Spiegelreflex vs. Spiegellos: Das langsame Sterben der DSLRs

Ich verabschiede mich von der Spiegelreflexkamera - mit einer Träne im Knopfloch.

Ein Erfahrungsbericht von Martin Wolf veröffentlicht am
Die klassische DSLR wird wohl irgendwann Geschichte sein.
Die klassische DSLR wird wohl irgendwann Geschichte sein. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)

Ich bin Spiegelreflex-Fan. Meine erste richtige Kamera war eine alte russische Zenit. Mich faszinierten die Mechanik und die robuste Bauweise ebenso wie die Möglichkeiten der verschiedenen Objektive im Zusammenspiel mit der Kamera. Ein herzhaftes, sattes Klacken kündete davon, dass das nächste Bild auf dem Film gelandet war.

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Meine Begeisterung für die SLR blieb auch im digitalen Zeitalter erhalten. Vor einigen Jahren kaufte ich mir im Urlaub zehn obsolete DSLRs, um damit zu experimentieren - eine technische Zeitreise. Privat fotografiere ich momentan mit einer Canon EOS 5D Mark II und bin damit sehr zufrieden.

Aber selbst ich muss mir eingestehen: Die Zeit der DSLR-Dinosaurier ist vorbei.

Als es 2017 an meinem Arbeitsplatz um die Anschaffung einer neuen Kamera ging, hatte ich nicht ein einziges Spiegelreflex-Modell auf der Kandidatenliste. Stattdessen wurde es dann die GH 5 von Panasonic. Eine spiegellose Systemkamera, die meinen vorherigen Spiegelreflexen in nahezu allen Belangen haushoch überlegen ist.

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Seitdem hat sich technisch noch einiges getan. Moderne Systemkameras spielen ihre Stärken in Bereichen aus, die sich an einer DSLR nicht mehr verbessern lassen - zum Beispiel dem Autofokus.

Die Fokussysteme der Spiegellosen sind inzwischen mit Augenfokus und Hilfen für manuelles Scharfstellen ausgestattet und sie agieren sogar schneller als in den Spiegelreflexen. Gerade in Situationen mit Offenblende und bei Sportszenarien oder Vogelflug liegen die Systemkameras weit vorn. Ein weiterer Vorteil ist der elektronische Verschluss, der absolut lautlos arbeitet. Denn auch wenn ich es anfangs noch liebte, war das Geklacker in stillen Situationen wie bei Trauungen oder der Tierfotografie eher von Nachteil.

Die DSLR ist ausentwickelt

Die Hersteller ziehen sich seit Jahren aus dem ruinösen Wettbewerb um billige Spiegelreflexen zurück. Sie sehen stattdessen neue Wachstumsfelder bei der preiswerteren Herstellung von spiegellosen Systemen und verkaufen teurere Optiken für die neuen Bajonett-Anschlüsse gleich mit, die älteren Modelle werden eingestellt.

Das kann man finden, wie man will, aber es gibt keinen Weg zurück. Nikon und Canon haben seit 2018 jeweils eine einzige Vollformat-Spiegelreflexkamera präsentiert, bei APSC sieht es noch ein bisschen besser aus, doch die Tendenz ist erkennbar. Es ist einfach zu teuer, die ausentwickelte mechanische Technologie noch Millimeter für Millimeter weiter zu optimieren und gleichzeitig alle Funktionen einer spiegellosen Kamera im gleichen Gerät unterzubringen.

Canon EOS 5D Mark IV SLR-Digitalkamera (30,4 MP, 8,1cm Touchscreen-LCD, DIGIC 6+, Dual Pixel RAW, 4K Video, WLAN, NFC, GPS) Gehäuse, schwarz

Denn das ist es, was in den vergangen zehn Jahren gemacht wurde. Spiegel hochklappen und dann wird aus der DSLR doch noch eine Spiegellose. Diese Herangehensweise vereint aber leider alle Nachteile beider Systeme. Annehmlichkeiten wie eine Sensorstabilisierung - die nebenbei bemerkt auch die Preise für Objektive nach unten treiben kann - sind in einer Spiegelreflexkamera nur schwer sinnvoll zu integrieren.

Software statt Hardware

Auch wenn ich es persönlich schade finde, dass die Software hier wie in vielen Lebensbereichen wichtiger wird als die Hardware, muss ich doch gestehen, dass ich zum Arbeiten wohl nie wieder zu einer DSLR greifen würde. Das mag bei Fotografen, die Tausende Bilder pro Tag schießen anders aussehen. Denn bei der Akkulaufzeit können Spiegellose noch nicht annähernd mithalten - aber auch die verbessert sich zusehends.

Das Argument, dass die elektronischen Sucher dem Prismensucher unterlegen seien, wird sich auf absehbare Zeit ebenfalls in Luft auflösen. Stattdessen werden die Ressourcen, die für die Entwicklung neuer DSLRs benötigt würden, für Innovationen bei den spiegellosen Kameras sorgen. Pixelshift mit der Möglichkeit, extrem hochauflösende Bilder durch die Verschiebung des Sensors zusammenzusetzen, ist eine davon. Dieser Ansatz kann auch zur Verbesserung des Rauschverhaltens bei hohen ISO-Zahlen genutzt werden.

Spiegelreflexkameras werden vom Markt verschwinden. Vielleicht nicht in den kommenden fünf oder zehn Jahren, denn Fotografen sind mitunter recht konservativ. Die letzten Filmkameras verkaufte Canon beispielsweise noch 2018. Einen großen Markt dafür dürfte es aber schon 10 oder 15 Jahre vorher nicht mehr gegeben haben.

Bei mir bleiben gemischte Gefühle zurück. Einerseits liebe ich die Möglichkeiten der neuen Kameragenerationen und freue mich darüber, dass intelligente Fokussysteme meine Ausbeute an gelungenen Bildern erhöhen, andererseits werden mir Haptik und Herausforderung der klassischen Spiegelreflex fehlen. Ich fahre daher wohl weiterhin zweigleisig: Dienst ist Dienst und Klack ist Klack.

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mwo (Golem.de) 21. Mai 2021

Gab es! Von Olympus, die Camedia E10. Die war exakt so toll wie sich das ganze anhört...



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