Access bereits ein Erfolg, bevor sich der Game-Pass-Deal ergab.

Sorge vor einem dominanten Spiele-Aboservice

Erfolgreiche Studios setzen also nicht alles auf eine Karte und reagieren flexibel auf den schnell beweglichen Markt. Wenn ein Microsoft-Deal nicht sicher ist, reden sie auch mit anderen Publishern und denken über andere Plattformen nach. Mimimi Games haben über Jahre hinweg mit mehreren Publishern gearbeitet. Für Taktikspiele wie Desperados 3 ist zudem der PC mit Maus und Tastatur das traditionellere Zuhause.

Vermutlich hat auch Microsoft Besseres zu tun, als nur in Deutschland nach Talent zu schürfen. Reuters berichtete vor wenigen Wochen, die Spielefirma habe ein Team für die Studiosuche in China gegründet. Auch Indie-Entwicklern werde dort viel Geld für eine Game-Pass-Partnerschaft geboten. Millionengelder fließen in das Heimatland von Genshin Impact.

Abseits der Abos

Für Irritation sorgten deswegen bei einigen Beobachtern die aktuellen Quartalszahlen von Microsoft. Für das Geschäftsjahr 2022 waren 73 Prozent Wachstum für den Aboservice als Ziel vorgegeben. Erreicht wurden nur 28 Prozent.

Insgesamt würden die Game-Pass-Einnahmen nur 15 Prozent der Gamingsparte von Microsoft ausmachen, ließ Phil Spencer damals auf einer Konferenz des Wall Street Journal wissen.

Leicht entschärft hat Branchenexperte Christopher Dring die Zahlen bei Gamesindustry.biz(öffnet im neuen Fenster) : Erstens seien zuletzt keine großen Titel für die Xbox erschienen, zweitens falle der untersuchte Zeitraum in die Zeit kurz nach den Corona-Lockdowns.

Beides bremse das Wachstum. Nicht zuletzt sei der Konzern gerade dabei, die Fusion mit Activision Blizzard schönzureden. Da könnte es sogar helfen, den Xbox Game Pass als kleines Puzzleteil einer größeren Strategie darzustellen. Den Erfolg der Konkurrenz in anderen Marktsegmenten zu beleuchten, zerstreut Ängste vor einem vermeintlichen Monopol. Was bedeutet schon die Marktführerschaft bei Spieleabos, wenn Free-to-Play-Spiele in der Mobile-Sparte viel mehr Geld verdienen?

Die Angst vor einem dominanten Aboservice für Spiele bleibt aber durchaus real, auch in der Entwicklerszene. Zumindest auf der Xbox hat das Abo offenbar den Markt für kleinere Bezahlspiele bereits beschädigt. Mehrere deutsche Indies haben uns bestätigt, die Xbox spiele für sie nur noch als Game-Pass-Plattform eine Rolle.

Dring hat sogar bereits Sorgen vor den Folgen des PC Game Pass gehört. Das PC-Spieleabo von Microsoft wächst schneller, ist aber noch viel kleiner als der Xbox Game Pass. Trotzdem habe ein Entwickler bereits Netflix und seine Folgen für kleinere Filme als Vergleich angeführt.

Im Homeoffice – Phil Spencer kündigt Game Pass Japan an
Im Homeoffice – Phil Spencer kündigt Game Pass Japan an (03:54)

Gemeint ist: Wenn ein großer Anbieter den Markt beherrscht, kann das für unabhängige Kreative gefährlich werden. Kleinere Studios und sogar Marktplätze könnten Pleite gehen, wenn ein Anbieter wie Microsoft Geld und Aufmerksamkeit des Publikums bindet. Aktuell mag der Game Pass ein toller Deal für Indies sein – wenn aber alle Marktchancen von der Aufnahme in ein umkämpftes Programm abhängen, dann drohen weniger Vielfalt bei der Spieleauswahl und weniger Platz für konkurrierende Studios, die zudem mangels Alternativen auch offen für weniger tolle Angebote von Microsoft wären.

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Ein guter Deal unter vielen

Von solchen Bedrohungsszenarien ist die Realität zumindest jetzt noch weit entfernt. Wie gesagt: Der PC Game Pass wächst schnell, aber er spielt eine kleine Rolle. Von Steam wird er noch nicht einmal als Konkurrenz wahrgenommen. Valve-Chef Gabe Newell hat noch im Februar 2022(öffnet im neuen Fenster) betont, dass der PC Game Pass durchaus auf Steam landen könne. Ein Abo-Modell habe Steam selbst nicht in Planung.

Für deutsche Entwickler und Publisher ist der Xbox Game Pass bisher also eher Chance als Problem. Er steht für einen schwer erreichbaren Deal, der sich aber lohnen kann. Damit überhaupt verhandelt werden kann, braucht es in der Regel wohl einen Publisher.

Und der Game Pass steht längst nicht für den einzigen Weg zum Erfolg. Johannes Roth hat bereits mehrere Spiele auf mehreren Plattformen veröffentlicht. Seine Empfehlung an deutsche Studios fällt nüchtern aus: "sich Optionen offenzuhalten, sie entsprechend zu beleuchten und dann ein Urteil zu fällen." Das ist auch für Spieler ein guter Tipp.


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