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Spiele-Altersfreigaben: Andere Länder, anderer Jugendschutz

GDC Europe 2014
Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind in Russland unerwünscht, und im Iran sind einige Titel einzig für verheirate Erwachsene über 25 Jahren spielbar: Was in Deutschland die Nazi-Problematik ist, sind anderswo sexuelle Gesinnung, Drogen oder schlicht Gewalt.
/ Marc Sauter
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Gewalt wird von der USK immer mehr akzeptiert. (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
Gewalt wird von der USK immer mehr akzeptiert. Bild: Marc Sauter/Golem.de

Zerstückelte, nackte Nazi-Zombies haben es in allen Ländern schwer: In Nordamerika stört sich das ESRB (Entertainment Software Rating Board) an den blanken Tatsachen, das europäische PEGI-System (Pan European Game Information) lehnt die Gewaltdarstellung ab und die deutsche USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) toleriert unter keinen Umständen verfassungsfeindliche Symbole.

In Russland entscheidet das Kultusministerium über Alterseinstufungen von Spielen oder ob diese verboten werden. Kinder und Jugendliche werden dort vor Die Sims 4 geschützt, die Lebenssimulation ist aufgrund der Möglichkeit, gleichgeschlechtliche Partnerschaften einzugehen, nur für Erwachsene freigegeben.

Der Iran hat die höchste Einstufungsklasse der Welt: Einige Titel dürften einzig von Personen gespielt werden, die mindestens 25 Jahre alt und verheiratet sind. Ein Kriterium der ESRA (Entertainment Software Rating Association) ist beispielsweise, ob ein Spiel Hoffnungslosigkeit vermittelt.

Bei der Spiele-Altersfreigabe gilt rund um den Globus die alte Weisheit "andere Länder, andere Sitten" : Jede Rating-Stelle, egal ob staatlich oder Nichtregierungsorganisation, hat ihre eigenen - zum Teil sehr speziellen - Kriterien und Einstufungen, mit denen Spiele kategorisiert werden. Die Auswirkungen dieser Systeme sind für die Entwickler teils drastisch, wie 2005 die Hot Coffee Mod für GTA San Andreas zeigte: Das ESRB drückte dem Titel nachträglich einen "Adults Only" -Stempel auf, Ketten wie Walmart nahmen die originale Version daher aus dem Handel.

Da in Nordamerika, insbesondere in den USA, sexuelle Inhalte generell nicht gerne gesehen sind, hätte das ESRB Fahrenheit ein Adults Only verpasst. Folgerichtig ist nur eine entschärfte Version erhältlich, da weder Microsoft noch Sony AO-Titel zulassen. Noch härter trifft es Publisher in Australien und Neuseeland: Titel wie Fallout 3 und Saint's Row 4 unterliegen wegen der Verherrlichung von Drogen sowie sexueller Gewalt einer "Refused Classification" , der Import und Verkauf ist Händlern damit untersagt.

In Deutschland sind beide Spiele in einer entschärften Version verfügbar, da in erster Linie Gewalt und weniger sexuelle Inhalte an einem gewissen Grad die USK dazu veranlassen, eine Altersfreigabe zu verweigern - verkauft werden dürfen solche Titel jedoch. Die BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) hat allerdings die Möglichkeit, per Indizierungsverfahren Spiele auf den Index zu setzen (die im Falle der Liste B per Gerichtsbeschluss beschlagnahmt werden können).

In Japan ist die CERO (Computer Entertainment Rating Organization) für Altersfreigaben verantwortlich, Titel mit Z-Kennzeichnung sind nur für Erwachsene verfügbar. Fallout 3 ist ab 18 eingestuft, Änderungen am Gewaltgrad oder der Drogendarstellung hat Bethesda nicht vorgenommen. Die im Original "Fat Man" genannte Atombombe, mit der der Spieler zu Beginn die Stadt Megaton auslöschen kann, wurde allerdings aufgrund von Japans Vergangenheit in "Nuka Launcher" umbenannt.

Jugendschutz in Deutschland

Historisch problematisch ist der Zweite Weltkrieg auch in Deutschland: Verfassungsfeindliche Symbole wie Hakenkreuze sind verboten, weswegen Wolfenstein sogar mit einem Geo-Lock versehen ist. Warum bis heute Spiele nicht wie Filme als Kunst anerkannt sind, bleibt nebulös: Die beiden USK-Mitarbeiter auf der GDC Europe 2014 sagten dazu, "Spiele sind Entertainment und jünger" , weswegen ihnen der Kunststatus bisher verwehrt bliebe.

Theoretisch gäbe es wohl die Möglichkeit, dass ein Publisher mittels einer Klage versucht, verfassungsfeindliche Symbole in Spielen als Kunst durchzuboxen. Aber welcher Hersteller möchte schon als der in die Geschichte eingehen, der sich dafür eingesetzt hat, Hakenkreuze rechtlich durchzusetzen?

Stattdessen entwickeln die Studios lieber für den deutschen Markt angepasste Versionen, die dann einen bis zwei Wochen dauernden Prozess durchlaufen und abschließend eine Altersfreigabe erhalten. Bei Online-Titeln wie MMOs geht der Jugendschutz noch einen Schritt weiter.

Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) schreibt beispielsweise eine Personalausweisüberprüfung oder XML-Tagging im Webseiten-Code vor. Die zeitliche Sperrungen bestimmter Trailer für jüngere Nutzer ist ebenfalls eine Option, wird aber selten genutzt ( "old fashioned" ). Das Blocken von Downloads, beispielsweise für einen MMO-Launcher, wiederum ist gängige Praxis. Alternativ wird XML-Tagging genutzt.

Der JMStV gestattet beispielsweise einen USK-18-Trailer hinter einem XML-Check, nicht aber das gleiche Material frei verfügbar auf der Facebook-Seite des Publishers oder Entwicklerstudios. Eine simple Altersabfrage um einen Launcher herunterzuladen ist zu wenig, auch direkt zugängliche Ingame-Shops bei Spielen für Kinder oder Jugendliche sind untersagt.

Im Laufe der letzten Jahre wurde die USK andererseits bei der Erwachsenenunterhaltung hinsichtlich der Gewaltdarstellung toleranter: Während Max Payne (2001) und Gears of War (2006) indiziert sind, erhielten die dritten Teile eine 18er-Einstufung. Max Payne ist mittlerweile jedoch vom Index genommen.

Zerstückelte, nackte Nazi-Zombies bleiben aber weiterhin problematisch - sie sind ein "No-Go" , sagt Ruben Schwebe von der USK.


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