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Spiele-Rückschau 2022: Elden Ring, ein großer Leak und 68,7 Milliarden US-Dollar

Ein starker Auftakt mit Elden Ring – und dann eher geht so: Das Spielejahr 2022 war eine Enttäuschung. Auf Microsoft dürfen Fans sauer sein.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Elden Ring: Das Spiel verkaufte sich 2022 mehr als 17,5 Millionen Mal. (Bild: From Software)
Artwork von Elden Ring: Das Spiel verkaufte sich 2022 mehr als 17,5 Millionen Mal. Bild: From Software

Das wichtigste Ziel für Computerspieler 2022 trägt die Bezeichnung "Zeitalter des Zerbrechens" und ist schlicht die Trophäe für das Standard-Ende in Elden Ring ( Test auf Golem.de , g+). Wer es erreicht hat, darf sich als Teil einer kleinen und feinen Elite fühlen.

Denn auch wenn Elden Ring für ein Souls-like unter anderem dank mehr Monsterausweichmöglichkeiten in der offenen Welt vergleichsweise einfach ist, gehört es doch zu den ganz großen Herausforderungen, denen man sich als Spieler stellen kann. Kein anderes Spiel hat das Jahr so geprägt, insbesondere mit einer traumhaften Atmosphäre und packenden Kämpfen.

Auch die Verkaufszahlen sind traumhaft, trotz eines eigentlich nicht vorhandenen Massenappeals: Bis Ende September 2022 wurden laut Publisher Bandai Namco weltweit rund 17,5 Millionen Exemplare des von From Software produzierten Titels abgesetzt.

Fast zeitgleich mit Elden Ring im Februar 2022 hat Sony einen der wenigen anderen Blockbuster des Jahres veröffentlicht: Horizon Forbidden West ( Test auf Golem.de , g+), erneut mit der weiblichen Heldin Aloy als Hauptfigur.

Im November 2022 gab es dann, ebenfalls von Sony, das dritte Großprojekt des Jahres, nämlich God of War Ragnarök ( Test auf Golem.de ). Und im Grunde war es das dann auch schon, was AAA-Gaming angeht – abgesehen vom üblichen Call of Duty zum Jahresende.

Insbesondere Microsoft hat die Käufer einer Xbox Series X/S ohne spannende Neuheiten auf ihrer Hardware sitzen lassen. Mit As Dusk Falls und Pentiment ( Test auf Golem.de ) hat der Konzern gerade einmal zwei kleinere Spiele veröffentlicht.

Elden Ring – Fazit
Elden Ring – Fazit (01:55)

Die beiden Games sind durchaus gelungen – aber leistungsstarke Hardware benötigen sie nicht. Als Konsolenkäufer kann man sich da schon fragen, ob man nicht lieber noch ein Jahr gewartet hätte, um die neue Xbox für ein paar Euro günstiger zu schießen. Das eigentlich für den 11. November 2022 angekündigte Starfield wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

God of War Ragnarök – Fazit
God of War Ragnarök – Fazit (02:23)

Auch Xbox-Chef Phil Spencer hat sich nach eigenen Angaben(öffnet im neuen Fenster) nicht mit einem seiner eigenen Games am meisten beschäftigt, sondern mit einem Indiegame: 233 Stunden hat er mit Vampire Survivors verbracht, einem von dem italienischen Entwickler Luca Galante fast allein programmierten Shoot-em-up.

Sein Werk mag auf den ersten Blick die Anmutung eines Bildschirmschoners haben. Tatsächlich ist es aber enorm zugänglich und komplex zugleich. Es verführt wie wenige andere Games zum klassischen "noch eine Runde" im Kampf gegen Untote.

Vampire Survivors war nur eines von mehreren unabhängig produzierten Spielen, die 2022 große Erfolge feiern konnten. Ähnlich gelungen sind etwa die wunderschöne Katzensimulation Stray, das humorvolle Return to Monkey Island ( Test auf Golem.de ) und das von einem Schweizer Team entwickelte Aufbauspiel The Wandering Village.

The Wandering Village – Trailer
The Wandering Village – Trailer (01:36)

In erstaunlich großen Teilen der angelsächsischen Spielepresse wurde außerdem das sperrige Immortality ( Test auf Golem.de ) mit Lobeshymnen überhäuft. Hierzulande hat der interaktive Film um das Leben einer fiktiven Schauspielerin wenig Beachtung gefunden.

Für die Nintendo Switch war es ein durchwachsenes Jahr. Das Actionspiel Splatoon 3 konnte vor allem in Asien punkten, das mit Ubisoft entwickelte Mario and Rabbids: Sparks of Hope ist gelungen, aber die rundenbasierte Taktik dürfte vor allem Strategen ansprechen. Pokémon Karmesin und Purpur hatten mit technischen Problemen zu kämpfen.

Ein gutes Jahr für Mobile Games und Free-to-Play

Die wenigen Blockbuster hätten eine Chance für unbekanntere, neue Serien sein können. Die gab es durchaus, nur haben sie nicht ganz überzeugt.

Saints Row etwa hätte wohl noch ein paar Monate an Feintuning gebraucht, The Callisto Protocol war ein bisschen zu eintönig in Sachen Kampfsystem und Gotham Knights war einfach nur mittelgut.

Ein gutes Jahr war es für Mobile Games und Free-to-Play – im Idealfall als Kombi. Für Schlagzeilen hat vor allem Diablo Immortal gesorgt: Das kann man zwar wirklich ganz gut kostenlos spielen. Aber wer zu den Besten der Besten gehören und einen voll ausgebauten Charakter besitzen möchte, muss ein paar hunderttausend Euro investieren.

Nicht ganz so teuer wird die Sache beim ebenfalls von Blizzard veröffentlichten Overwatch 2 ( Analyse auf Golem.de ), das sich trotz kleiner Schwächen sehr solide im Markt etablieren konnte. Auch für Call of Duty Warzone 2.0 lief die Sache gut.

Overwatch 2 – Trailer (Gameplay)
Overwatch 2 – Trailer (Gameplay) (03:04)

Als das beste Mobile Game insgesamt gilt unter den meisten Kennern übrigens das im Superheldenszenario angesiedelte Marvel Snap. Das ist bei einem Entwicklerstudio namens Second Dinner entstanden, der Chefentwickler war früher bei Blizzard für Hearthstone zuständig.

Hier nochmal zurück zu Diablo Immortal, Overwatch 2 und Call of Duty Warzone 2.0: Beim Drüberlesen mag es nicht so auffallen, aber alle drei Titel stammen von Activision Blizzard. Also jenem Konzern, dessen Übernahme für 68,7 Milliarden US-Dollar durch Microsoft angekündigt wurde.

Die Akquisition ist nicht nur der bislang mit Abstand größte derartige Deal innerhalb der Spielebranche, sondern auch der bislang teuerste Firmenkauf durch Microsoft. Allerdings steht die Zustimmung der Kartellbehörden noch aus. Ob die Übernahme gelingt, ist offen – unter anderem Konkurrent Sony kämpft offensichtlich verbissen dagegen.

Die Japaner waren 2022 allerdings selbst auf Einkaufstour: Sie haben die vollständige Akquisition von Bungie (Destiny 2) für rund 3,6 Milliarden US-Dollar angekündigt, um Live-Service- und Onlinespiele stärker auszubauen.

Der Deal des Jahres dürfte der Verkauf von drei Entwicklerstudios und den Rechten an Tomb Raider, Deus Ex und vielen weiteren Serien für gerade mal 300 Millionen US-Dollar von Square Enix an die Embracer Group sein. Eine weitere Großakquisition, nämlich die von Zynga durch Take Two für rund 12,7 Milliarden US-Dollar , wurde ebenfalls inzwischen weitgehend geräuschlos abgeschlossen.

Saints Row – Fazit
Saints Row – Fazit (02:20)

Alles andere als geräuschlos war der massive Leak, der die Take-Two-Tochter Rockstar Games im September 2022 getroffen hat: Ein Unbekannter hatte massenweise Material inklusive Videosequenzen und Quellcode von GTA 6 veröffentlicht.

Also ausgerechnet von dem Spiel, von dem es bis dahin kein Material und keine Infos gegeben hatte – außer der Ankündigung, dass es irgendwie und irgendwann einen Nachfolger für GTA 5 geben werde. Seitdem wissen wir unter anderem, dass das Spiel vor allem in Vice City (Miami) angesiedelt sein wird.

Gotham Knights – Trailer (Launch)
Gotham Knights – Trailer (Launch) (03:02)

Spannende neue Hardware für Spieler gab es 2022 nicht. Die Slim- und Pro-Versionen der Konsolen der aktuellen Generation lassen auf sich warten. Immerhin hat sich die Liefersituation im Laufe des Jahres spürbar gebessert – es sollen sogar schon kleine Stapel mit Playstation 5 ganz normal im Handel herumgestanden haben. Der Spielestreamingdienst Stadia von Google wurde eingestellt.

2022 war auch das Jahr, in dem nach der Coronakrise wieder Tagungen und Messen stattgefunden haben. Den tapferen Anfang machte die Game Developers Conference (GDC) im März in San Francisco, die sich vor Ort fast so wie früher angefühlt hat – wenn auch mit weniger Besuchern.

Die E3, die sonst im Sommer neue Blockbuster zeigt, fiel aus. Die Gamescom 2022 in Köln hatte 265.000 Besucher – ganz ordentlich. Allerdings gab es auch hier zu wenig Blockbuster.

Die Folge: Anstelle von Spielen war ein Streamer die größte Attraktion , was sich ebenfalls ein bisschen nach "Zeitalter der Zerstörung" anfühlte.


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